Die 0:4-Niederlage Tunesiens gegen Japan ist weit mehr als nur das vorzeitige WM-Aus eines Außenseiters. Sie ist ein Sinnbild dafür, wie schnell große Versprechen an der Realität des internationalen Fußballs scheitern können.
Vor dem Turnier war in Tunesien von Aufbruch die Rede. Neue Impulse, neue Ideen, neue Verantwortliche. Doch das Spiel gegen Japan zeigte schonungslos, dass neue Besen eben nicht automatisch besser kehren.
Bereits nach vier Minuten lag Tunesien zurück. Was danach folgte, war keine Aufholjagd, kein leidenschaftlicher Kampf und auch kein Zeichen einer Mannschaft, die an ihre Chance glaubt. Es war vielmehr eine Vorführung. Japan kontrollierte Ball und Gegner nach Belieben, während Tunesien über 90 Minuten nicht einen einzigen Schuss auf das gegnerische Tor zustande brachte.
Keinen einzigen.
Wer bei einer Weltmeisterschaft offensiv derart unsichtbar bleibt, darf sich über ein frühes Ausscheiden nicht wundern.
Natürlich besitzt Japan eine hervorragend organisierte Mannschaft, die seit Jahren kontinuierlich entwickelt wird. Die „Blue Samurai“ stehen für Struktur, Disziplin und eine klare Spielidee. Genau deshalb wirkt der Vergleich mit Tunesien umso schmerzhafter. Während die Japaner einen langfristigen Weg verfolgen, entsteht bei den Nordafrikanern der Eindruck, dass man wieder einmal glaubte, personelle Veränderungen würden automatisch sportliche Fortschritte bringen.
Doch Fußball funktioniert nicht nach diesem Prinzip.
Neue Trainer, neue Funktionäre oder neue Konzepte erzeugen Schlagzeilen. Erfolg entsteht dagegen durch Kontinuität, Geduld und harte Arbeit. Gerade im internationalen Fußball gibt es dafür keine Abkürzungen.
Das japanische Team lieferte den Gegenbeweis. Kein Spektakel, keine große Show, sondern konsequente Arbeit gegen einen Gegner, der nie in der Lage war, Widerstand zu leisten. Das 4:0 war deshalb nicht nur verdient, sondern fast noch schmeichelhaft für Tunesien.
Für die Verantwortlichen beginnt nun die unangenehme Analyse. Denn das WM-Aus ist nicht das Problem. Die Art und Weise des Ausscheidens ist es.
Wer ohne Torschuss aus einem entscheidenden Gruppenspiel geht, hat nicht nur verloren. Er hat gezeigt, dass die Grundlagen fehlen.
Die Lehre aus diesem Abend ist eindeutig: Neue Besen mögen frischen Wind bringen. Doch wenn das Fundament nicht stimmt, wird daraus schnell nur ein neuer Besen, der genauso wenig kehrt wie der alte.
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