Kevin Warsh übernimmt am Montag offiziell den Vorsitz der US-Notenbank Fed. Ausgerechnet jetzt.
Nach acht Jahren endet die Amtszeit von Jerome Powell, ebenfalls einst von Donald Trump nominiert – und inzwischen einer der Lieblingsgegner des Präsidenten. Warsh gilt dagegen als deutlich Trump-näher. Das Problem: Die wirtschaftliche Lage macht Zinssenkungen derzeit ungefähr so einfach wie Grillen während eines Hurrikans.
Denn während Trump vor allem niedrigere Zinsen und mehr Wachstum sehen will, sendet die amerikanische Wirtschaft gerade ein ziemlich anderes Signal:
Inflation bleibt hartnäckig,
Verbraucher werden nervös,
Löhne verlieren an Kaufkraft
– und der Krieg mit Iran treibt die Energiepreise weiter nach oben.
Amerikaner sparen plötzlich wieder
Neue Zahlen zum Einzelhandel zeigen, dass viele US-Verbraucher vorsichtiger werden.
Große Anschaffungen wie Autos oder Haushaltsgeräte werden verschoben. Unternehmen sprechen bereits von einer Konsumzurückhaltung „auf Rezessionsniveau“.
Besonders problematisch:
Die gestiegenen Benzinpreise verteuern praktisch alles – vom Transport bis zum Einkauf im Supermarkt.
Ökonom Joe Brusuelas bringt es drastisch auf den Punkt:
„Der Krieg ist bei den Amerikanern angekommen – direkt im Einkaufswagen.“
Laut Umfragen glauben inzwischen drei Viertel der US-Bürger, dass der Iran-Krieg ihre finanzielle Lage verschlechtert hat.
Inflation frisst die Gehälter auf
Noch unangenehmer für die Fed:
Die Inflation steigt inzwischen schneller als die Löhne.
Die Einkommen legten zuletzt durchschnittlich um 3,6 Prozent zu, die Preise aber um 3,8 Prozent.
Das bedeutet:
Real verlieren viele Menschen wieder Kaufkraft.
Für die US-Notenbank ist das ein Warnsignal. Denn genau in solchen Phasen gelten Zinssenkungen normalerweise als riskant, weil sie die Inflation zusätzlich anheizen könnten.
Das eigentliche Problem sitzt tiefer
Besonders besorgt sind Ökonomen über die sogenannte „sticky inflation“ – also Preissteigerungen, die sich langfristig festsetzen.
Während Öl- und Benzinpreise theoretisch wieder sinken könnten, steigen inzwischen auch viele Dienstleistungen:
- Mieten
- Gesundheitskosten
- Restaurants
- Flugtickets
- Studiengebühren
Und solche Preise fallen erfahrungsgemäß nur sehr langsam wieder.
Neue Produzentenpreise zeigen bereits den stärksten Anstieg im Dienstleistungsbereich seit vier Jahren.
Trump sitzt im eigenen Dilemma
Für Donald Trump entsteht damit ein unangenehmes Problem.
Er hatte die Fed jahrelang unter Druck gesetzt, die Zinsen zu senken. Doch ausgerechnet der Krieg mit Iran, den seine Regierung politisch mitträgt, verschärft nun den Inflationsdruck.
Selbst wenn der Konflikt morgen enden würde, dürfte es Monate dauern, bis sich Energiepreise und Lieferketten normalisieren.
Für Warsh bedeutet das:
Er soll die Wirtschaft ankurbeln, ohne die Inflation explodieren zu lassen – und gleichzeitig einem Präsidenten gefallen, der Zinssenkungen fast schon als persönliches Menschenrecht betrachtet.
Jerome Powell kann ihm vermutlich erklären, wie schwierig dieser Job werden kann. Immerhin verbrachte ein großer Teil seiner Amtszeit damit, Trump höflich mitzuteilen, dass die Realität manchmal leider gegen Wahlkampfrhetorik arbeitet.
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