Gold, Glanz und gereizte Nerven: Wenn Transparenz plötzlich „belastend“ wird
Man muss schon sagen:
Die moderne Finanzwelt liefert zuverlässig genau das, was dem deutschen Anlegerherz am meisten fehlt – Abenteuer.
Früher kaufte man Gold, weil man etwas Greifbares wollte.
Heute bekommt man dafür mitunter etwas viel Spannenderes:
ein Kommunikationskonzept mit Mystery-Elementen.
Denn wenn irgendwo von Sachwerten, Sicherheit, Vermögensschutz und selbstverständlich LBMA-zertifiziertem Gold die Rede ist, dann erwartet der naive Bürger ja vielleicht noch immer altmodische Dinge wie:
- einen klaren Nachweis
- einen eindeutigen Lagerort
- eine belastbare Dokumentation
- oder, Gott bewahre, eine überprüfbare Bestätigung
Doch wer so denkt, hat die Innovationskraft mancher Modelle noch nicht verstanden.
Wenn Fragen schon fast unhöflich sind
Besonders interessant wird es immer dann, wenn jemand auf die kühne Idee kommt, konkrete Fragen zu stellen.
Etwa:
- Wo liegt das Gold genau?
- Wem ist es rechtlich zugeordnet?
- Ist es insolvenzsicher?
- Wer hat es wann physisch geprüft?
- Wie wird ein behaupteter Transport dokumentiert?
- Und warum ist ausgerechnet das wichtigste Asset stets schwerer auffindbar als ein Einhorn mit Steuer-ID?
Auf solche Fragen folgt in gut funktionierenden Systemen normalerweise Aufklärung.
In diesem Fall folgt stattdessen – man höre und staune – ein bemerkenswertes Schreiben aus anwaltlicher Feder.
Darin heißt es unter anderem:
- Die Berichterstattung werde von der Mandantin inzwischen als „belastend“ empfunden.
- Die Mandantin sei nicht mehr bereit, ständige Anfragen zu beantworten.
- Auch der Rechtsanwalt selbst werde die Anfrage nicht weiter bearbeiten oder umfassend kommentieren.
- Ein sogenanntes Safe Keeping Receipt (SKR) sei in der Kanzlei hinterlegt.
- Dieses beziehe sich auf 2.182,00 kg Gold.
- Die im SKR genannten Vermögenswerte seien einem Kooperationspartner der TGI AG zugeordnet.
- Zwischen TGI AG und diesem Kooperationspartner bestehe ein aufrechtes Vertragsverhältnis.
- Und weil das offenbar noch nicht genug Würze hatte, wurde dem Kritiker gleich noch ein älterer Medienbeitrag verlinkt, offenbar zur Erklärung, warum man künftig lieber gar nichts mehr sagen möchte.
Kurzum:
Fragen gelten als belastend. Antworten als optional.
Das ist schon ein bemerkenswertes Serviceverständnis.
2.182 Kilo Gold – aber bitte nicht so neugierig
Nun muss man fair bleiben:
2.182 Kilogramm Gold sind nicht nichts.
Das sind rund 2,18 Tonnen.
Also nicht gerade das, was man versehentlich in der Jackentasche vergisst.
Bei dieser Menge könnte man meinen, dass ein paar ganz einfache Anschlussfragen nicht völlig absurd wären:
- Wo genau befindet sich dieses Gold aktuell?
- In welchem Tresor?
- In welchem Land?
- Unter wessen unmittelbarer Verwahrung?
- Mit welchem rechtlichen Zugriff für wen?
- Und vor allem: Warum gibt es bei so viel angeblicher Werthaltigkeit so wenig überprüfbare Transparenz?
Doch statt einer klaren Antwort gibt es ein Dokument, das irgendwo in einer Kanzlei liegt, sich auf Vermögenswerte bezieht, die einem Kooperationspartner zugeordnet sind, mit dem ein aufrechtes Vertragsverhältnis besteht.
Das klingt natürlich beeindruckend.
Es klingt allerdings auch ein bisschen wie:
„Der Schatz ist da. Irgendwo. Vertrau mir. Ein Papier liegt beim Anwalt.“
Die große Kunst der physischen Unsichtbarkeit
Und genau hier wird es fast poetisch.
Gold ist eigentlich einer der wenigen Vermögenswerte, bei denen der Witz ja gerade darin besteht, dass es physisch existiert.
Es ist nicht:
- eine Vision
- ein Narrativ
- ein Token
- ein Mindset
- oder ein PowerPoint-Punkt
Es ist Gold.
Schwer.
Glänzend.
Lagerfähig.
Nummeriert.
Nachprüfbar.
Theoretisch jedenfalls.
Praktisch scheint Gold in manchen Konstruktionen eine erstaunliche Fähigkeit zu besitzen:
Je häufiger man danach fragt, desto metaphysischer wird es.
Es ist da.
Aber nicht direkt einsehbar.
Es ist bestätigt.
Aber nicht belastbar belegt.
Es ist hinterlegt.
Aber nicht offen nachvollziehbar.
Es ist physisch.
Aber kommunikativ längst im Bereich der Quantenmechanik angekommen.
Belastend ist nicht die Frage – belastend ist das Schweigen
Besonders charmant ist der Hinweis, die Berichterstattung sei „belastend“.
Natürlich kann kritische Berichterstattung belastend sein.
