Die für den 9. September angesetzte Gerichtsanhörung im Streit zwischen der Southeastern Conference und der Louisiana State University wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Unabhängig davon wollen die Verantwortlichen der College-Sportliga an ihrem für Donnerstag geplanten Treffen festhalten. Erwartet werden Vertreter von mindestens 15 Mitgliedsuniversitäten.
Ob auch LSU an der Sitzung teilnehmen wird, ist noch unklar. Nach Angaben mehrerer mit den Beratungen vertrauter Funktionäre wird ein Ausschluss der Universität inzwischen jedoch nicht mehr ernsthaft erwogen. LSU gehört seit 1933 zu den Gründungsmitgliedern der Southeastern Conference, kurz SEC.
Zur Entspannung der Situation trug offenbar eine Entscheidung der Universität vom Dienstagabend bei. LSU besetzte die letzten beiden freien Plätze seines Footballkaders mit Aiden Anding und Gabriel Reliford. Damit ist eine Verpflichtung der ehemaligen NFL-Spieler Dae’Quan Wright und Zxavian Harris praktisch ausgeschlossen.
LSU-Präsident Wade Rousse informierte SEC-Commissioner Greg Sankey in einem Schreiben über die Veränderungen im Kader. Zugleich erklärte er, dass die Universität die geplante Sitzung der Conference nicht behindern wolle.
Vollständig ausgestanden ist der Konflikt für LSU damit allerdings nicht.
Sanktionen bleiben möglich
Die Verantwortlichen der SEC könnten weiterhin Strafen gegen die Sportabteilung der Universität verhängen. Auch persönliche Sanktionen gegen einzelne Beteiligte sind möglich.
Mehrere Funktionäre betonten, dass der Konflikt nicht nur Trainer Lane Kiffin und das Footballprogramm betreffe. Auch Will Wade, Trainer der Basketballmannschaft von LSU, soll sich mit der möglichen Verpflichtung früherer Profispieler beschäftigt haben. Genannt wurde dabei unter anderem R.J. Luis Jr.
Bei der SEC wächst deshalb die Sorge, dass es sich nicht um einen einzelnen Streitfall handelt, sondern um ein grundsätzliches Problem bei der Einhaltung der Ligaregeln innerhalb der gesamten Sportabteilung.
Ein ranghoher Footballfunktionär erklärte, die Verantwortlichen von LSU seien besorgt, weil sie nicht wüssten, welche Maßnahmen die Conference beschließen werde.
Nach seiner Einschätzung hat die Universitätsleitung die Kontrolle über die Situation verloren und dem Ansehen von LSU geschadet. Er sprach sich dafür aus, Lane Kiffin zu suspendieren. Ohne eine persönliche Strafe werde der Trainer die Konsequenzen kaum spüren.
Forderung nach Sperre für Lane Kiffin
Nicht alle SEC-Verantwortlichen befürworten eine besonders harte Bestrafung. Ein anderer hochrangiger Funktionär erklärte, Kiffins Vorgehen gegenüber der Conference habe kein gutes Bild abgegeben. Gleichzeitig sei er erleichtert, dass der Streit offenbar nicht bis zu einem möglichen Ausschluss von LSU eskaliere.
Eine Sperre des Trainers für zwei Conference-Spiele sei nach seiner Einschätzung vertretbar. Er werde sich dafür allerdings nicht mit aller Kraft einsetzen.
Mehrere Funktionäre verwiesen auf das Vorgehen der Big Ten Conference gegen den damaligen Michigan-Trainer Jim Harbaugh im Jahr 2023. Harbaugh wurde seinerzeit auch für das wichtige Spiel gegen Ohio State gesperrt.
Nach diesem Vorbild könnte Kiffin unter anderem die Partie von LSU bei seinem früheren Arbeitgeber Ole Miss am 19. September verpassen. Gerade wegen dieser besonderen Begegnung hätte eine Sperre erhebliche sportliche und persönliche Bedeutung.
SEC will ihre Autorität sichern
In einer ergänzten gerichtlichen Eingabe erklärte die SEC, dass sie ihre Befugnis zur Bestrafung von LSU und einzelner Beteiligter bewahren wolle.
Die Conference argumentierte, eine weitere Zusammenarbeit mit LSU könne ihr einen nicht wiedergutzumachenden Schaden zufügen, wenn sie sich nicht deutlich von einem Verhalten distanzieren könne, das nach ihrer Auffassung den Grundwerten der Liga widerspreche.
Damit geht es in dem Konflikt nicht nur um zwei möglicherweise verpflichtete Spieler. Die SEC möchte verhindern, dass eine Mitgliedsuniversität Entscheidungen der Conference offen infrage stellt und anschließend ohne spürbare Folgen weitermacht.
Hohe Geldstrafe im Gespräch
Neben einer Sperre für Lane Kiffin beraten die Verantwortlichen offenbar auch über eine erhebliche Geldstrafe.
Nach den Statuten der SEC kann eine Geldbuße bis zu 50 Prozent des Betriebsetats einer Sportart betragen. Das Footballprogramm von LSU verfügte im Haushaltsjahr 2024/25 über ein Budget von mehr als 50 Millionen US-Dollar.
Eine theoretisch mögliche Höchststrafe könnte damit einen zweistelligen Millionenbetrag erreichen. Ob die SEC tatsächlich eine derart hohe Summe verlangen würde, ist jedoch offen.
Ein Footballfunktionär erklärte, eine hohe Geldstrafe wäre vor allem dann gerechtfertigt gewesen, wenn LSU die beiden Spieler tatsächlich in den endgültigen Kader aufgenommen hätte. Wright und Harris hatten zuvor an NFL-Trainingslagern teilgenommen und zeitweise mit Kiffins Mannschaft trainiert.
Die Besetzung der letzten beiden Kaderplätze mit anderen Spielern wird deshalb als wichtiger Schritt zur Entschärfung des Konflikts betrachtet. Sie beseitigt jedoch nicht automatisch alle möglichen Verstöße, die zuvor stattgefunden haben könnten.
Ausschluss offenbar vom Tisch
Der zeitweise diskutierte Ausschluss von LSU aus der SEC scheint inzwischen sehr unwahrscheinlich zu sein. Eine solche Entscheidung hätte weitreichende sportliche, finanzielle und rechtliche Konsequenzen für die Universität und die gesamte Conference gehabt.
LSU gehört zu den bekanntesten und wirtschaftlich bedeutendsten Hochschulsportprogrammen der Vereinigten Staaten. Ein Ausschluss eines Gründungsmitglieds wäre ein beispielloser Schritt gewesen.
Innerhalb der SEC besteht offenbar zunehmend Einigkeit darüber, dass eine weniger drastische Lösung gefunden werden sollte. Dazu könnten eine Geldstrafe, institutionelle Auflagen oder eine persönliche Suspendierung von Lane Kiffin gehören.
Eine Entscheidung steht noch aus. Das Treffen der Conference dürfte jedoch zeigen, wie groß der Unmut über das Verhalten von LSU tatsächlich ist.
Ein Vertreter einer SEC-Mitgliedsuniversität fasste die vorherrschende Stimmung mit einem einfachen Bild zusammen: LSU könne nicht zuerst das Feuer legen und anschließend glauben, eine Entschuldigung reiche aus, um die Angelegenheit zu beenden.
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