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TGI AG von heute Abend

stevepb (CC0), Pixabay
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In einer fast anderthalbstündigen Online-Veranstaltung versuchten Verantwortliche der TGI AG, ihre Anleger nach dem Einschreiten der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein (FMA) zu beruhigen. Dabei wurden zahlreiche Aussagen getroffen, die bei genauer Betrachtung erhebliche Warnsignale für Anleger darstellen.

Der Vortrag vermittelte zwar Zuversicht und sprach immer wieder von „positiven Lösungen“, „starken Produkten“ und einer „goldenen Zukunft“. Doch zwischen den Zeilen offenbaren sich zentrale Risiken, die jeder Anleger verstehen sollte — insbesondere Menschen ohne juristische oder finanzielle Vorkenntnisse.


1. Das Grundproblem: Die Behörden sehen möglicherweise ein verbotenes Einlagengeschäft

Der wichtigste Punkt wurde gleich zu Beginn genannt:

Die Finanzmarktaufsicht Liechtenstein hat mehrere Produkte der TGI AG untersagt. Konkret geht es laut Geschäftsführung um Produkte wie:

  • „Customer Basic“
  • „Sales Premium“
  • „Sofortrabatt“

Die Behörde wirft TGI vor, damit ein sogenanntes „Einlagengeschäft“ zu betreiben.

Das ist hochproblematisch.

Denn Einlagengeschäfte dürfen in Europa grundsätzlich nur Banken mit entsprechender Lizenz durchführen.

TGI behauptet dagegen:
Man verkaufe lediglich Gold.

Die FMA sieht offenbar etwas anderes:
Kunden zahlen Geld ein, warten lange Zeit auf die Lieferung und erhalten währenddessen regelmäßige „Rabatte“ oder Bonuszahlungen. Genau solche Konstruktionen können aus Sicht von Behörden wie klassische Finanzprodukte wirken.

Das zentrale Risiko:
Sollte sich die Sichtweise der Behörde durchsetzen, könnten weitere Verbote, Verfahren oder Einschränkungen folgen.


2. Rückzahlung des Geldes könnte Jahre dauern

Besonders brisant war eine Aussage des Geschäftsführers:

Wer sein Geld zurückhaben möchte („Rückabwicklung“), müsse möglicherweise:

  • 3 bis 4 Monate auf die Bearbeitung warten
  • und danach eine Rückzahlung über 24 bis 36 Monate akzeptieren.

Das bedeutet übersetzt:
Anleger könnten im schlimmsten Fall jahrelang auf ihr Geld warten.

Das ist eines der größten Warnsignale überhaupt.

Denn bei klassischen Goldhändlern kaufen Kunden normalerweise Gold und bekommen es zeitnah geliefert. Hier dagegen scheint das Geschäftsmodell stark auf langfristigen Zahlungsströmen und laufenden Verpflichtungen zu beruhen.


3. Kündigungsrechte werden gestrichen

Ein weiterer kritischer Punkt:

TGI erklärte offen, dass neue Vertragsvarianten keine Kündigungsmöglichkeiten mehr enthalten werden.

Die ursprünglichen Produkte erlaubten es Kunden teilweise, Verträge vorzeitig zu kündigen.

Genau das habe laut TGI die Behörde kritisiert.

Die neue Lösung lautet daher:

  • alte Verträge auflösen
  • neue Verträge abschließen
  • aber ohne Kündigungsrecht

Für Anleger bedeutet das:
Sie binden ihr Geld noch stärker und verlieren Flexibilität.

Wer plötzlich Geld benötigt, könnte große Probleme bekommen.


4. Die Auszahlung von „Rabatten“ hängt vom Mitmachen ab

Mehrfach wurde erklärt:
Rabatte und Empfehlungsboni würden nur weiterlaufen, wenn Kunden den neuen Verträgen zustimmen.

Das ist heikel.

Denn dadurch entsteht psychologischer Druck:
Wer nicht zustimmt, riskiert Nachteile oder Verzögerungen.

