Der Krieg zwischen den USA, Israel und Iran pausiert derzeit – und Donald Trump feiert sich bereits selbst wie ein Feldherr im Eigenlob-Modus. Von einem „totalen und vollständigen Sieg“ für Amerika ist die Rede, gar von einem „großen Tag für den Weltfrieden“. Dass dieser angebliche Friedensstifter zuvor wochenlang mit der „Auslöschung einer ganzen Zivilisation“, der Zerstörung von Kraftwerken, Ölquellen und Entsalzungsanlagen sowie der Rückversetzung Irans „in die Steinzeit“ gedroht hatte, scheint im Trump-Kosmos nur ein lästiges Detail zu sein.
International sorgt diese Sprache inzwischen für blankes Entsetzen. Von der EU über die UNO bis hin zum Papst wächst die Fassungslosigkeit über eine Rhetorik, die selbst für die längst verrohten Standards der internationalen Krisendiplomatie unerquicklich weit geht. UNO-Menschenrechtskommissar Volker Türk fand ungewöhnlich deutliche Worte und nannte die Tiraden schlicht „widerlich“. Er sprach von einer „Flut hetzerischer Rhetorik“ aller Kriegsparteien – wobei Trump mit seinen Vernichtungsfantasien fraglos eine besondere Duftmarke gesetzt hat.
Auch UNO-Generalsekretär António Guterres warnte, Drohungen gegen Zivilisten und kritische Infrastruktur könnten sehr schnell in handfeste Völkerrechtsverstöße münden. Angriffe müssten strikt auf militärische Ziele beschränkt bleiben. Ein bemerkenswerter Hinweis, wenn man bedenkt, dass aus dem Weißen Haus zuletzt eher die Sprache eines enthemmten Internet-Trolls als die eines Staatsoberhaupts zu hören war.
Selbst Papst Leo XIV., der erste US-amerikanische Papst, bezeichnete Trumps Drohkulisse als „inakzeptabel“ und erinnerte daran, dass es hier nicht nur um Recht, sondern vor allem um Moral gehe. Ein Satz, der in Washington offenbar nicht mehr überall verstanden wird.
Doch nicht nur international wächst die Kritik. Auch in den USA mehren sich die Stimmen, die Trump inzwischen offen für amtsunfähig halten. Demokraten sprechen von einem Präsidenten, der „den Verstand verloren“ habe. Die Abgeordnete Rashida Tlaib warf Trump sogar offen vor, mit genozidaler Sprache zu operieren, und nannte ihn einen „Wahnsinnigen“, der aus dem Amt entfernt werden müsse.
Besonders unerquicklich für Trump: Selbst aus dem eigenen Lager kommt inzwischen Gegenwind. Die frühere Trump-Vertraute Marjorie Taylor Greene – wahrlich keine Stimme der außenpolitischen Mäßigung – erklärte, man könne nicht „eine ganze Zivilisation töten“, das sei „böse und wahnsinnig“. Auch Tucker Carlson kritisierte die Eskalation scharf und sprach von bewussten Angriffen auf zivile Infrastruktur, die weder rechtlich noch moralisch zu rechtfertigen seien. Wenn selbst frühere MAGA-Ikonen anfangen, von Gottes Gesetz zu sprechen, statt Trump reflexhaft zu verteidigen, ist das ein Signal.
Die New York Times versuchte die üblichen Erklärungsversuche: Trumps Eskalationsrhetorik sei Teil seines „chaotischen Verhandlungsstils“, möglicherweise also kalkulierte Drohkulisse, um Druck aufzubauen. Das mag als politische Schönfärberei durchgehen – ändert aber nichts daran, dass ein US-Präsident öffentlich mit der Vernichtung ganzer Gesellschaften spielt, um anschließend den Friedensengel zu geben.
Und genau darin liegt das eigentliche Problem:
Trump betreibt Außenpolitik inzwischen wie einen Truth-Social-Rant mit nuklearem Beifang. Erst drohen, dann eskalieren, dann relativieren, dann sich selbst feiern. Dass so etwas die Glaubwürdigkeit der USA beschädigt, internationale Verhandlungen erschwert und die Weltlage nicht gerade beruhigt, dürfte selbst im Weißen Haus aufgefallen sein – sofern dort noch jemand zuhört.
Der New Yorker beschrieb Trump bereits vor einiger Zeit als den „lautesten und gefährlichsten Troll der Welt“. Nach den jüngsten Drohungen wirkt das nicht mehr wie Polemik, sondern eher wie eine nüchterne Zustandsbeschreibung.
Fazit:
Trump verkauft die Waffenruhe als Triumph, nachdem er zuvor mit apokalyptischer Vernichtungspolitik hantiert hat. Die Welt reagiert mit Abscheu, die UNO mit Warnungen, der Papst mit moralischer Verurteilung – und selbst Teile des MAGA-Lagers beginnen zu schlucken. Was bleibt, ist das Bild eines Präsidenten, der mit maximaler Drohkulisse operiert und minimale diplomatische Seriosität hinterlässt.
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