Kanada bekommt eine neue Generalgouverneurin: Louise Arbour, eine der bekanntesten Juristinnen des Landes, übernimmt das Amt als Vertreterin von König Charles III. Sie folgt auf Mary Simon, die als erste indigene Amtsinhaberin Geschichte geschrieben hatte.
Arbour, 79 Jahre alt und aus Montreal, bringt eine beeindruckende Karriere mit. Sie war Richterin am Obersten Gerichtshof Kanadas und später international tätig, unter anderem als Chefanklägerin bei den UN-Tribunalen für das ehemalige Jugoslawien und Ruanda. Dort sorgte sie für Aufsehen, als erstmals ein amtierender Staatschef – Slobodan Milošević – angeklagt wurde. Außerdem spielte sie eine wichtige Rolle bei der juristischen Aufarbeitung von Völkermord und sexualisierter Gewalt als Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Später war sie UN-Hochkommissarin für Menschenrechte und wurde für ihre Arbeit unter anderem mit dem Order of Canada ausgezeichnet, der höchsten zivilen Ehrung des Landes.
Ihre Ernennung kommt auch vor dem Hintergrund politischer Erwartungen: Anders als ihre Vorgängerin spricht Arbour sowohl Englisch als auch Französisch fließend – ein sensibles Thema in Kanada. Premierminister Mark Carney betonte bei der Vorstellung ihre Erfahrung, ihr Urteilsvermögen und ihr Engagement für Rechtsstaatlichkeit.
Das Amt der Generalgouverneurin ist vor allem repräsentativ, hat aber auch wichtige verfassungsrechtliche Aufgaben. Dazu gehört etwa die Ernennung der Regierung, das Unterzeichnen von Gesetzen und die Repräsentation des Staates nach innen und außen.
Mit Arbour übernimmt nun eine Persönlichkeit das Amt, die sowohl national als auch international als erfahren, durchsetzungsstark und rechtlich versiert gilt.
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