In Minnesota werden Wasserversorger offenbar gezielt von Hackern angegriffen. Ermittler prüfen eine mögliche Verbindung zum Iran. US-Präsident Donald Trump hat den Fall jedoch bereits gelöst.
Nicht Iran sei verantwortlich, sondern Minnesota.
Genauer gesagt: die angebliche Unfähigkeit des Bundesstaates und seines demokratischen Gouverneurs Tim Walz. Beweise legte Trump nicht vor. Aber in der politischen Forensik reicht bekanntlich ein entschlossener Ton oft völlig aus.
Während US-Behörden noch Daten auswerten, Systeme überprüfen und nach möglichen ausländischen Angreifern suchen, war der Präsident gedanklich schon einen Schritt weiter. Iran habe schließlich größere Probleme, als sich um Minnesotas Wasserversorgung zu kümmern, erklärte Trump.
Das klingt beruhigend. Denn offenbar entscheidet bei Cyberangriffen nicht die technische Möglichkeit, sondern die aktuelle Auslastung des mutmaßlichen Angreifers.
Tatsächlich waren Ende Juli mehrere kommunale Wassersysteme betroffen. Unbekannte verschafften sich Zugriff auf internetfähige Steuerungstechnik, änderten Passwörter und sperrten Betreiber teilweise aus ihren eigenen Anlagen aus. Einige Systeme mussten manuell bedient werden, andernorts wurden Hinweise zum Abkochen von Wasser ausgegeben.
Die zuständigen Behörden sprechen von koordinierten Angriffen. Ähnliche Vorfälle wurden auch aus anderen Bundesstaaten gemeldet.
Gouverneur Walz reagierte scharf. Trump wisse sehr wohl, dass nicht nur Minnesota betroffen gewesen sei. Außerdem warf er der Regierung vor, durch den Abbau von Cybersicherheitsstrukturen das Land zusätzlich verwundbar gemacht zu haben.
Damit stehen sich nun zwei Erklärungsmodelle gegenüber.
Das erste lautet: Ausländische oder staatlich unterstützte Hacker greifen schlecht geschützte Infrastruktur an.
Das zweite lautet: Minnesota ist einfach unfähig.
Trump bevorzugt Variante zwei. Sie ist kürzer, einfacher und kommt ohne technische Details aus.
Bundesbehörden warnen derweil schon länger davor, dass Wasser- und Abwassersysteme ein attraktives Ziel für Cyberangriffe sind. Viele Anlagen nutzen vernetzte Steuergeräte, die aus der Ferne erreichbar und offenbar nicht immer ausreichend geschützt sind.
In den USA gibt es mehr als 150.000 öffentliche Trinkwassersysteme. Das bedeutet viele mögliche Schwachstellen – und theoretisch ebenso viele Gelegenheiten, einem politischen Gegner die Schuld zu geben.
Ob Iran tatsächlich hinter den Angriffen steckt, ist bislang nicht bestätigt. Die Ermittlungen laufen.
Trump hingegen ist mit seiner Untersuchung bereits fertig.
Tatort: Minnesota.
Tatmotiv: Inkompetenz.
Beweislage: nebensächlich.
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