Hunderte Entlassungen im Außenministerium
Während die USA gleichzeitig mit dem Krieg gegen Iran, dem Ukraine-Konflikt und wachsenden Spannungen mit China beschäftigt sind, verliert das amerikanische Außenministerium in großem Stil erfahrene Diplomaten. Allein in den vergangenen Monaten wurden fast 250 Mitarbeiter des diplomatischen Dienstes sowie mehr als 1.000 Verwaltungsangestellte entlassen.
Die Betroffenen erhielten ihre Kündigung laut CNN teilweise per knapper E-Mail. Darin hieß es lediglich, ihre „Trennung im Rahmen des Personalabbaus“ trete sofort in Kraft.
Kritiker sprechen von „Aushöhlung“ der US-Diplomatie
Ehemalige Botschafter und Diplomaten warnen inzwischen offen vor langfristigen Schäden für die amerikanische Außenpolitik. Besonders problematisch sei der Verlust von Fachwissen in einer Phase internationaler Krisen.
Nach Schätzungen der American Foreign Service Association verließen allein im vergangenen Jahr rund 2.000 Diplomaten freiwillig das Außenministerium – viele davon mit jahrzehntelanger Erfahrung.
Der frühere US-Botschafter John Bass sprach gegenüber CNN von einem „historischen Eigentor“, dessen Folgen die USA noch jahrelang spüren könnten.
Schlüsselabteilungen komplett aufgelöst
Besonders umstritten ist die Auflösung ganzer Fachbereiche. Betroffen war unter anderem das Büro für Energiediplomatie, das sich mit Ölversorgung, Energiekrisen und Sanktionen beschäftigte.
Ausgerechnet diese Experten hätten laut früheren Mitarbeitern wichtige Beiträge zur aktuellen Iran-Krise leisten können – etwa bei Fragen zur Straße von Hormus oder zu globalen Energieengpässen.
Der ehemalige Diplomat Erik Holmgren erklärte, sein Team habe zuvor intensiv daran gearbeitet, Irans Ölexporte einzuschränken und alternative Energiequellen für Verbündete wie den Irak aufzubauen. Nun sei die gesamte Abteilung aufgelöst worden.
Mehr als 100 Botschafterposten unbesetzt
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Weltweit sind derzeit mehr als 100 amerikanische Botschafterposten unbesetzt – darunter auch in wichtigen Regionen wie dem Nahen Osten, Russland und der Ukraine.
Viele Botschaften werden derzeit nur kommissarisch geleitet. Ehemalige Beamte warnen, dass diese Vertreter oft keinen direkten Zugang zu Spitzenpolitikern der Gastländer hätten und dadurch an Einfluss verlieren.
Trump setzt auf Vertraute statt Karriere-Diplomaten
Kritiker werfen Präsident Donald Trump zudem vor, außenpolitische Verhandlungen zunehmend engen Vertrauten zu überlassen – darunter Geschäftsfreunden und Familienmitgliedern – statt auf erfahrene Diplomaten zurückzugreifen.
Mehrere ehemalige Mitarbeiter berichten außerdem von wachsendem politischem Druck innerhalb des Außenministeriums. Beförderungen würden inzwischen stärker an „Loyalität“ gegenüber der Regierung gekoppelt. Kritische Stimmen seien unerwünscht.
Außenministerium weist Kritik zurück
Das Außenministerium selbst widerspricht den Vorwürfen entschieden. Sprecher Tommy Pigott erklärte gegenüber CNN, die Reformen dienten lediglich dazu, Bürokratie abzubauen und die Diplomatie effizienter zu machen. Von einer Schwächung könne keine Rede sein.
Man könne heute schneller und effektiver auf Krisen reagieren als zuvor, sagte Pigott. Die diplomatischen Fähigkeiten der USA seien keineswegs beeinträchtigt worden.
Experten warnen vor langfristigen Folgen
Viele ehemalige Diplomaten sehen das anders. Diplomatie lasse sich nicht kurzfristig ersetzen. Erfahrung entstehe über Jahre im Auslandseinsatz, durch persönliche Kontakte und regionale Kenntnisse.
Der frühere Nahost-Diplomat Ryan Gliha warnte, die Folgen würden nicht nur Washington treffen. Auch amerikanische Unternehmen, internationale Handelsbeziehungen und die Sicherheit von US-Bürgern im Ausland könnten darunter leiden.
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