Bei einem Einsatz von US-Einwanderungsbeamten (ICE) im kalifornischen Patterson ist ein Mann angeschossen und in ein Krankenhaus gebracht worden. Nach Angaben der Behörden hatten ICE-Beamte am 7. April einen gezielten Fahrzeugstopp durchgeführt, um Carlos Ivan Mendoza Hernandez im Zusammenhang mit einem Mordfall zu befragen. Der Vorfall ereignete sich gegen 6.30 Uhr morgens in der Nähe einer Abfahrt an der Interstate 5.
Nach Darstellung des kommissarischen ICE-Direktors Todd Lyons eskalierte die Situation, als die Beamten sich dem Fahrzeug näherten. Mendoza Hernandez habe sein Auto „als Waffe eingesetzt“ und beinahe einen Beamten überfahren. Daraufhin hätten die Einsatzkräfte „defensive Schüsse“ abgegeben, um sich selbst, andere Beamte und die Öffentlichkeit zu schützen.
Videoaufnahmen einer Dashcam, die dem Sender KCRA 3 vorliegen sollen, zeigen ein schwarzes Fahrzeug am Straßenrand, während sich mehrere Beamte nähern. Kurz darauf fährt das Fahrzeug rückwärts, rammt offenbar mit der Beifahrertür ein ICE-Fahrzeug und beschleunigt dann in Richtung der Beamten, bevor es über eine Verkehrsinsel in den Gegenverkehr lenkt. Auf den Aufnahmen ist nach ersten Berichten allerdings nicht eindeutig zu erkennen, dass ein Beamter tatsächlich vom Fahrzeug getroffen wurde. Unklar bleibt bislang auch, in welchem exakten Moment die Schüsse fielen. Bilder vom Fahrzeug zeigen jedoch mehrere Einschusslöcher im Frontbereich.
Mendoza Hernandez wurde nach dem Vorfall in ein örtliches Krankenhaus gebracht. Über seinen aktuellen Gesundheitszustand machten die Behörden zunächst keine genauen Angaben.
ICE bezeichnet den Mann als mutmaßliches Mitglied der 18th Street Gang, der in El Salvador gesucht werde und sich zudem illegal in den USA aufhalte. Diese Darstellung stammt bislang aus den Angaben der Bundesbehörden und ist damit Teil der offiziellen Version des Einsatzes.
Vor Ort ermitteln derzeit das Sheriff’s Office des Stanislaus County sowie das FBI. Mehrere Zu- und Abfahrten an der Interstate 5 blieben zunächst gesperrt. Auch Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom wurde über den Vorfall informiert. Sein Büro erklärte auf X, man erwarte von den Bundesbehörden, dass sie im Rahmen der Ermittlungen angemessen mit staatlichen und lokalen Sicherheitskräften zusammenarbeiteten.
Der Schusswaffeneinsatz sorgt auch deshalb für zusätzliche Aufmerksamkeit, weil er nur wenige Monate nach zwei anderen hoch umstrittenen Fällen steht, bei denen Bundesbeamte im Zusammenhang mit Einwanderungseinsätzen beziehungsweise Protesten tödliche Gewalt gegen US-Staatsbürger angewandt hatten.
Im Januar erschoss ein ICE-Beamter in Minnesota die 37-jährige Renee Good während eines Einsatzes in ihrem Auto. Die Behörden sprachen damals ebenfalls von Notwehr und erklärten, sie habe ihr Fahrzeug in Richtung der Beamten gelenkt. Videoaufnahmen ließen jedoch Zweifel an dieser Darstellung aufkommen und deuteten eher darauf hin, dass sie ihr Fahrzeug von den Beamten wegbewegte.
Wenige Wochen später erschossen zwei Beamte der U.S. Customs and Border Protection den ebenfalls 37-jährigen US-Bürger Alex Pretti während eines Protests. Die Bundesbehörden warfen ihm vor, mit einer Waffe „maximalen Schaden“ anrichten und Beamte töten zu wollen. Videoaufnahmen von Augenzeugen zeigten jedoch nicht, dass Pretti seine legal mitgeführte Waffe tatsächlich gezogen oder eingesetzt hatte.
DieBewertung meint: Wieder einmal heißt es bei einem umstrittenen Einsatz amerikanischer Bundesbeamter, man habe nur aus Selbstschutz geschossen. Wieder einmal gibt es Videos, die Fragen offenlassen. Und wieder einmal steht am Ende ein Mensch mit Schussverletzungen oder sogar Tote auf der Straße, während die offizielle Version der Behörden bereits wie ein fertiger Pressetext klingt. Natürlich kann es Situationen geben, in denen Beamte sich verteidigen müssen. Aber wenn sich solche Fälle häufen und die Videos immer wieder Zweifel an der offiziellen Darstellung wecken, dann ist Misstrauen nicht nur erlaubt – dann ist es geradezu Pflicht. Denn Rechtsstaat bedeutet eben nicht, dass man jeder Behördenversion blind glaubt, sondern dass man genau hinschaut, bevor aus einem Einsatz eine endgültige Wahrheit gemacht wird.
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