Eine weitere Kandidatin für das Amt der obersten Gesundheitsbeauftragten der USA sorgt mit Aussagen über Impfstoffe für Aufsehen.
Dr. Nicole Saphier, die von US-Präsident Donald Trump für das Amt der Surgeon General nominiert wurde, musste sich bei ihrer Anhörung im Senat am 16. September intensiven Fragen zur MMR-Impfung stellen. Der Impfstoff schützt vor Masern, Mumps und Röteln.
Besonders angespannt wurde die Befragung, als der republikanische Ausschussvorsitzende Bill Cassidy aus Louisiana wissen wollte, ob die Impfung Autismus verursache.
Saphier erklärte, sie wisse nicht, wodurch Autismus entstehe. Sie habe jedoch keine reproduzierbaren wissenschaftlichen Belege gesehen, die darauf hindeuteten, dass Impfstoffe Autismus verursachten. Die Brustkrebsradiologin arbeitet seit 2018 zudem als medizinische Kommentatorin für Fox News.
Cassidy fragte daraufhin, ob sie Eltern eindeutig sagen könne, dass es keine glaubwürdigen Beweise für einen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus gebe. Saphier begann zu antworten, ihr seien keine entsprechenden Belege vorgelegt worden. Cassidy unterbrach sie jedoch und kritisierte den aus seiner Sicht vorhandenen Interpretationsspielraum.
Er habe in früheren Anhörungen erlebt, dass Kandidaten zunächst ausweichend geantwortet und diese Offenheit später genutzt hätten, um gegenteilige Maßnahmen umzusetzen, erklärte der Senator. Anschließend wollte er wissen, ob die MMR-Impfung tatsächlich „extrem tödlich“ sei, wie Trump zuvor behauptet hatte.
Saphier entgegnete, sie könne nicht für den Präsidenten sprechen. Als Ärztin halte sie den MMR-Impfstoff jedoch nicht für tödlich. Vielmehr sei er das wichtigste Mittel im Kampf gegen Masern.
Cassidy, der selbst Arzt ist, begrüßte diese Antwort und fragte noch einmal direkt, ob die Impfung Autismus verursache. Saphier erklärte daraufhin eindeutig, sie glaube nicht, dass Impfungen im Kindesalter Autismus auslösten.
Ausschnitte des Gesprächs verbreiteten sich anschließend schnell in den sozialen Netzwerken. Die Reaktionen fielen unterschiedlich aus. Einige Nutzer kritisierten, dass Saphier zunächst um eine klare Antwort herumgeredet habe, obwohl beide Gesprächspartner die Bedeutung von Impfungen grundsätzlich unterstützten.
Andere verteidigten die Kandidatin und warfen Cassidy vor, trotz ihrer verständlichen Aussagen wiederholt dieselbe Frage gestellt zu haben.
Die Aufmerksamkeit für den Wortwechsel zeigt, wie kontrovers Impfungen in den USA weiterhin diskutiert werden. Medizinische Fachleute betonen seit Jahren, dass die MMR-Impfung sicher und wirksam ist. Auch Mehmet Oz, der unter Trump die staatlichen Gesundheitsprogramme Medicare und Medicaid leitet, rief Eltern dazu auf, ihre Kinder impfen zu lassen.
Die USA erleben derzeit den stärksten Anstieg der Masernfälle seit mehr als drei Jahrzehnten. Als wichtige Ursache gilt eine zu niedrige Impfquote.
Auch unter den Reaktionen auf Saphier fanden sich gegensätzliche Meinungen. Eine Nutzerin schrieb, Menschen mit autistischen Kindern könnten die Situation anders beurteilen. Eine Mutter eines autistischen Sohnes begrüßte dagegen Saphiers Aussage. Sie werde immer wieder mit dem Vorwurf konfrontiert, selbst etwas getan zu haben, das den Autismus ihres Kindes ausgelöst habe. Dabei handle es sich ihrer Ansicht nach um eine genetisch bedingte Störung.
Seit Jahrzehnten wurde die MMR-Impfung Millionen Kindern verabreicht. Sie schützt vor schweren und potenziell lebensbedrohlichen Folgen von Masern, Mumps und Röteln. Ernsthafte Nebenwirkungen wie Krampfanfälle treten nur selten auf.
Dr. Julia Rosebush, Spezialistin für Infektionskrankheiten bei Kindern an der Universität von Chicago, warnte davor, sinkende Impfquoten als geringfügige Veränderung zu betrachten. Masern gehörten zu den ansteckendsten bekannten Krankheiten.
In Pennsylvania wurden im laufenden Jahr vier Todesfälle im Zusammenhang mit Masern gemeldet. Einige davon lösten politische Kontroversen aus, nachdem Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. zunächst infrage gestellt hatte, ob das Virus tatsächlich die Todesursache gewesen sei.
Führende medizinische Organisationen werfen der Regierung vor, mit ihren Aussagen über Impfstoffe und ihren Bemühungen um eine Verringerung der staatlich empfohlenen Kinderimpfungen das Misstrauen in der Bevölkerung zu verstärken. Dadurch werde es schwieriger, Ausbrüche einzudämmen.
Schon ein einziges ungeimpftes Kind könne an einer Schule mit vielen ebenfalls ungeimpften Mitschülern einen Ausbruch auslösen, der sich innerhalb weniger Tage auf Dutzende Familien ausweite, erklärte Rosebush.
Cassidy fragte Saphier später ausdrücklich, ob Eltern ihre Kinder gegen Masern, Mumps und Röteln impfen lassen sollten. Sie bezeichnete die Impfung als das wirksamste verfügbare Mittel, um diese Infektionen zu bekämpfen, möglichst viele Menschenleben zu retten und einen gemeinschaftlichen Schutz in der Bevölkerung aufzubauen.
Gleichzeitig äußerte Saphier Verständnis dafür, dass Trump Menschen erreichen wolle, die Impfungen skeptisch gegenüberstünden und weitere Antworten verlangten.
Cassidy widersprach. Menschen mit Zweifeln ließen sich nicht überzeugen, indem man unwahre Behauptungen unterstütze. Verwirrung könne nicht beseitigt werden, indem man zusätzliche Unsicherheit schaffe. Stattdessen müsse unmissverständlich gesagt werden, dass die Impfung keinen Autismus verursache.
Zum Abschluss betonte Saphier, Impfstoffe retteten Leben und gehörten zu den stärksten Instrumenten des öffentlichen Gesundheitswesens.
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