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USA erhöhen Druck auf Käufer von iranischem Öl – China steht im Mittelpunkt

geralt (CC0), Pixabay
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Die US-Regierung will den wirtschaftlichen Druck auf den Iran weiter verschärfen und dabei verstärkt jene Länder ins Visier nehmen, die weiterhin iranisches Öl kaufen. Besonders im Fokus steht China, das mit Abstand der wichtigste Abnehmer iranischer Rohölexporte ist.

US-Finanzminister Scott Bessent kündigte einen massiven wirtschaftlichen Schlag gegen Staaten und Unternehmen an, die den Handel mit Teheran fortsetzen. Er sprach von einem „wirtschaftlichen D-Day“. China nannte er zwar nicht ausdrücklich, machte aber deutlich, dass Washington genau wisse, welche Länder gemeint seien.

Rund 90 Prozent der iranischen Ölexporte gehen nach China

Nach Einschätzung der amerikanisch-chinesischen Wirtschafts- und Sicherheitskommission entfallen rund 90 Prozent der iranischen Ölexporte auf chinesische Käufer. Damit fließen jährlich Einnahmen in Milliardenhöhe nach Teheran.

Diese Gelder sind für den Iran von großer Bedeutung, weil sie sowohl den Staatshaushalt als auch andere staatliche Aktivitäten finanzieren.

Die amerikanische Regierung sieht deshalb gerade beim Ölhandel einen der wichtigsten Ansatzpunkte, um den wirtschaftlichen Spielraum Teherans einzuschränken.

Die jüngsten Ankündigungen bezeichnete Bessent zunächst als „Warnschuss“. Zwar wurden bereits einzelne Unternehmen und Personen mit Sanktionen belegt, umfassende Strafmaßnahmen gegen bestimmte Staaten wurden bislang jedoch noch nicht verkündet.

China warnt vor weiterer Eskalation

Peking reagierte ablehnend auf die Drohungen aus Washington.

Das chinesische Außenministerium erklärte, Sanktionen und politischer Druck seien nicht geeignet, Konflikte zu lösen. Stattdessen würden solche Maßnahmen die Lage weiter verschärfen.

China deutete zugleich an, mögliche Gegenmaßnahmen zu prüfen. Die Regierung werde alle notwendigen Schritte unternehmen, um die eigenen wirtschaftlichen Interessen zu schützen.

Damit droht ein weiterer Konflikt zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt.

Das Verhältnis zwischen Washington und Peking ist ohnehin angespannt. Bereits zuvor hatten Handelsstreitigkeiten, hohe Zölle und gegenseitige Sanktionen die Beziehungen belastet.

China hat iranische Ölimporte bereits deutlich reduziert

Trotz seiner Bedeutung als wichtigster Käufer hat China seine Einfuhren aus dem Iran in den vergangenen Monaten bereits deutlich zurückgefahren.

Vor Beginn des Krieges importierte das Land nach Angaben des Analyseunternehmens Vortexa durchschnittlich rund 1,4 Millionen Barrel iranisches Rohöl pro Tag.

Zuletzt waren es nur noch etwa 700.000 Barrel täglich.

Als Gründe gelten eine geringere Auslastung chinesischer Raffinerien sowie der verstärkte Rückgriff auf bereits vorhandene Ölreserven.

Experten gehen deshalb davon aus, dass ein vollständiger Stopp iranischer Lieferungen kurzfristig nicht zwangsläufig zu einer Versorgungskrise in China führen würde.

Das Land verfügt weiterhin über erhebliche strategische Ölbestände und kann Rohöl auch aus anderen Staaten beziehen.

Straße von Hormus bleibt entscheidender Faktor

Für China ist die Lage dennoch heikel.

Nach einer Analyse der japanischen Bank Nomura werden rund 38 Prozent der chinesischen Ölimporte und etwa 23 Prozent der Flüssiggasimporte durch die Straße von Hormus transportiert.

