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Undav entfacht den deutschen WM-Traum

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Ja, wir haben Schwächen gesehen. Ja, die Abwehr wackelte. Ja, die Elfenbeinküste hat Deutschland zeitweise die Grenzen aufgezeigt. Aber genau solche Spiele sind es, die auf einer Weltmeisterschaft zählen.

Dieses 2:1 gegen die Elfenbeinküste war kein Fußballfest wie das 7:1 gegen Curaçao. Es war viel wertvoller.

Denn große Turniermannschaften erkennt man nicht daran, wie sie gegen Außenseiter glänzen. Man erkennt sie daran, wie sie schwierige Spiele gewinnen. Und genau das hat die deutsche Nationalmannschaft getan.

Lange sah es danach aus, als würde die jüngste Mannschaft des Turniers dem DFB-Team einen schmerzhaften Abend bereiten. Die Ivorer kämpften um jeden Zentimeter, spielten mutig, aggressiv und stellten insbesondere die deutsche Defensive vor enorme Probleme. Joshua Kimmich wurde von Ausnahme-Talent Yan Diomande mehrfach vorgeführt, Schlotterbeck musste verletzt raus und die kreative Offensive fand kaum Lösungen gegen die kompakte Abwehr des Gegners.

Doch dann kam die Stunde von Deniz Undav.

Der Stuttgarter entwickelt sich bei dieser Weltmeisterschaft zum Gesicht der deutschen Effizienz. Zwei Spiele, 56 WM-Minuten, drei Tore und zwei Vorlagen – bessere Zahlen liefert derzeit kein anderer deutscher Spieler. Wieder kommt er von der Bank. Wieder verändert er das Spiel. Wieder entscheidet er die Partie.

Als Amiri in der 68. Minute punktgenau flankte, war Undav zur Stelle und traf volley zum Ausgleich. Doch der große Moment sollte erst noch folgen. In der vierten Minute der Nachspielzeit behielt er nach Vorarbeit von Nmecha die Nerven und schoss Deutschland mit seinem zweiten Treffer nicht nur zum Sieg, sondern vorzeitig in die K.o.-Runde.

Die Bilder danach waren bezeichnend. Sämtliche Spieler stürmten auf ihren Matchwinner zu. Es war die pure WM-Ekstase.

Dabei gehört der Erfolg auch Julian Nagelsmann. Der Bundestrainer bewies erneut sein Gespür für den richtigen Moment. Seine Einwechslungen von Undav, Amiri und Leweling veränderten die Dynamik des Spiels komplett. Während Nagelsmann an der Seitenlinie vor Leidenschaft tobte, lieferte seine Joker-Truppe die entscheidenden Antworten auf dem Platz.

Natürlich bleiben Fragen offen. Die Defensive wirkte anfällig, die Offensive um Wirtz, Musiala und Sané blieb lange unter ihren Möglichkeiten. Wer vom WM-Titel träumt, wird sich steigern müssen.

Doch vielleicht liegt genau darin die positive Botschaft dieses Abends.

Deutschland hat keineswegs sein bestes Spiel gezeigt. Deutschland hat Fehler gemacht. Deutschland hat gewackelt.

Und trotzdem gewonnen.

Der Gruppensieg ist perfekt. Das Sechzehntelfinale erreicht. Die Moral stimmt. Der Teamgeist lebt. Und mit Deniz Undav besitzt Deutschland plötzlich eine Waffe, die in einem Turnier Gold wert sein kann: einen Joker, der Spiele entscheidet.

Noch ist Deutschland nicht titelreif.

Aber nach diesem Abend darf man wieder davon träumen.

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