Der Krieg rund um Iran gefährdet nicht nur Energieversorgung und Welthandel. Forschende warnen nun vor einer bislang wenig beachteten Folge: Mehr als 1.500 Frachtschiffe, die seit Monaten nahe der Straße von Hormus festsitzen, könnten bei ihrer Weiterfahrt invasive Meeresorganismen über den Globus verteilen.
Wenn Schiffe längere Zeit stillliegen, siedeln sich an ihren Rümpfen Mikroben, Algen, Muscheln und andere Organismen an. Dieser sogenannte Biofouling-Prozess beschleunigt sich nach etwa zehn Tagen deutlich. Viele der betroffenen Schiffe liegen jedoch bereits seit Monaten in den warmen Gewässern des Persischen Golfs und des Golfs von Oman.
Sobald der Schiffsverkehr wieder aufgenommen wird, könnten die Organismen als blinde Passagiere in weit entfernte Häfen gelangen. Dort drohen sie heimische Arten zu verdrängen, Krankheiten einzuschleppen oder technische Anlagen zu beschädigen.
Besonders gefährdet sind Regionen mit ähnlich warmem und salzhaltigem Wasser, darunter Häfen in Indien, Südostasien und Singapur. Auch Nordamerika sei nicht völlig ausgeschlossen, wenngleich das Risiko dort geringer eingeschätzt werde. Häfen an der US-Golfküste gelten wegen ihrer höheren Wassertemperaturen als besonders aufmerksamkeitsbedürftig.
Die Folgen wären nicht nur ökologisch. Bewuchs an Schiffsrümpfen erhöht den Wasserwiderstand, wodurch die Schiffe mehr Treibstoff verbrauchen und zusätzliche Emissionen verursachen. Nach Angaben der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation gehen rund zehn Prozent des Kraftstoffverbrauchs der weltweiten Flotte auf Biofouling zurück.
Die Forschenden empfehlen deshalb, die Rümpfe vor der Weiterfahrt zu untersuchen und möglichst zu reinigen. In der Praxis dürfte das jedoch schwierig werden: Hunderte große Schiffe müssten gleichzeitig kontrolliert werden, während Reedereien und Behörden vor allem daran interessiert sein dürften, den blockierten Handel schnell wieder in Gang zu bringen.
Häfen sollten daher verstärkt auf neu auftretende Arten achten. Denn was monatelang am Schiffsrumpf gewachsen ist, könnte nach dem Ende der Blockade zu einem weltweiten biologischen Mitbringsel werden.
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