Großbritanniens Premierminister Keir Starmer versucht sich derzeit als Krisenmanager im Nahen Osten – und gibt dabei immerhin offen zu, was viele längst ahnen: Der groß verkündete zweiwöchige Waffenstillstand zwischen den USA und Iran ist alles andere als stabil. Es gebe noch „eine Menge Arbeit“, damit die Feuerpause tatsächlich halte, sagte Starmer bei seinem Besuch in Saudi-Arabien. Eine erstaunlich nüchterne Einschätzung für ein Abkommen, das andernorts bereits als diplomatischer Durchbruch verkauft wird.
Im Zentrum seiner Reise steht neben der politischen Schadensbegrenzung vor allem die Straße von Hormus – jene maritime Lebensader, über die ein erheblicher Teil der weltweiten Öl- und Gaslieferungen läuft. Sollte die Passage wieder vollständig geöffnet werden, könne das helfen, die Energiepreise auch in Großbritannien zu „stabilisieren“, so Starmer. Übersetzt: Wenn Hormus dicht bleibt, wird es für Verbraucher und Wirtschaft unerquicklich teuer.
Genau hier liegt das Problem. Denn während Washington von Fortschritten spricht, berichten iranische Medien weiterhin, dass Öltanker die Meerenge meiden. Zudem erhielten Schiffe laut BBC Verify Warnungen, dass die Straße von Hormus weiterhin geschlossen sei und nur mit Genehmigung der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) passiert werden dürfe. Von einer echten Normalisierung des Schiffsverkehrs kann also keine Rede sein.
Hinzu kommt die übliche Nahost-Komplexität mit politischem Extra-Chaos: Während Pakistan und Iran erklären, dass der Waffenstillstand auch den Konflikt im Libanon einschließe, stellt Israel klar, dass genau das nicht der Fall sei. Passend dazu meldete Israel parallel die „größten Angriffe“ auf den Libanon seit Beginn seiner Bodenoffensive. Ein Waffenstillstand also, der schon in den ersten Stunden daran krankt, dass sich die Beteiligten nicht einmal über seinen Inhalt einig sind.
Starmer traf in Saudi-Arabien Kronprinz Mohammed bin Salman, offiziell um mit Partnern die „praktischen Schritte“ zu besprechen, die nötig seien, um der Schifffahrt wieder Vertrauen in die Passage durch Hormus zu geben. Auch das klingt solide – zeigt aber vor allem eines: Ohne regionale Rückendeckung läuft hier gar nichts.
Aus London kam derweil der übliche Chor der Opposition: Die Konservativen sprechen von einer Chance für Iran, die Liberaldemokraten warnen vor dem „völlig unzuverlässigen Verbündeten Trump“, und Nigel Farage zweifelt gleich daran, dass Starmer im Golf überhaupt ernst genommen werde.
Fazit:
Starmer reist, mahnt und moderiert – doch der Waffenstillstand zwischen den USA und Iran wirkt bislang eher wie eine fragile politische Zwischenüberschrift als wie belastbare Realität. Solange Hormus nur auf dem Papier offen ist und selbst über den Geltungsbereich des Deals gestritten wird, bleibt von echter Entspannung vor allem eins übrig: Unsicherheit mit Ansage.
Kommentar hinterlassen