Viele Anleger könnten deshalb aus Angst unterschreiben — ohne die rechtlichen Folgen wirklich zu verstehen.


5. Hohe Abhängigkeit von ständig neuen Produkten

Im Webinar wurde ständig betont:

  • nächste Woche komme ein „noch besseres Produkt“
  • neue Modelle würden alles übertreffen
  • man werde „stärker zurückkommen“

Das kann problematisch sein.

Denn stabile Geschäftsmodelle müssen nicht ständig durch neue Konstruktionen ersetzt werden, um weiterzufunktionieren.

Wenn ein Unternehmen laufend neue Modelle benötigt, um alte Probleme zu lösen, entsteht die Frage:
Wie tragfähig ist das eigentliche System?


6. Emotionalisierung statt nüchterner Aufklärung

Auffällig war auch die Wortwahl:

  • „Die Medien wollen uns zerstören“
  • „Die Anwälte wollen Geld verdienen“
  • „Wir kommen stärker zurück“
  • „Die Bombe für Deutschland“
  • „Die TGI ist sicherer als alles andere“

Solche Aussagen dienen oft dazu:

  • Vertrauen emotional aufrechtzuerhalten
  • Kritik als Angriff darzustellen
  • Anleger zu beruhigen

Problematisch wird das, wenn emotionale Loyalität wichtiger wird als sachliche Risikoaufklärung.

Gerade bei Finanzprodukten sollten nüchterne Fakten wichtiger sein als Begeisterung oder Gruppendynamik.


7. Fehlende Transparenz über die wirtschaftliche Lage

Im gesamten Webinar fehlten konkrete Angaben zu:

  • tatsächlichen Goldbeständen
  • Liquiditätsreserven
  • Unternehmenszahlen
  • geprüften Bilanzen
  • Rückstellungen für Rückzahlungen

Stattdessen wurde oft allgemein von:

  • „großen Projekten“
  • „Minen“
  • „Investmentbanken“
  • „internationalen Expansionen“
    gesprochen.

Das ersetzt jedoch keine transparente Finanzoffenlegung.

Für Anleger ist entscheidend:
Kann das Unternehmen seine Verpflichtungen langfristig wirklich erfüllen?

Darauf liefert das Webinar keine klaren Zahlen.


8. Besonders gefährlich: Empfehlungen und Bonuszahlungen

Ein zentraler Bestandteil scheint das Empfehlungssystem zu sein:
Kunden erhalten Boni für neue Teilnehmer.

Solche Modelle sind rechtlich besonders sensibel.

Denn sobald ein System stark davon abhängt, dass ständig neue Kunden hinzukommen, prüfen Behörden sehr genau:

  • Ist das noch ein normaler Vertrieb?
  • Oder entsteht eine problematische Struktur?

Das bedeutet nicht automatisch Illegalität —
aber ein erhebliches regulatorisches Risiko.


9. Gold allein bedeutet nicht automatisch Sicherheit

Immer wieder wurde betont:
„Es handelt sich um physisches Gold.“

Das klingt zunächst beruhigend.

Doch entscheidend ist:

  • Wo liegt das Gold?
  • Wem gehört es rechtlich?
  • Ist es tatsächlich vollständig vorhanden?
  • Wie schnell kann geliefert werden?
  • Was passiert bei Zahlungsproblemen?

Allein der Hinweis auf Gold garantiert keine Sicherheit.


Fazit: Warum Anleger vorsichtig sein sollten

Die Veranstaltung zeigt vor allem eines:
Das Geschäftsmodell steht massiv unter regulatorischem Druck.

Besonders kritisch sind:

  • behördliche Verbote
  • lange Rückzahlungsfristen
  • Wegfall von Kündigungsrechten
  • starke Abhängigkeit von neuen Produkten
  • emotionale Verkaufsrhetorik
  • fehlende Transparenz über Finanzen

Für Anleger bedeutet das:
Wer investiert oder bereits investiert ist, sollte die Situation sehr sorgfältig prüfen und sich nicht allein von Versprechungen oder emotionalen Aussagen leiten lassen.

