In den USA sorgt ein scheinbar alltäglicher Gebrauchsgegenstand für Ärger – und jetzt auch für politische Aufmerksamkeit: die tragbaren Benzinkanister. Seit Jahren klagen Nutzer über umständliche und ineffektive Designs. Nun greift das Weiße Haus ein: Die US-Umweltbehörde EPA hat am 24. Juli Hersteller in einem Schreiben aufgefordert, ihre Produkte grundlegend zu überarbeiten.
„Es geht nur um den Ausguss“
Seit 2009 gelten in den USA strenge Vorgaben für Benzinkanister. Diese sollen das Austreten von Benzindämpfen verhindern, da die rund 80 Millionen in Umlauf befindlichen Kanister überraschend viel zur Luftverschmutzung beitragen. Das Problem: Die neuen Designs machen das Ausgießen oft zum Kraftakt. Viele Kanister verursachen durch schlecht funktionierende Entlüftungsmechanismen eher Verschüttungen – genau das, was sie eigentlich verhindern sollen.
„Die Leute hassen sie einfach“, sagt Steven Watt, ein 63-jähriger Gebrauchtverkäufer aus Florida, der alte Kanister über eBay verkauft. „Es geht nur um den Ausguss.“
Trump und der „Verbraucherfreundlichkeits-Wandel“
Die EPA fordert nun „verbraucherfreundliche und sichere“ Lösungen – ohne dabei bestehende Sicherheitsvorgaben wie Kindersicherungen oder Brandschutz zu lockern. Der republikanische EPA-Chef Lee Zeldin erklärte: „Teil der großen amerikanischen Rückkehr ist es, Produkte zu liefern, die die Menschen auch wirklich benutzen wollen.“
Ähnliche Schritte hatte Ex-Präsident Donald Trump bereits bei Duschköpfen und Toiletten unternommen – aus seiner Sicht überregulierte Produkte, die im Alltag versagen.
Vorkämpfer der alten Schule: Gebraucht ist gefragt
Viele Nutzer suchen deshalb gezielt nach „Pre-Ban“-Modellen, also Kanistern, die vor 2009 hergestellt wurden. Watt verdient gut an dieser Nische – zuletzt verkaufte er drei alte Kanister für insgesamt 300 Dollar an einen Kunden in Michigan. Der Großteil des Preises entfiel auf die Versandkosten, wie er schmunzelnd berichtet.
„Ich verkaufe vieles, was für mich selbst ein Rätsel ist“, sagt er. „Aber wer die alten Kanister kennt, will keinen neuen mehr.“
Regeln mit Nebenwirkungen
Ironischerweise sollten die neuen Vorschriften ursprünglich die Umwelt schützen. Untersuchungen hatten gezeigt, dass ein einziger alter Kanister bei offenem Verschluss bis zu 60-mal mehr Emissionen verursachen kann als ein offener Fahrzeugtank. Doch die Realität zeigt: Umweltschutz im Kleinen kann schnell zur großen Geduldsprobe für Verbraucher werden.
Ob die neue Initiative tatsächlich zu einem praktikableren Kanister führt, bleibt abzuwarten. Fürs Erste heißt es: Hoffnung auf bessere Ausgüsse – und vielleicht ein wenig Nostalgie für den guten alten „Tankkumpel“ aus einfacheren Zeiten.
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