Zum ersten Mal seit fast zehn Jahren hält die Palästinenserpartei Fatah wieder einen großen Parteitag ab.
Mehr als 2.500 Mitglieder beraten derzeit in Ramallah über die Zukunft der Bewegung, die seit Jahrzehnten das Rückgrat der palästinensischen Politik bildet.
Im Mittelpunkt steht dabei vor allem eine Frage:
Wer folgt auf den 90-jährigen Präsidenten Mahmud Abbas?
Abbas wurde zwar erneut zum Parteichef gewählt, doch die Unzufriedenheit in der Bevölkerung wächst massiv.
Umfragen zeigen:
Rund 80 Prozent der Palästinenser wünschen sich inzwischen seinen Rücktritt.
Viele werfen ihm politische Stagnation, Korruption und Vetternwirtschaft vor. Seit fast 20 Jahren regiert Abbas weitgehend per Dekret – ohne neue Präsidenten- oder Parlamentswahlen.
Nun versprach er auf dem Parteitag erstmals wieder Wahlen.
Einen konkreten Zeitplan nannte er allerdings nicht.
Gleichzeitig steht die Palästinensische Autonomiebehörde unter enormem Druck.
Der Gaza-Krieg nach dem Hamas-Angriff auf Israel im Jahr 2023 hat die palästinensischen Gebiete schwer erschüttert. Gaza wurde massiv zerstört, die humanitäre Lage bleibt katastrophal.
Auch im Westjordanland wächst die Frustration:
Israel baut die jüdischen Siedlungen weiter aus, während die Palästinensische Autonomiebehörde zunehmend als schwach und handlungsunfähig wahrgenommen wird.
Hinzu kommen wirtschaftliche Probleme.
Israel hält weiterhin milliardenschwere Steuerzahlungen zurück, die eigentlich an die Autonomiebehörde gehen sollten. Viele Staatsbedienstete erhalten deshalb nur noch Teile ihrer Gehälter.
Besonders heikel:
Ausgerechnet der älteste Sohn des Präsidenten kandidiert nun erstmals für einen Spitzenposten in der Partei.
Der Unternehmer steht auf der Wahlliste für das mächtige Zentralkomitee der Fatah – ein Schritt, der in der Bevölkerung neue Vorwürfe von Nepotismus auslöste.
„Jeder weiß doch, dass alles längst abgesprochen ist“, sagte ein frustrierter Mann in Ramallah gegenüber der BBC.
„Sie dienen ihren eigenen Interessen, nicht den Menschen.“
Politische Beobachter sprechen inzwischen von einer tiefen Identitätskrise der Fatah.
Früher galt die Bewegung als revolutionäre Kraft zur Befreiung Palästinas. Heute sehen viele sie eher als bürokratischen Machtapparat zur Verwaltung der Autonomiebehörde.
Währenddessen gewinnt die islamistische Hamas laut Umfragen zunehmend an Unterstützung – trotz des verheerenden Kriegs in Gaza.
Hinter den Kulissen läuft deshalb längst der Machtkampf um die Zeit nach Abbas.
Zu den wichtigsten Kandidaten für seine Nachfolge zählen mehrere hochrangige Parteifunktionäre und Sicherheitsvertreter.
Offiziell betont die Fatah zwar Geschlossenheit.
Eine Parteivertreterin aus Gaza erklärte:
„Fatah ist wie ein Phönix, der aus der Asche wieder aufersteht.“
Doch viele Palästinenser glauben daran offenbar kaum noch.
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