Es ist beruhigend zu wissen, dass sich auf die internationale Politik wenigstens in einer Sache Verlass ist: Kaum sitzt man in Maskat am Verhandlungstisch, dauert es ungefähr so lange wie eine Kaffeepause, bis irgendwo wieder Raketen fliegen.
Am Samstag wurde im Oman noch ernsthaft darüber diskutiert, wie die Schifffahrt durch die Straße von Hormus sicherer werden könnte. Offenbar lautete das Ergebnis: „Lasst uns erst einmal schießen, dann reden wir weiter.“
Der Iran erklärte die Meerenge kurzerhand für geschlossen. Frei nach dem Motto: „Mein Sandkasten, meine Regeln.“ Anlass waren angebliche Warnschüsse auf ein Containerschiff, das nach iranischer Darstellung den falschen Fahrstreifen benutzt hatte. Dass das Schiff anschließend brannte, war vermutlich nur ein unglücklicher Nebeneffekt des neuen Navigationskonzepts.
Die USA reagierten erwartungsgemäß mit einer weiteren Runde Luftangriffe. Man könnte meinen, Washington verfüge über ein Bonusprogramm: Zehn Angriffe – einer gratis. Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte, der Iran habe „eine schlechte Entscheidung getroffen“. Diese Formulierung wirkt ungefähr so nüchtern wie der Hinweis eines Schiedsrichters nach einer Massenschlägerei: „Das war jetzt nicht ganz regelkonform.“
Laut US-Angaben wurden rund 140 Ziele angegriffen. Die genaue Zahl spielt inzwischen fast keine Rolle mehr – Hauptsache, sie ist groß genug für die Schlagzeilen.
Währenddessen heulten in Bahrain, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten erneut die Sirenen. Die Bewohner der Golfregion dürften inzwischen mehr Luftalarm-Apps auf ihren Smartphones haben als Wetter-Apps.
Besonders bemerkenswert bleibt allerdings die Diplomatie. Seit Monaten wird regelmäßig eine Feuerpause vereinbart, kurz darauf für beendet erklärt, anschließend wieder verlängert und danach erneut aufgehoben. Im Fußball würde man sagen: Das Spiel ist längst abgepfiffen, aber beide Mannschaften schießen trotzdem weiter aufs Tor.
Die Straße von Hormus, über die ein erheblicher Teil des weltweiten Ölhandels verläuft, entwickelt sich derweil zur wohl teuersten Baustelle der Welt – nur dass dort keine Bauarbeiter stehen, sondern Kriegsschiffe.
Und irgendwo sitzt vermutlich ein Versicherungsvertreter, schaut auf die Frachtraten und denkt sich: „Heute wird ein guter Tag.“
Bleibt zu hoffen, dass irgendwann wieder Diplomaten mehr zu sagen haben als Generäle. Denn bislang scheint die Devise zu lauten: Erst bombardieren, dann verhandeln – und wenn das nicht klappt, einfach wieder von vorne anfangen.
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