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China sucht Chip-Köpfe – Taiwan antwortet mit Hausbesuchen

Kaufdex (CC0), Pixabay
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China braucht Fachkräfte. Taiwan hat Fachkräfte. Also dachte man sich offenbar in einigen chinesischen Technologiekonzernen: Warum kompliziert ausbilden, wenn man einfach beim Nachbarn einkaufen kann?

Taiwan fand diese Personalstrategie allerdings weniger innovativ und schickte statt Headhuntern lieber Ermittler los. Bei landesweiten Razzien wurden Dutzende Standorte durchsucht und mehr als 100 Personen befragt. Man wollte offenbar klären, ob dort tatsächlich Büros betrieben wurden – oder nur sehr ambitionierte „Kaffeetreffen mit Karriereperspektive“.

Im Mittelpunkt stehen 17 chinesische Unternehmen, die ohne Genehmigung Niederlassungen in Taiwan unterhalten und gezielt Fachkräfte aus der Chip- und Technologiebranche abgeworben haben sollen.

Das ist für Taiwan ungefähr so entspannt, als würde jemand nachts in der eigenen Küche stehen und erklären, er wolle nur kurz die besten Messer ausleihen.

Denn Taiwan ist keine beliebige Insel mit ein paar Computergeschäften. Das Land gehört zu den wichtigsten Halbleiterstandorten der Welt. Chips aus Taiwan stecken in Smartphones, Autos, Servern und praktisch allem, was piept, rechnet oder regelmäßig ein Update verlangt.

Entsprechend empfindlich reagiert die Regierung, wenn ausgerechnet chinesische Firmen versuchen, Ingenieure, Entwickler und Spezialisten abzuwerben. Aus taiwanischer Sicht geht es dabei nicht nur um Personalwechsel, sondern um technisches Wissen, Geschäftsgeheimnisse und die eigene wirtschaftliche Lebensversicherung.

Unter den verdächtigen Unternehmen befinden sich laut Behörden mehrere bekannte Technologiekonzerne, darunter Hersteller von Halbleiterausrüstung, Chipdesigner und Batterieproduzenten. Das klingt nach einer ziemlich vollständigen Einkaufsliste für alle, die gern eine moderne Hightechindustrie hätten, aber beim Aufbau Zeit sparen möchten.

Peking betrachtet Taiwan bekanntlich als Teil des eigenen Staatsgebiets. Offenbar gilt das bei manchen Unternehmen auch für den Arbeitsmarkt: Wenn die Insel sowieso dazugehören soll, kann man sich die Fachkräfte ja schon einmal vorab reservieren.

Taiwan sieht das naturgemäß anders und verschärft seit einiger Zeit sein Vorgehen. Wer ohne Genehmigung Büros betreibt oder Personal abwirbt, muss deshalb inzwischen damit rechnen, dass eines Morgens nicht der nächste Bewerber, sondern die Staatsanwaltschaft vor der Tür steht.

Die Botschaft aus Taipeh ist deutlich:

Unsere Ingenieure sind keine Gratisbeilage, unser technisches Wissen ist kein Selbstbedienungsladen – und „LinkedIn mit Geheimdienstcharme“ gilt nicht als zulässiges Geschäftsmodell.

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