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Union Berlin-Kommentar: Latte Lath ist da – aber die großen Sorgen bleiben

jorono (CC0), Pixabay
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Jetzt ist also der erste Offensiv-Neuzugang da. Emmanuel Latte Lath kommt auf Leihbasis von Atlanta United zu Union Berlin. Ein Stürmer, 27 Jahre alt, schnell, robust, mit Vergangenheit bei Atalanta, St. Gallen und Middlesbrough. In England hat er gezeigt, dass er Tore schießen kann. In der MLS lief es zuletzt eher überschaubar.

Als Union-Fan will man natürlich hoffen, dass er einschlägt. Ganz ehrlich: Wir brauchen vorne dringend jemanden, der nicht nur arbeitet, läuft und presst, sondern auch mal zuverlässig den Ball ins Tor bringt. Wenn Latte Lath genau dieser Spieler wird, dann herzlich willkommen in Köpenick.

Aber so richtig beruhigend fühlt sich dieser Sommer trotzdem nicht an.

Denn nach Zeno van den Bosch und Marvin Friedrich ist Latte Lath nun der dritte Neuzugang. Namen sind da, Bewegung ist da – aber ein klarer Plan ist für mich noch nicht wirklich zu erkennen. Es wirkt eher so, als würde man an verschiedenen Ecken etwas flicken und hoffen, dass daraus am Ende ein stabiles Gebilde wird.

Und dann ist da natürlich der neue Trainer: Mauro Lustrinelli.

Ich weiß, man soll jedem Trainer eine faire Chance geben. Natürlich. Union ist kein Verein, der Menschen nach zwei Wochen abschreibt. Aber wenn ich ehrlich bin, halte ich diese Entscheidung bisher nicht für besonders überzeugend. Nicht, weil Lustrinelli keine Ahnung vom Fußball hätte. Sondern weil ich mich frage, ob er wirklich der richtige Mann für genau diese Situation ist.

Union braucht Klarheit, Wucht, Struktur und sofortige Stabilität. Wir brauchen keinen schönen theoretischen Ansatz, sondern eine Mannschaft, die vom ersten Spieltag an weiß, was sie tut. Nach den bisherigen Vorbereitungseindrücken habe ich genau da meine Zweifel.

Wenn man die Testspiele sieht, insbesondere solche Auftritte wie beim 1:2 in Dresden, dann fragt man sich schon: Was passiert eigentlich, wenn die Saison genauso losgeht?

Dann reden wir nicht mehr über Vorbereitung. Dann reden wir über Punkte. Über Druck. Über Tabellenregionen, in die kein Unioner mehr so schnell zurück will.

Natürlich kann man sagen: Testspiele sind Testspiele. Stimmt. Aber sie zeigen eben auch Tendenzen. Und wenn diese Tendenzen nach Unsicherheit, fehlender Abstimmung und wenig Durchschlagskraft aussehen, dann darf man als Fan nervös werden.

Latte Lath kann helfen. Keine Frage. Seine Geschwindigkeit, seine Robustheit und seine Reaktionsstärke bei zweiten Bällen könnten genau zu Union passen. Aber ein einzelner Stürmer löst keine strukturellen Probleme. Er ersetzt keinen klaren Spielplan. Er ersetzt keine funktionierende Defensive. Und er ersetzt auch nicht das Gefühl, dass hier gerade jeder genau weiß, wohin die Reise gehen soll.

Ich schüttele deshalb nicht nur wegen einzelner Transfers den Kopf. Ich schüttele ihn vor allem wegen des Gesamtbildes. Der Kader wirkt unfertig. Die Vorbereitung macht nicht gerade euphorisch. Und beim Trainer bleibt bei mir bisher mehr Fragezeichen als Aufbruchsstimmung.

Trotzdem: Latte Lath soll seine Chance bekommen. Vielleicht wird er genau der Spieler, der vorne Energie, Tiefe und Tore bringt. Vielleicht überrascht uns Lustrinelli auch alle und formt aus dieser Mannschaft schneller eine Einheit, als es derzeit aussieht.

Aber Stand jetzt bleibt mein Gefühl als Union-Fan: Hoffen ja. Vertrauen? Noch nicht.

Die Bundesliga wird nicht warten, bis sich in Köpenick alles sortiert hat. Wenn der Saisonstart daneben geht, wird aus Skepsis sehr schnell Alarm.

Und genau deshalb muss jetzt geliefert werden. Nicht irgendwann. Nicht nach der nächsten Länderspielpause. Sondern sofort.

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