Jens Spahn tritt als Vorsitzender der Unionsfraktion zurück
Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, hat am 18. Juli 2026 seinen Rücktritt erklärt. In einem Schreiben an die Abgeordneten teilte der CDU-Politiker mit, dass er die Parteivorsitzenden Friedrich Merz und Markus Söder über seinen Rückzug informiert habe.
Dem Rücktritt war wachsender Druck innerhalb der Union vorausgegangen. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte Spahn in seiner Funktion als CDU-Vorsitzender zuvor aufgefordert, das Amt des Fraktionschefs niederzulegen.
Kontroverse über Leihmutterschaft
Auslöser der parteiinternen Debatte war die Entscheidung Spahns und seines Ehemanns, mithilfe einer Leihmutter in den USA Eltern zu werden. Kritiker warfen dem bisherigen Fraktionsvorsitzenden einen Widerspruch zwischen seinem privaten Handeln und seiner politischen Haltung vor.
Leihmutterschaft ist in Deutschland nicht zulässig. Auch die CDU hält an dem Verbot fest und hatte diese Position auf ihrem Bundesparteitag im Februar 2026 erneut bestätigt. Die Inanspruchnahme einer Leihmutterschaft im Ausland verstößt für die deutschen Wunscheltern allerdings nicht automatisch gegen deutsches Strafrecht.
Spahn war von 2018 bis 2021 Bundesgesundheitsminister. Während seiner Amtszeit fiel das Embryonenschutzrecht, auf dessen Grundlage die Leihmutterschaft in Deutschland untersagt ist, in den Zuständigkeitsbereich seines Ministeriums.
Kritik auch aus den eigenen Reihen
In den Tagen vor dem Rücktritt hatten mehrere Politiker aus CDU und CSU eine öffentliche Erklärung oder personelle Konsequenzen verlangt. Der CDU-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern forderte Spahn ausdrücklich zum Rücktritt auf.
Im Zentrum der Kritik stand weniger die Familiengründung selbst als die Frage, ob ein führender Politiker privat eine Möglichkeit nutzen könne, deren Zulassung er für andere Menschen in Deutschland politisch ablehne.
Mit seinem Rückzug reagiert Spahn nun auf die zunehmenden Spannungen innerhalb der Union. Wer den Vorsitz der CDU/CSU-Bundestagsfraktion dauerhaft übernimmt, war zunächst noch nicht entschieden.
Spahns Rücktritt ist der richtige Schritt. Es ist nur traurig, daß die jeweils betreffenden Personen immer erst zum Handeln aufgefordert werden müssen. Ein Rücktritt aus eigener Einsicht wäre wünschenswert gewesen; aber wahrscheinlich ist so ein Wunsch in unserer Gesellschaftmnaiv.