Donald Trump hat jahrelang erklärt, warum er seine Steuererklärungen nicht veröffentlichen könne. Der Grund lautete fast immer gleich: laufende Prüfungen durch die US-Steuerbehörde IRS.
Nun allerdings gerät genau dieses Argument ins Wanken.
Denn ausgerechnet Trumps eigenes Justizministerium hat offenbar dafür gesorgt, dass bestehende Steuerprüfungen und Ermittlungen gegen Trump, seine Familie und sein Firmenimperium praktisch gestoppt werden. Damit stellt sich plötzlich erneut die Frage:
Wird Trump seine Steuerunterlagen jetzt veröffentlichen – oder findet sich die nächste Ausrede?
Seit 2016 verweigert Trump die Offenlegung
In den USA gehört es seit Jahrzehnten zur politischen Tradition, dass Präsidenten freiwillig ihre Steuererklärungen offenlegen. Trump ist bis heute die große Ausnahme.
Bereits im Wahlkampf 2016 versprach er zwar mehrfach, seine Unterlagen irgendwann zu veröffentlichen. Damals sprach er sogar von „wunderschönen“ Steuererklärungen.
Passiert ist allerdings nichts.
Stattdessen verwies Trump immer wieder auf angeblich laufende Steuerprüfungen. Seine Anwälte hätten ihm geraten, die Unterlagen deshalb nicht zu veröffentlichen, erklärte er jahrelang.
Das Problem:
Die amerikanische Steuerbehörde selbst hatte längst klargestellt, dass laufende Prüfungen eine Veröffentlichung gar nicht verbieten würden.
Trumps eigenes Justizministerium beendet die Prüfungen
Besonders brisant ist deshalb ein neues Dokument des US-Justizministeriums.
Der amtierende Justizminister Todd Blanche – früher selbst Trumps persönlicher Anwalt – veröffentlichte eine Vereinbarung, die bestehende IRS-Ermittlungen und Prüfverfahren gegen Trump faktisch beendet.
Kurz darauf erklärte Trump plötzlich, er könne „vielleicht sogar seine aktuellen Steuererklärungen veröffentlichen“.
Das klingt ein wenig wie jemand, der jahrelang behauptet hat, er könne leider nicht schwimmen gehen, weil das Schwimmbad geschlossen sei – und nun überrascht feststellt, dass die Türen offenstehen.
Kritiker wittern einen politischen Deal
Transparenzorganisationen reagieren entsprechend skeptisch.
Die Bürgerrechtsgruppe Citizens for Responsibility and Ethics in Washington fordert Trump nun offen dazu auf, seine Steuerunterlagen endlich vorzulegen.
Denn wenn die Prüfungen wegfallen, bleibt vom bisherigen Hauptargument nicht mehr viel übrig.
Kritiker vermuten allerdings, dass Trump auch diesmal einen Weg finden könnte, die Veröffentlichung weiter hinauszuzögern.
Die Erfahrungen der vergangenen Jahre sprechen jedenfalls dafür. Trump hatte bereits mehrfach versprochen, seine Steuerdaten offenzulegen – nur um später neue Gründe dagegen zu präsentieren.
Die berühmten 750 Dollar Steuern
Besonders heikel bleibt ein Bericht der „New York Times“ aus dem Jahr 2020.
Damals veröffentlichte die Zeitung Informationen aus Trumps Steuerunterlagen. Demnach soll der damalige Präsident 2016 und 2017 jeweils nur 750 Dollar Bundessteuern gezahlt haben.
Noch brisanter:
In vielen Jahren davor soll Trump laut den Unterlagen überhaupt keine Einkommensteuer gezahlt haben, weil er angeblich massive Verluste geltend machte.
Zusätzlich läuft seit Jahren ein Streit um eine Steuerrückerstattung in Höhe von rund 73 Millionen Dollar. Sollte Trump diesen Fall verlieren, könnten laut Berichten Nachzahlungen von über 100 Millionen Dollar fällig werden.
Weißes Haus schweigt auffällig
Das Weiße Haus wollte sich auf Nachfrage nicht dazu äußern, ob und wann Trump tatsächlich Steuererklärungen veröffentlichen wird.
Gleichzeitig wurde bekannt, dass weder Trump noch Vizepräsident JD Vance ihre Steuerunterlagen für 2025 bisher eingereicht haben. Beide hätten eine Fristverlängerung beantragt, hieß es.
Auch das wirkt politisch eher unglücklich – besonders in einer Situation, in der Transparenz ohnehin bereits zum Streitpunkt geworden ist.
Demokraten sprechen von Korruption
Bei den Demokraten sorgt die Entwicklung für massive Kritik.
Der demokratische Abgeordnete Mike Levin sprach offen von einem der „korruptesten Vorgänge“, die er je bei einem amerikanischen Präsidenten erlebt habe.
Besonders problematisch erscheint vielen, dass ausgerechnet Trumps früherer persönlicher Anwalt nun als Justizminister Entscheidungen trifft, die dem Präsidenten direkt zugutekommen.
Trump bleibt Trump
Ob Donald Trump seine Steuererklärungen nun tatsächlich veröffentlicht, bleibt offen.
Die vergangenen Jahre haben allerdings gezeigt:
Zwischen Trumps Ankündigungen und der Realität liegt oft ungefähr dieselbe Distanz wie zwischen Wahlkampfversprechen und Steuerformularen.
Fest steht nur:
Die politische Debatte über Transparenz, Machtmissbrauch und Trumps Finanzen dürfte damit erneut voll entbrannt sein.
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