Vor allem dann, wenn sie sich mit genau den Punkten beschäftigt, die Anleger tatsächlich interessieren:
- Gibt es das Gold wirklich?
- Wo liegt es?
- Wem gehört es rechtlich?
- Ist es insolvenzsicher?
- Ist es einzeln zuordenbar?
- Ist es unabhängig überprüfbar?
Das sind nun wirklich keine revolutionären Fragen.
Das sind bei einem Goldmodell eher die Mindestanforderungen, bevor jemand auch nur einen einzigen Euro ruhigen Gewissens investiert.
Wenn dann auf genau diese Fragen nicht Transparenz folgt, sondern Schweigen, Genervtheit und Verweis auf ein angeblich hinterlegtes Schriftstück, dann darf man sich über Skepsis vielleicht nicht allzu laut wundern.
Das eigentliche Problem ist nicht das Gold – sondern die Antwort darauf
Niemand verlangt das Unmögliche.
Niemand fordert, dass der Tresorcode im Livestream vorgelesen wird.
Niemand erwartet, dass ein Gabelstapler mit Goldbarren durchs Foyer rollt.
Und niemand möchte aus reiner Bosheit nerven.
Aber wenn ein Modell mit Gold, Sicherheit und Vertrauen wirbt, dann darf man schon erwarten, dass genau diese Punkte überprüfbar sind – und nicht nur behauptbar.
Denn zwischen
„Ein Anwalt sagt, ein Papier liegt in der Kanzlei“
und
„Hier ist der unabhängige, belastbare, rechtlich saubere Nachweis über Lagerort, Zuordnung und Insolvenzsicherheit“
liegen ungefähr so viele Welten wie zwischen Sparkasse und Schatzinsel.
Und jetzt die ganz einfache Frage …
Am Ende bleibt deshalb nicht Empörung.
Nicht Drama.
Nicht Empfindlichkeit.
Sondern nur diese eine, völlig unverschämte, offensichtlich „belastende“ Frage:
Fragen Sie doch mal nach, wie die das LBMA-zertifizierte Gold runter nach Afrika kriegen – oder wo genau das jetzt gelagert ist.
Erstaunlich ist ja, dass dieses Wunder-Geschäftsmodell noch von keinem institutionellen Anleger entdeckt wurde. Bei diesen Renditen müssten die doch eigentlich mit dem Geldkoffer vor der Tür campieren.
GGMT war wenigstens noch als Hochrisiko-Modell halbwegs logisch erklärbar: Kundengeld in eine Mine, Mine abgesoffen, Totalverlust. Dass TGI dann als Retter auftreten musste, war wohl weniger noble Geste als pure Notwendigkeit — denn ohne dieses „Auffangen“ wäre TGI vermutlich schon bei der Geburt erledigt gewesen.
Und das GGMT-Urteil sollte man sich tatsächlich zweimal durchlesen. Denn der springende Punkt war damals auch, dass der Totalverlust vertraglich Teil des Modells war (im Übrigen genau wie jetzt auch) Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, dass es zur Mine und zu den tatsächlichen Produktionsmengen offenbar kaum brauchbare Unterlagen gab. Vermutlich ebenfalls abgesoffen. Ein Schelm, der Böses denkt.
Und das beruhigende Argument lautet jetzt: „Seit 5 Monaten kommen die monatlichen Rabatte pünktlich.“ Herzlichen Glückwunsch — alles andere wäre ja auch der sofortige Offenbarungseid.
Die eigentliche Frage bleibt: Was passiert, wenn irgendwann weniger Geld nachkommt, als laufend hinausgezahlt werden muss?
„Bei einem Partner eingelagertes Gold“ ist noch lange kein Nachweis dafür, dass es sich auch tatsächlich um konkret zugeordnetes Kundengold handelt. Entscheidend ist, welcher Bestand wirklich der TGI AG bzw. den Kunden gehört, wer das SKN ausgestellt hat, ob dies unabhängig geprüft wurde und in welcher Qualität das Gold überhaupt vorliegt (Feingold, Dore). Wenn vertraglich ein sofortiger Ankauf von Feingold und eine sofortige Einlagerung für den Kunden zugesichert werden, dann müssen Lagerort, Verwahrer, Versicherung und eindeutige Zuordnung des Goldes transparent benannt werden können. Genau dieses Ausweichen auf einfachste Fragen wirkt nicht erklärungsbedürftig, sondern unseriös.
Ich möchte ja nicht unken, ist die Partnerin die diese Reserven bestätigt womöglich Niharika Handa, die Chefin von Herbert Müllner?
https://www.modernghana.com/news/1442343/cid-investigates-alleged-identity-fraud-by-two.html
2,2 Tonnen Gold, 37 Karat *rofl*, jedes Gramm eindeutig zugeordnet!
„Fragen Sie doch mal nach, wie die das LBMA-zertifizierte Gold runter nach Afrika kriegen – oder wo genau das jetzt gelagert ist“ —– Allein dieser Satz beweist, dass Sie das Modell nicht verstehen. Aber was will man erwarten. Es gibt hoffnungslose Fälle 🤷♂️
Anmerkung der Redaktion:
Nichts erwarten dann können Sie auch nicht enttäuscht werden.
Oder erklären wie Schrödingers Gold gleichzeitig sicher und zuortenbar gelagert un als Sicherheit für seltsame Goldgeschäfte dienen kann.