Schlechte Nachrichten für alle Hobby-Dschihadisten mit Karriereambitionen: Das Landesgericht Wiener Neustadt hat den Hauptangeklagten Beran A. zu 15 Jahren Haft verurteilt. Sein Mitstreiter Arda K. erhielt immerhin noch zwölf Jahre – eine Art Terroristen-Silbermedaille.
Die beiden jungen Männer hatten laut Gericht nicht nur Anschlagspläne rund um ein Taylor-Swift-Konzert in Wien geschmiedet, sondern sollen auch einen Komplizen bei einer Messerattacke in Mekka moralisch unterstützt haben. Offenbar reicht heutzutage schon eine Mischung aus Extremismus, Sprengstoffrezepten aus dem Internet und stundenlangen Motivationsgesprächen aus, um vor Gericht auf wenig Verständnis zu stoßen.
Der IS-Fanclub mit Auslandsambitionen
Die Angeklagten präsentierten sich vor Gericht als eher passive Mitläufer, die von ihrem Freund Hasan E. beeinflusst worden seien. Dieser sei die eigentliche treibende Kraft gewesen.
Die Geschworenen schienen jedoch wenig Interesse an dieser Version zu haben. Der Staatsanwalt brachte die Lage auf den Punkt: Die Angeklagten wirkten ungefähr so unschuldig wie ein Brandstifter mit Benzinkanister und Feuerzeug.
Von Wien über Istanbul bis Mekka
Die mutmaßliche Terrorzelle dachte groß. Geplant wurden Anschläge in Wien, Istanbul, Dubai und Mekka. Während die beiden Angeklagten ihre Reisepläne letztlich unverrichteter Dinge abbrachen, setzte ihr Komplize in Saudi-Arabien seine mörderischen Absichten um und griff einen Sicherheitsbeamten vor der Kaaba an.
Dass die Angeklagten ihn dabei psychisch unterstützt haben sollen, wollte die Verteidigung nicht gelten lassen. Der Hauptangeklagte sei kein Anführer gewesen, sondern vielmehr ein orientierungsloser junger Mann auf der Suche nach Halt.
Andere suchen Halt in Sportvereinen oder Musikgruppen. Diese Gruppe entschied sich offenbar für den Islamischen Staat.
Reue kurz vor Ladenschluss
In ihren letzten Worten entdeckten beide Angeklagte ihre reuige Seite.
„Es tut mir leid“, erklärte Beran A.
Auch Arda K. bat um eine Chance, der Gesellschaft zu zeigen, dass er sich integrieren könne.
Das Gericht zeigte sich zwar aufnahmebereit für diese Einsicht, allerdings erst nach Verbüßung mehrerer Jahre Haft.
Taylor Swift als unfreiwilliges Ziel
Besondere Bekanntheit erhielt der Fall durch die geplanten Anschläge rund um die Wiener Konzerte von Taylor Swift. Beran A. soll laut Ermittlern beabsichtigt haben, Menschenmengen vor dem Ernst-Happel-Stadion anzugreifen und anschließend Suizid zu begehen.
Glücklicherweise machte ein Geheimdienst den österreichischen Behörden einen Strich durch die Rechnung. Der Verdächtige wurde einen Tag vor dem ersten Konzert festgenommen.
Die Swift-Konzerte wurden abgesagt. Die Fans waren enttäuscht.
Die Angeklagten inzwischen vermutlich auch.
Fazit
Der Prozess zeigt einmal mehr: Wer glaubt, man könne Terroranschläge planen, Sprengstoff basteln, Waffen suchen, internationale Attentate diskutieren und sich anschließend erfolgreich als harmloser Mitläufer präsentieren, sollte seine Erwartungen an Geschworenengerichte vielleicht etwas realistischer gestalten.
Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.
Die Realität allerdings schon.
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