Gerade hatten die USA und der Iran noch feierlich eine Waffenruhe vereinbart. Experten sprachen von einem diplomatischen Durchbruch, Kommentatoren von einer historischen Chance – und vermutlich war die Tinte unter dem Abkommen noch nicht einmal richtig trocken.
Dann ging es weiter wie vorher.
Nach einem erneuten iranischen Drohnenangriff auf ein Frachtschiff in der Straße von Hormus beschlossen die USA, den Waffenstillstand auf ihre ganz eigene Art zu interpretieren: mit Marschflugkörpern. Das US-Regionalkommando CENTCOM meldete den Angriff auf Überwachungsanlagen, Kommunikationssysteme, Luftabwehr, Drohnenlager und Einrichtungen zur Minenverlegung. Frei übersetzt: Alles, was auf der Landkarte nach Militär aussah.
US-Präsident Donald Trump erklärte anschließend, der Iran habe den Waffenstillstand verletzt. Man wolle zwar vernünftig bleiben, schrieb er auf Truth Social, fügte aber gleichzeitig hinzu, dass man notfalls die begonnene Arbeit militärisch zu Ende bringen werde. Diplomaten nennen so etwas vermutlich eine „deutliche Botschaft“. Andere würden schlicht sagen: Das klingt nicht gerade nach Deeskalation.
Teheran ließ sich ebenfalls nicht lange bitten. Die Revolutionsgarden reagierten mit Raketen- und Drohnenangriffen auf US-Stützpunkte in Kuwait und Bahrain. Gleichzeitig erklärten sie sämtliche diplomatischen Bemühungen für beendet. Offenbar galt dort dieselbe Devise wie in Washington: Reden ist Silber, Raketen sind Gold.
So entwickelt sich der Waffenstillstand inzwischen zu einem der ungewöhnlichsten der jüngeren Geschichte. Beide Seiten werfen sich gegenseitig vor, ihn gebrochen zu haben – während sie gleichzeitig demonstrieren, wie intensiv man auch während einer Waffenruhe kämpfen kann.
Internationale Beobachter fragen sich mittlerweile, ob das Abkommen versehentlich mit einem Fitnessvertrag verwechselt wurde: Man unterschreibt, erscheint einmal – und kündigt anschließend sofort wieder.
Die Weltgemeinschaft appelliert derweil weiter an beide Seiten, zur Diplomatie zurückzukehren. Allerdings dürfte es zunehmend schwierig werden, den Verhandlungstisch überhaupt noch zu finden. Er liegt vermutlich irgendwo zwischen Drohnen, Raketen und den Trümmern der letzten „Vergeltungsmaßnahme“.
Die einzige Konstante bleibt derzeit die gegenseitige Versicherung, eigentlich Frieden zu wollen – allerdings möglichst erst, nachdem der Gegner aufgehört hat, sich zu wehren.
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