Die Meerenge zählt zu den wichtigsten Energierouten der Welt und steht im Zentrum des Konflikts mit dem Iran.

Wie viel Öl derzeit tatsächlich durch die Straße transportiert wird, ist allerdings schwer festzustellen.

Während die US-Regierung erklärt, dass die Schifffahrtsroute geöffnet sei und weiterhin Öl transportiert werde, widerspricht der Iran dieser Darstellung.

Unabhängige Schiffsdaten deuten darauf hin, dass die tatsächlichen Transportmengen deutlich unter den von Washington genannten Zahlen liegen könnten.

Schattenflotten erschweren Kontrolle

Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch sogenannte Schattenflotten.

Dabei handelt es sich um Tanker, deren Besitzverhältnisse, Herkunft oder Reiseziele bewusst verschleiert werden. Solche Schiffe werden häufig eingesetzt, um internationale Sanktionen zu umgehen.

Nach Angaben des Schiffsanalysedienstes Kpler entfielen zuletzt rund 50 Prozent des Verkehrs durch die Straße von Hormus auf solche schwer nachverfolgbaren Transporte.

Noch einen Monat zuvor lag der Anteil bei lediglich rund 12,5 Prozent.

Damit wird es für Regierungen und Marktbeobachter zunehmend schwieriger, zuverlässig festzustellen, wie viel iranisches Öl tatsächlich exportiert wird und wer es kauft.

Auch amerikanische Verbraucher könnten betroffen sein

Härtere Sanktionen gegen Käufer iranischen Öls könnten nicht nur den Iran oder China treffen.

Sollten größere Mengen Öl vom Weltmarkt verschwinden, könnten die Energiepreise erneut steigen.

In den USA sind die Folgen des Konflikts bereits spürbar. Der landesweite Durchschnittspreis für Benzin liegt derzeit bei rund 4,10 Dollar pro Gallone. Im vergangenen Jahr waren es noch etwa 3,15 Dollar.

Hohe Ölpreise könnten damit auch für die Trump-Regierung innenpolitisch zum Problem werden.

Denn je stärker Washington versucht, die iranischen Einnahmen zu begrenzen, desto größer wird das Risiko, gleichzeitig die weltweiten Energiepreise nach oben zu treiben.

Indien hatte sich bereits früher zurückgezogen

Dass amerikanische Sanktionen Wirkung zeigen können, zeigt das Beispiel Indien.

Das Land war früher ein bedeutender Käufer iranischen Öls, stellte seine regulären Importe jedoch 2019 unter dem Druck amerikanischer Sanktionen weitgehend ein.

Der Handel zwischen Indien und dem Iran setzte sich in anderen Bereichen fort, etwa bei Reis, Zucker und anderen Waren.

Im April 2026 kaufte Indien allerdings während einer angespannten Versorgungslage erstmals seit Jahren wieder eine Lieferung iranischen Öls.

Washington erhöht den Druck, vermeidet aber feste Fristen

Wie weit die USA bei ihrem Vorgehen gegen China und andere Abnehmer iranischen Öls tatsächlich gehen werden, bleibt offen.

Bessent erklärte, niemand könne sich der Reichweite amerikanischer Sanktionen sicher sein. Einen konkreten Zeitplan für weitere Maßnahmen nannte er jedoch nicht.

Die Zurückhaltung dürfte auch politische Gründe haben.

Chinas Staatschef Xi Jinping wird im kommenden Monat zu einem Besuch in den USA erwartet. Eine massive Eskalation kurz vor diesem Treffen könnte die ohnehin angespannten Beziehungen weiter belasten.

Washington steht damit vor einem schwierigen Balanceakt: Je stärker die USA die iranische Wirtschaft treffen wollen, desto stärker müssen sie auch Druck auf China ausüben.

Und genau das könnte am Ende nicht nur Teheran und Peking treffen – sondern über steigende Energiepreise auch Verbraucher weit über die Region hinaus.

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