Gerade bei komplexen Finanz- oder Goldmodellen gilt:
Wenn Renditen, Rabatte und Bonussysteme zu gut klingen, sollte man besonders genau hinschauen.


Anmerkung der Redaktion

Wichtig ist zudem:
Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich nicht unabhängig überprüfen, welche Aussagen der Verantwortlichen tatsächlich zutreffen.

Das betrifft insbesondere:

  • die Darstellung der Verfügung der FMA Liechtenstein,
  • angebliche Gespräche mit der deutschen Finanzaufsicht BaFin,
  • sowie die angekündigten „neuen Produkte“.

Die Aussagen stammen ausschließlich von den Verantwortlichen selbst. Ob diese Darstellungen vollständig korrekt sind, lässt sich derzeit von außen nicht verifizieren.

Besonders kritisch erscheint dabei der wiederholte Hinweis, man stehe in engem Austausch mit der BaFin über neue Modelle und Produkte. Denn grundsätzlich entscheidet die BaFin nicht einfach informell über die „Freigabe“ eines Produktes.

Vielmehr gelten klare gesetzliche Vorgaben.

Wenn ein Produkt als Vermögensanlage, Investmentprodukt oder erlaubnispflichtiges Finanzgeschäft eingestuft wird, verweist die BaFin in der Regel auf:

  • gesetzliche Zulassungspflichten,
  • Prospektpflichten,
  • Transparenzanforderungen,
  • sowie aufsichtsrechtliche Genehmigungen.

Das bedeutet:
Selbst wenn Gespräche stattfinden sollten, ersetzt das keine rechtliche Zulassung.

Ein möglicher Verkaufsprospekt müsste — je nach Konstruktion — zunächst erstellt und anschließend von der BaFin gebilligt beziehungsweise gestattet werden. Ob dies überhaupt möglich wäre, ist derzeit völlig offen.

Deshalb sollten Anleger bei Aussagen wie:

  • „alles ist abgesprochen“,
  • „die BaFin arbeitet mit uns“,
  • oder „das neue Modell kommt nächste Woche“
    äußerst vorsichtig sein.

Nach eigenen Angaben wurde das zugespielte Video inzwischen sowohl an die FMA Liechtenstein als auch an die BaFin übermittelt. Es ist davon auszugehen, dass die Behörden die darin enthaltenen Aussagen und Ankündigungen sorgfältig prüfen werden.

1 Komment

  • Interessant war die zusätzliche Anmerkung von Herrn Bogen: nämlich, dass die Rückabwicklungen nach drei bis vier Monaten – wenn feststeht, wer überhaupt rückabwickeln möchte – in RATEN ausbezahlt werden sollen (24-36 Monate).

    Wenn ich nun Gold zum Wert von beispielsweise 2024 zurückkaufe, dabei die bereits erhaltenen Rabatte des Kunden abgezogen werden und das Gold ohnehin durchgehend vorgehalten werden musste – warum muss die Erstattung dann, beim mittlerweile etwa doppelten Goldpreis, in Raten erfolgen?

    Die TGI oder der Partner müsste doch lediglich den (hoffentlich vorhandenen) Doré-Barren verkaufen und auszahlen, fertig. Sehr, sehr bemerkenswert.

    Und nun gibt es schon wieder einen neuen Partner – diesmal im Untertagebau. Das ist bei etlichen Minen weltweit durchaus üblich. Oft startet man im Tagebau und geht später in den Untertagebau über. Die Frage, die bleibt, ist aber eine andere: Warum braucht es überhaupt schon wieder einen neuen Partner? Auch hier gilt – Dokumente müssen her vor allem zur Ertragskraft der Miene (JORC / NI 43-101) Erz g/t, dem Betreiber, Lizenzen, Schürfprot. und Real Live Ertragskraft (g/t)

    Die Frage die Bleibt, wo ist das eingelagerte Gold der Kunden? Wieviele Kunden gibt es und welche Goldmengen müssen vorgehalten werden.

    Bemerkenswert auch. Es waren nur rund 2.200 Kunden/Empfehlungsgeber beim Call anwesend!

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