Ganz ehrlich: Wer dieses Spiel gesehen hat, weiß inzwischen nicht mehr, ob der VfL Wolfsburg eigentlich Bundesliga spielen oder nur noch den Rasen schonen möchte.
Ausverkaufte Volkswagen Arena. Flutlicht. Relegation. Volle Unterstützung von den Fans. Sogar VW-Chef Oliver Blume schwenkt auf der Tribüne den grün-weißen Schal wie ein Praktikant beim ersten Stadionbesuch.
Und was macht die Mannschaft?
0:0 gegen Paderborn.
Nicht einmal ein Tor. Nicht einmal echte Leidenschaft. Nicht einmal das Gefühl, dass diese Mannschaft verstanden hat, worum es überhaupt geht.
Paderborn spielt wie der Bundesligist – Wolfsburg wie eine Betriebsmannschaft
Man muss es leider so deutlich sagen:
Der Zweitligist war teilweise mutiger, strukturierter und gefährlicher als der VfL.
Schon nach neun Minuten hätte Paderborn führen müssen. Da retten Grabara und Belocian gemeinsam auf der Linie, während die Wolfsburger Abwehr aussieht wie Menschen, die sich zufällig auf einem Fußballplatz getroffen haben.
Und der VfL?
Schiebt den Ball hin und her wie beim Abschlusstraining im Ferienlager.
Das ganze Stadion wartet darauf, dass endlich jemand Verantwortung übernimmt. Stattdessen bekommt man Sicherheitsfußball mit dem emotionalen Tiefgang einer Excel-Tabelle.
Dominant? Vielleicht. Gefährlich? Niemals.
Ja, Wolfsburg hatte mehr Ballbesitz. Ja, man stand irgendwann höher. Ja, Paderborn kam kaum noch aus der eigenen Hälfte.
Aber was bringt das alles, wenn vorne absolut nichts passiert?
Daghim scheitert zweimal an Seimen. Eriksen schießt Freistöße wie ein Mann, der eigentlich schon im Sommerurlaub ist. Flanken fliegen durch den Strafraum, ohne dass irgendein Wolfsburger ernsthaft glaubt, den Ball treffen zu müssen.
Man hatte teilweise das Gefühl:
Die Mannschaft wollte lieber keine Fehler machen als das Spiel gewinnen.
Und genau mit dieser Mentalität steigt man irgendwann ab.
Qualitätsvorteil? Wo denn bitte?
Das Schlimmste ist eigentlich:
Wolfsburg hat auf dem Papier den deutlich besseren Kader.
Da sitzen Spieler wie Amoura oder Majer auf der Bank, für die andere Vereine wahrscheinlich ganze Stadiondächer verkaufen müssten.
Und trotzdem spielt man gegen Paderborn wie ein nervöses Mittelfeldteam aus der dritten Liga.
Man fragt sich wirklich:
Was trainieren die eigentlich die ganze Woche?
Die Fans geben alles – die Mannschaft fast nichts
Besonders bitter:
Die Atmosphäre war endlich mal wieder da.
Die vergangenen Wochen hatten Fans und Mannschaft eigentlich wieder näher zusammengebracht. Das Stadion war laut, emotional und voll. Die Leute wollten den Klassenerhalt erzwingen.
Und dann liefert die Mannschaft so einen Auftritt ab.
Kein Feuer. Keine Wucht. Keine Führungsspieler. Keine Siegermentalität.
Dafür jede Menge Alibi-Ballbesitz und kontrollierte Harmlosigkeit.
Und jetzt nach Paderborn? Herzlichen Glückwunsch
Jetzt fährt Wolfsburg also zum Rückspiel nach Paderborn.
Mit einem 0:0, das sich ehrlich gesagt eher wie eine Niederlage anfühlt.
Denn wenn man schon zu Hause gegen einen Zweitligisten keine Tore schießt – wie soll das auswärts plötzlich besser werden?
Zumal Paderborn am Ende sogar noch die größere Chance auf den Sieg hatte. Bilbija hätte den VfL fast komplett blamiert.
Dass Wolfsburg am Ende nicht verloren hat, lag mehr am Glück als an eigener Stärke.
Dieser Verein wirkt komplett leer
Was am meisten Sorgen macht:
Der VfL wirkt inzwischen emotional komplett leer.
Früher hatte Wolfsburg wenigstens noch Spieler, die Verantwortung übernommen haben. Typen, die ein Spiel auch mal mit Wut, Wille oder Qualität entschieden haben.
Heute sieht vieles aus wie ein Unternehmensprojekt mit Fußballbezug.
Kontrolliert. Strukturiert. Analysiert.
Aber ohne Herz.
Und genau deshalb stehen wir jetzt da, wo wir stehen:
In der Relegation gegen Paderborn – und plötzlich mit echter Angst vor der Zweiten Liga.
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