Ein schwerer Sicherheitsvorfall hat in der Nacht den Flughafen Leipzig/Halle in Alarmbereitschaft versetzt. Auf der südlichen Start- und Landebahn entdeckte ein Flughafenmitarbeiter eine Drohne, an der eine bislang nicht abschließend identifizierte Sprengvorrichtung befestigt war. Spezialkräfte der Bundespolizei entschärften das Fluggerät und entfernten den Zünder.
Der Flugbetrieb wurde zeitweise eingestellt, ein Krisenstab eingerichtet und das Gelände weiträumig abgesichert. Kriminaltechniker und Entschärfer waren unter anderem mit einem Sprengroboter im Einsatz. Nach ersten Untersuchungen soll die an der Drohne befestigte Substanz auf Nitrate reagiert haben. Medienberichten zufolge könnte es sich um ein Gemisch aus Düngemittel und Benzin gehandelt haben. Ob der mutmaßliche Zünder tatsächlich funktionsfähig war oder bereits beschädigt beziehungsweise abgerissen war, ist noch unklar.
Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden und das beim Landeskriminalamt angesiedelte Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum haben die Ermittlungen übernommen. Eine politische Motivation wird derzeit nicht ausgeschlossen. Der Flughafen Leipzig/Halle gilt als Teil der kritischen Infrastruktur und als bedeutender Luftfrachtstandort.
Besonders brisant: Zum Zeitpunkt des Vorfalls befanden sich nach Medienangaben vier ukrainische Antonov-Transportmaschinen auf dem Flughafengelände. Leipzig/Halle spielt zudem eine wichtige Rolle bei Transporten im Zusammenhang mit der Unterstützung der Ukraine. Ob die Drohne gezielt auf eines dieser Flugzeuge oder auf den Flughafenbetrieb gerichtet war, ist bislang nicht geklärt.
Im Zusammenhang mit der Sperrung kam es zu einem weiteren Zwischenfall. Ein DHL-Frachtflugzeug aus Marseille musste durchstarten und kollidierte rund sechs Kilometer vom Flughafen entfernt in etwa 400 Metern Höhe mit einem unbekannten Gegenstand. Die Maschine konnte sicher in Hannover landen. Dort wurden leichte Schäden im Frontbereich festgestellt. Die Ermittler prüfen, ob es sich bei dem unbekannten Objekt möglicherweise um eine zweite Drohne gehandelt hat.
Sachsens Innenminister Armin Schuster bezeichnete den Vorfall als „sehr ernst“. Landes- und Bundessicherheitsbehörden arbeiteten mit Hochdruck zusammen. In die Ermittlungen sind unter anderem das Gemeinsame Zentrum zur Abwehr hybrider Bedrohungen und die Drohnenabwehr der Bundespolizei eingebunden.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt unterbrach wegen des Vorfalls seinen Urlaub in Italien und reiste nach Deutschland zurück. Am Abend sollte er am Flughafen Leipzig/Halle an einer Lagebesprechung mit den Leitungen mehrerer Sicherheitsbehörden teilnehmen. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz wurde über die Situation informiert.
Noch sind zahlreiche Fragen offen: Wer steuerte die Drohne? Wo wurde sie gestartet? War die Sprengvorrichtung tatsächlich einsatzfähig? Und bestand ein Zusammenhang zwischen dem Fund auf der Startbahn und der Kollision des Frachtflugzeugs? Die Ermittlungen dauern an.
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