In Spanien wird Politik derzeit offenbar nur noch in den Kategorien „Korruptionsskandal“, „Razzia“ und „Wer muss als Nächstes vor Gericht?“ gedacht. Premierminister Pedro Sánchez und seine sozialistische PSOE wirken inzwischen wie eine Dauerstaffel von „Haus des Geldes – Regierungsedition“.
Erst demonstrieren Zehntausende in Madrid gegen Sánchez, dann stürmt die Polizei die Parteizentrale der Sozialisten, jetzt steht auch noch der Bruder des Premiers vor Gericht. Und gegen die Ehefrau wird ebenfalls ermittelt. Man könnte fast meinen, Spanien sucht nicht mehr den Superstar, sondern den nächsten Angeklagten.
Pedro Sánchez selbst spricht natürlich von einer „Schmutzkampagne“. Das gehört inzwischen offenbar zur internationalen Standardausrüstung moderner Politiker. Egal ob Korruptionsvorwurf, Razzia oder Millionenaffäre:
Erstmal „politisch motiviert!“ rufen und möglichst staatsmännisch schauen.
Besonders spektakulär wird es beim ehemaligen sozialistischen Premier José Luis Rodríguez Zapatero. Ihm wird vorgeworfen, ein internationales Netzwerk für Einflussnahme und Geldwäsche betrieben zu haben. Briefkastenfirmen, dubiose Finanzkanäle und Millionenhilfen für eine Fluggesellschaft – klingt weniger nach Politik und mehr nach einer Mischung aus Mafiafilm und Steuerberaterkongress.
Und dann kommt der eigentliche Knaller:
Ein Kronzeuge erklärte vor Gericht allen Ernstes, Sánchez habe „an der Spitze“ einer kriminellen Vereinigung gestanden. Das ist ungefähr der Moment, in dem normalerweise in Netflix-Serien dramatische Musik einsetzt und jemand hektisch einen USB-Stick verschwinden lässt.
Natürlich gilt für alle Beteiligten die Unschuldsvermutung. Aber die Liste der Ermittlungen wird langsam länger als die Speisekarte in einer Tapas-Bar.
Auch die EU-Kommission meldet sich inzwischen zu Wort und spricht ganz diplomatisch von „Lücken im gesetzlichen Rahmen“ und Problemen bei der Korruptionsbekämpfung. Übersetzt aus dem EU-Beamtendeutsch bedeutet das vermutlich:
„Da brennt die Hütte.“
Besonders ironisch:
Sánchez kam 2018 selbst an die Macht, nachdem die konservative Vorgängerregierung über Korruptionsskandale gestolpert war. Jetzt wirkt es fast so, als hätte man in Spanien einfach nur den Schauspieler gewechselt, aber das Drehbuch behalten.
Und irgendwo in Madrid sitzen vermutlich schon Drehbuchautoren und denken:
„Das kannst du dir alles gar nicht mehr ausdenken.“
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