Die Zeit arbeitet gegen die Menschen in Venezuela. Nach den verheerenden Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 gleicht insbesondere der Küstenstaat La Guaira einem einzigen Trümmerfeld. Ganze Wohnblocks sind eingestürzt, Straßen unpassierbar und Tausende Familien warten verzweifelt auf Nachrichten ihrer Angehörigen.
Nach offiziellen Angaben sind inzwischen mehr als 1.400 Menschen ums Leben gekommen, mehrere Tausend wurden verletzt. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass noch rund 50.000 Menschen vermisst werden. Mit jeder Stunde sinkt die Hoffnung, Überlebende lebend aus den Trümmern bergen zu können.
Familien rufen nach ihren Angehörigen
An vielen Einsturzstellen herrscht eine gespenstische Stille. Immer wieder bitten Rettungskräfte die Menschen, jedes Geräusch einzustellen. Vielleicht ist irgendwo unter den Betonplatten noch eine Stimme zu hören.
Ein Vater wartet seit Tagen vor einem eingestürzten Gebäude. Er ist überzeugt, dass sein Sohn noch unter den Trümmern liegt. Doch ohne schweres Räumgerät kann niemand zu ihm vordringen.
An einer anderen Unglücksstelle berichten Angehörige, sie hätten ihren Verwandten noch wenige Stunden zuvor stöhnen hören. Seitdem herrscht Stille. Dennoch geben sie die Hoffnung nicht auf.
Für viele Familien ist genau diese Ungewissheit derzeit die größte Belastung.
Helfer kämpfen oft mit bloßen Händen
Obwohl inzwischen internationale Rettungsteams aus mehreren Ländern eingetroffen sind, fehlt es vielerorts weiterhin an schwerem Gerät.
Viele Bewohner graben deshalb selbst – mit Schaufeln, Eisenstangen oder sogar mit bloßen Händen. Privatpersonen setzen Drohnen ein, um nach Lebenszeichen oder Vermissten zu suchen. Angehörige verfolgen dabei jede Kameraaufnahme in der Hoffnung, wenigstens einen Hinweis auf ihre Familienmitglieder zu erhalten.
Experten betonen, dass die ersten 48 bis 72 Stunden nach einem Erdbeben entscheidend sind. Danach sinken die Überlebenschancen erheblich – auch wenn es immer wieder Wunder gibt.
Der Geruch des Todes breitet sich aus
Mit jedem Tag verschärft sich die Lage.
Viele Bewohner berichten inzwischen von starkem Verwesungsgeruch zwischen den eingestürzten Gebäuden. Gleichzeitig wächst die Sorge vor Krankheiten, da zahlreiche Leichen noch nicht geborgen werden konnten und viele Menschen ohne sauberes Wasser oder ausreichende Versorgung ausharren müssen.
Während Hilfslieferungen langsam eintreffen, beklagen zahlreiche Betroffene, dass staatliche Hilfe vielerorts bislang nur unzureichend angekommen sei.
Alles verloren – aber am Leben
Neben den vielen Todesopfern verlieren unzählige Familien auch ihre gesamte Existenz.
Viele schlafen inzwischen in Autos, auf Parkplätzen oder unter freiem Himmel, weil ihre Wohnungen zerstört oder einsturzgefährdet sind. Wer sich noch einmal in sein Haus wagt, versucht oft nur das Nötigste zu retten: persönliche Dokumente, Medikamente oder einige Erinnerungsstücke.
Eine junge Mutter beschreibt die Situation mit einfachen Worten: Man sei zwar dankbar, überlebt zu haben. Doch gleichzeitig tue es unendlich weh, alles verloren zu haben und täglich das Leid der Menschen um sich herum zu erleben.
Internationale Hilfe nimmt zu
Mittlerweile unterstützen Rettungskräfte und Hilfsorganisationen aus mehreren Ländern die Such- und Bergungsarbeiten. Spezialisten mit Suchhunden, Drohnen und technischem Gerät versuchen gemeinsam mit venezolanischen Einsatzkräften, weitere Überlebende zu finden.
Dennoch bleibt die Aufgabe gewaltig. Hunderte eingestürzte Gebäude müssen noch durchsucht werden.
Hoffnung stirbt zuletzt
Trotz aller Verzweiflung geben viele Angehörige ihre Hoffnung nicht auf. Solange Rettungskräfte weiter nach Überlebenden suchen, bleibt für sie die Möglichkeit eines Wunders bestehen.
Denn nach jeder großen Naturkatastrophe zeigt sich immer wieder: Manchmal reicht eine leise Stimme unter den Trümmern aus, um aus Hoffnung Wirklichkeit werden zu lassen.
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