US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, die amerikanischen Angriffe auf den Iran vorläufig einzustellen. Nach seinen Angaben habe die iranische Führung um eine Unterbrechung der Kämpfe und um neue Gespräche gebeten. Sollten sich beide Seiten jedoch nicht auf eine neue Waffenruhe einigen, könnten die Angriffe wieder aufgenommen werden.
Das iranische Außenministerium widersprach dieser Darstellung. Ein Sprecher erklärte, derzeit gebe es keine Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten. Teheran werde es nicht zulassen, dass Washington über den Zeitpunkt von Krieg und Frieden bestimme.
Die vorläufige Kampfpause folgt auf fast zwei Wochen amerikanischer Angriffe gegen Ziele im Iran. Innerhalb der US-Regierung soll es zuletzt auch Bedenken wegen der vorhandenen Munitionsbestände und der möglichen Folgen einer weiteren Eskalation gegeben haben.
Trump erklärte, die US-Streitkräfte verfügten grundsätzlich über ausreichend Munition. Bei besonders modernen Waffensystemen wünsche er sich jedoch größere Bestände. Amerikanische Rüstungsunternehmen würden ihre Produktion bereits ausweiten, unter anderem bei Abfangraketen für das Patriot-Luftabwehrsystem.
Drohnenangriffe auf Saudi-Arabien
Trotz der angekündigten Pause bleibt die Lage in der Region angespannt. Saudi-Arabien meldete mehrere Drohnenangriffe auf Erdölanlagen in der Ostprovinz und im Raum Riad. Die Drohnen seien aus dem Irak gestartet worden und iranisch unterstützten Milizen zuzurechnen.
Mehrere Golfstaaten, darunter Kuwait, Katar und Oman, verurteilten die Angriffe und erklärten ihre Solidarität mit Saudi-Arabien. Die irakische Regierung kündigte eine Untersuchung an. Eine Dachorganisation proiranischer Milizen im Irak wies die Vorwürfe dagegen zurück.
Oman startete unterdessen eine diplomatische Initiative zur Deeskalation. Außenminister Badr Albusaidi führte Gespräche mit Vertretern des Iran, Saudi-Arabiens, Katars, Kuwaits und Ägyptens. Im Mittelpunkt standen eine politische Lösung des Konflikts, die Sicherheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus und die Stabilisierung internationaler Lieferketten.
Ölpreise fallen deutlich
Die Unterbrechung der Kämpfe wirkte sich unmittelbar auf die internationalen Energiemärkte aus. Der Preis für Rohöl der Sorte Brent fiel um 11,3 Prozent auf 85,87 Dollar pro Barrel. US-Rohöl verbilligte sich um rund sieben Prozent auf 82,61 Dollar.
Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus blieb jedoch deutlich unter dem Niveau vor dem Krieg. Während früher täglich etwa 100 Handelsschiffe die Meerenge passierten, waren es am Montagmorgen weniger als zehn Frachtschiffe.
Zusätzliche Unsicherheit verursachen mögliche Angriffe der vom Iran unterstützten Huthi-Miliz auf Tanker im Roten Meer. Marktbeobachter warnen daher vor gleichzeitigen Störungen der Exportwege im Persischen Golf und im Roten Meer.
Treffen mit Netanjahu und Selenskyj
Trump will am Dienstag sowohl den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu als auch den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Weißen Haus empfangen.
Beim Gespräch mit Netanjahu sollen der Krieg mit dem Iran, Verhandlungen mit dem Libanon und eine mögliche Erweiterung der Abraham-Abkommen behandelt werden. Trump räumte ein, dass beide Politiker in der Iran-Frage nicht vollständig übereinstimmen, bezeichnete ihre Positionen aber weiterhin als weitgehend ähnlich.
Netanjahu lehnt außerdem mögliche US-Lieferungen von F-35-Kampfjets an die Türkei ab. Trump betonte dazu, allein die Vereinigten Staaten entschieden über ihre Waffenverkäufe.
Beim Treffen mit Selenskyj soll es um den Friedensprozess zwischen Russland und der Ukraine gehen. Trump wies Selenskyjs Vorwurf zurück, Russland liefere dem Iran gezielt Informationen über amerikanische Militärstützpunkte. Er schloss eine begrenzte russische Unterstützung zwar nicht völlig aus, spielte deren Bedeutung jedoch herunter.
Netanjahu und Selenskyj wollen in Washington außerdem an der Trauerfeier für den verstorbenen US-Senator Lindsey Graham teilnehmen.
Weitere Gespräche zwischen Israel und dem Libanon
Israelische und libanesische Vertreter wollen sich vom 4. bis 6. August in Rom treffen. Die von den USA vermittelten Gespräche sollen der Umsetzung eines im Juni vereinbarten Rahmenabkommens dienen.
Geplant sind weitere sogenannte Pilotzonen im Süden des Libanon, die Klärung offener Grenzfragen und langfristig ein umfassendes Friedens- und Sicherheitsabkommen. In ersten Gebieten hatte das israelische Militär die Kontrolle bereits an die libanesischen Streitkräfte übergeben.
Trotz der diplomatischen Initiativen bleibt die Lage im Nahen Osten unsicher. Die widersprüchlichen Aussagen aus Washington und Teheran, die Drohnenangriffe auf Saudi-Arabien und die eingeschränkte Schifffahrt zeigen, dass die angekündigte Pause bislang keine dauerhafte Entspannung garantiert.
Kommentar hinterlassen