Die erweiterte Weltmeisterschaft hat bereits zahlreiche spektakuläre Spiele geliefert. Nun stehen die Viertelfinals an — und die versprechen hochklassige Duelle, große Geschichten und jede Menge Spannung. Sechs europäische Teams sowie jeweils eine Mannschaft aus Afrika und Südamerika kämpfen um den Einzug ins Halbfinale.
Besonders im Fokus stehen dabei das Wiedersehen zwischen Frankreich und Marokko, Spaniens Bollwerk gegen Belgiens Offensive, das Stürmerduell zwischen Erling Haaland und Harry Kane sowie die Frage, ob Titelverteidiger Argentinien erneut einen Weg findet.
Frankreich gegen Marokko: Neuauflage mit anderen Vorzeichen
Den Auftakt macht am Donnerstagabend das Duell zwischen Frankreich und Marokko im Atlanta Stadium. Es ist die Neuauflage des Halbfinals von 2022 — allerdings mit veränderten Rollen. Marokkos Lauf bis in die Vorschlussrunde in Katar galt damals noch als Sensation. Inzwischen aber ist das Team längst mehr als nur ein unbequemer Außenseiter.
Die Afrikameister treten dynamisch, selbstbewusst und mit viel Tempo auf. Nur noch vier Spieler aus der damaligen Startelf standen zuletzt gegen Kanada auf dem Platz. Auch Frankreich hat sich verändert: Nur drei Akteure aus dem Halbfinale von 2022 begannen beim Sieg gegen Paraguay. Spieler wie William Saliba und Michael Olise stehen für die neue Qualität im Team von Didier Deschamps.
Im Mittelpunkt steht dennoch weiter Kylian Mbappé. Der französische Superstar kämpft nicht nur um den Titel, sondern auch um die Torjägerkrone — und um den Rekord als erfolgreichster Torschütze der WM-Geschichte. Interessant: Die Hälfte aller französischen WM-Niederlagen in diesem Jahrhundert gab es gegen afrikanische Teams. Marokko ist seit 34 Spielen ungeschlagen, hat Frankreich allerdings noch nie besiegt.
Spanien gegen Belgien: Offensive trifft auf Defensive
Am Freitagabend kommt es in Los Angeles zum Duell zwischen Spanien und Belgien. Es ist ein klassisches Aufeinandertreffen zweier Extreme: Belgien stellt mit 13 Treffern eine der gefährlichsten Offensiven des Turniers, Spanien dagegen hat bislang noch kein Gegentor kassiert.
Die Belgier präsentierten sich zuletzt in Torlaune. Gegen Neuseeland, Senegal und die USA spielte sich das Team frei. Romelu Lukaku traf bereits dreimal als Joker, Leandro Trossard steuerte zwei Tore und zwei Vorlagen bei. Doch Spanien dürfte eine ganz andere Herausforderung werden.
Die Mannschaft von Luis de la Fuente steht defensiv außergewöhnlich stabil. Sechs Zu-null-Spiele in Serie bei Weltmeisterschaften bedeuten einen historischen Bestwert. Auch die zugelassenen Chancen sind minimal. Belgien muss also Wege finden, eine Defensive zu knacken, die bislang kaum Schwächen gezeigt hat.
Historisch spricht ebenfalls viel für Spanien: In den vergangenen elf Duellen mit Belgien blieb die Selección ungeschlagen. Belgien hofft auf eine Wiederholung von 1986, als man Spanien im WM-Viertelfinale nach Elfmeterschießen ausschaltete.
Norwegen gegen England: Haaland gegen Kane
Das vielleicht spektakulärste Einzelduell des Viertelfinals steigt am Samstag in Miami: Norwegen trifft auf England — und damit Erling Haaland auf Harry Kane.
Haaland hat bei dieser WM bereits sieben Treffer in vier Spielen erzielt. Im Achtelfinale warf er Brasilien mit zwei Toren aus dem Turnier. Seine Bilanz im Nationaltrikot ist beeindruckend: 62 Tore in 54 Länderspielen, dazu eine Serie von 14 Spielen in Folge mit mindestens einem Treffer für Norwegen.
Nur ein Tor hinter ihm liegt Englands Kapitän Harry Kane. Der 32-Jährige entschied das dramatische Achtelfinale gegen Mexiko per Elfmeter und ist inzwischen Englands erfolgreichster WM-Torschütze aller Zeiten. Nach einer überragenden Saison mit 73 Toren für Klub und Nationalmannschaft setzt Kane seine Form auch bei dieser WM fort.
Für England ist es bereits das elfte WM-Viertelfinale, allerdings gewann die Mannschaft nur drei dieser Spiele. Norwegen dagegen steht erstmals überhaupt im Viertelfinale eines großen Turniers. Der Außenseiter hat sich den Weg dorthin hart erarbeitet — mit Toren, Spektakel und defensiver Verwundbarkeit.
Argentinien gegen die Schweiz: Findet Messi wieder eine Lösung?
Den Abschluss bildet in der Nacht auf Sonntag das Duell zwischen Argentinien und der Schweiz in Kansas City. Der Titelverteidiger geht erneut als Favorit in ein K.o.-Spiel, doch der bisherige Weg war alles andere als souverän.
Schon gegen Kap Verde musste Argentinien in die Verlängerung. Gegen Ägypten gelang anschließend ein spätes Comeback, das für Diskussionen sorgte. Die Ägypter fühlten sich benachteiligt und sprachen von Ungerechtigkeit.
Die Schweiz unter Murat Yakin dürfte ein unangenehmer Gegner werden. Das Team steht erstmals seit 1954 wieder in einem WM-Viertelfinale und verfügt mit Johan Manzambi über ein großes Offensivtalent. Fraglich ist allerdings, ob der 20-Jährige nach seiner Verletzung wieder einsatzbereit ist.
Bei Argentinien richtet sich der Blick einmal mehr auf Lionel Messi. Der Superstar erlebte zuletzt einen besonderen Moment: Einerseits verschoss er seinen zweiten Elfmeter bei einer Weltmeisterschaft — ein Negativrekord. Andererseits erzielte er später sein achtes Turniertor und setzte sich damit im Rennen um die Torjägerkrone wieder vor Mbappé.
Das Viertelfinale bietet damit alles, was große Turniere ausmacht: Revanche, Historie, Superstars, Außenseiter und offene Rechnungen. Spätestens jetzt beginnt die Phase, in der aus guten Mannschaften mögliche Weltmeister werden.
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