Der Angriff auf eine Grundschule im iranischen Minab gehört zu den verstörendsten Ereignissen des aktuellen Konflikts – und zugleich zu den am wenigsten aufgeklärten. Mehr als zwei Monate nach dem Einschlag, bei dem laut iranischen Angaben 168 Menschen, darunter rund 110 Kinder, ums Leben kamen, bleibt die Haltung des Pentagons auffällig zurückhaltend: Man ermittle noch.
Genau dieses Schweigen sorgt nun für Kritik – auch aus den eigenen Reihen. Mehrere ehemalige US-Regierungs- und Militärexperten sprechen von einem ungewöhnlichen Vorgang. In vergleichbaren Fällen habe das Verteidigungsministerium deutlich schneller zumindest grundlegende Informationen geliefert oder Verantwortung übernommen – selbst wenn Details erst später folgten.
Besonders brisant: Medienberichte und Videoanalysen deuten darauf hin, dass ein US-Marschflugkörper das angrenzende Militärgelände traf – und möglicherweise aufgrund fehlerhafter Zielkoordinaten auch die Schule. Eine interne Voruntersuchung soll laut Insidern genau darauf hindeuten. Offiziell bestätigt ist das nicht.
Für Kritiker ist gerade das Teil des Problems. „Ungewöhnlich intransparent“ nennen ehemalige Beamte den Umgang mit dem Vorfall. In der Vergangenheit habe es zumindest ein Mindestmaß an Rechenschaft gegeben – auch, um Vertrauen zu sichern und aus Fehlern zu lernen. Dies fehle nun.
Politisch ist der Fall heikel. Präsident Trump hatte früh ohne Belege dem Iran die Verantwortung zugeschoben. Eine mögliche Kehrtwende oder ein Eingeständnis eigener Fehler würde diese Darstellung untergraben. Einige Beobachter vermuten daher, dass das Zögern auch politisch motiviert sein könnte.
Im Kongress wächst der Druck. Demokratische Abgeordnete fordern seit Wochen Antworten, erhalten jedoch kaum mehr als den Hinweis auf laufende Ermittlungen. Selbst in vertraulichen Briefings soll es keine klare Stellungnahme gegeben haben.
Historische Vergleiche verstärken die Kritik: Ob Afghanistan 2021 oder Kunduz 2015 – in beiden Fällen räumten US-Behörden innerhalb weniger Wochen Fehler ein und entschuldigten sich öffentlich. Heute hingegen herrscht Funkstille.
Gleichzeitig erschweren fehlender Zugang zum Tatort und die politische Lage im Iran eine unabhängige Aufklärung. Doch für viele Experten ist das keine ausreichende Erklärung für das Schweigen in Washington.
Was bleibt, ist ein wachsender Zweifel: Geht es hier noch um sorgfältige Aufklärung – oder vor allem darum, unbequeme Wahrheiten möglichst lange hinauszuzögern?
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