Startseite Allgemeines Sieben Wochen für ein Nummernschild: Leipzigs Zulassungsstelle als Geduldsprüfung
Allgemeines

Sieben Wochen für ein Nummernschild: Leipzigs Zulassungsstelle als Geduldsprüfung

Kaufdex (CC0), Pixabay
Teilen

Wer in Leipzig ein Auto zulassen will, braucht derzeit offenbar nicht nur Fahrzeugschein und Ausweis, sondern vor allem eines: Nerven aus Stahl, Zeit im Überfluss und vermutlich eine gewisse spirituelle Reife.

Denn wenn Bürgerinnen und Bürger für einen Termin bei der Zulassungsstelle bis zu sieben Wochen warten müssen, dann ist das kein normaler Verwaltungsstau mehr. Das ist kein Betriebsunfall. Das ist ein handfester Organisationsskandal.

Und ja, da darf man die Frage stellen: Herr Bürgermeister Heiko Rosenthal, sind Sie dafür nicht zuständig?

Zur Erinnerung: Heiko Rosenthal (Die Linke) ist seit 2006 Bürgermeister und Beigeordneter für Umwelt, Klima, Ordnung und Sport der Stadt Leipzig. Er leitet das Dezernat III – und dazu gehört eben auch der Bereich Ordnung. Anders formuliert: Wenn in Leipzig beim Thema Zulassung die Räder abfallen, dann sollte man nicht so tun, als sei das höhere Gewalt.

Leipzig: Großstadt mit Wartezimmer-Mentalität

Sieben Wochen auf einen Termin für die Kfz-Zulassung – in einer Stadt wie Leipzig.
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen.

In sieben Wochen:

  • bekommt man anderswo einen Handwerkertermin,
  • wird mancher Kühlschrank geliefert,
  • hat Amazon vermutlich drei Kontinente umrundet,
  • und in funktionierenden Verwaltungen wird in der Zeit nicht nur ein Auto zugelassen, sondern wahrscheinlich gleich noch umgemeldet, abgemeldet und mit Wunschkennzeichen versehen.

In Leipzig dagegen scheint die Kfz-Zulassung inzwischen unter Denkmalschutz zu stehen: Alles dauert länger, weil es schon immer länger dauert.

Unternehmerfreundlich? Eher nicht. Bürgerfreundlich? Erst recht nicht.

Wer auf ein Auto angewiesen ist – privat oder beruflich –, kann mit solchen Zuständen schlicht nichts anfangen.
Für Handwerker, Selbstständige, Außendienstler, Pflegedienste oder kleine Unternehmen ist das nicht bloß lästig. Es ist ein echter wirtschaftlicher Schaden.

Denn ein Auto, das wochenlang nicht zugelassen wird, ist eben kein Auto. Es ist ein sehr teures Deko-Objekt.

Leipzig redet gern von Modernität, Mobilitätswende, Zukunft, Standortattraktivität und all den hübschen Begriffen, die in Pressemitteilungen so gut aussehen.
Aber wer nicht einmal eine halbwegs funktionierende Zulassungsstelle organisiert bekommt, sollte bei Begriffen wie „bürgernah“ oder „wirtschaftsfreundlich“ vielleicht etwas vorsichtiger sein.

Das eigentliche Wunder: Wie still es darum bleibt

Fast noch erstaunlicher als die Wartezeit selbst ist die relative Ruhe drumherum.
Man sollte meinen, sieben Wochen bis zum Zulassungstermin wären längst ein lokales Aufregerthema. Bürger wütend, Stadtrat alarmiert, Schlagzeilen, Nachfragen, Druck.

Stattdessen wirkt es, als hätte man sich in Leipzig mit der behördlichen Langsamkeit arrangiert wie mit schlechtem Wetter.

Und auch medial könnte man auf die Idee kommen, dass solche Zustände eigentlich mehr Aufmerksamkeit verdienen würden.
Denn wenn Bürger wochenlang auf einen simplen Verwaltungstermin warten, wäre das normalerweise genau die Art von kommunalem Missstand, über den man berichten sollte.

Herr Rosenthal, schaffen Sie endlich Abhilfe

Deshalb ganz direkt:

Herr Rosenthal, sorgen Sie endlich dafür, dass Bürger in Leipzig nicht länger als eine Woche auf einen Termin bei der Zulassungsstelle warten müssen.

Nicht sieben Wochen.
Nicht irgendwann.
Nicht nach der nächsten internen Prüfung.
Nicht nach einem Workshop zur Prozessoptimierung mit PowerPoint und Butterbrezeln.

Eine Woche. Maximal.

Alles darüber ist in einer Großstadt im Jahr 2026 schlicht nicht akzeptabel.

Denn Verwaltung ist kein Selbstzweck. Sie soll funktionieren.
Und wenn schon die Zulassung eines Autos zur Geduldsprobe mit kafkaesken Zügen wird, dann läuft in der Organisation etwas grundsätzlich schief.

Leipzig braucht keine Ausreden. Leipzig braucht Termine.

Vielleicht wäre es ein Anfang, wenn im Rathaus künftig weniger darüber gesprochen wird, wie nachhaltig Leipzig werden soll – und etwas mehr darüber, warum ein Bürger im Jahr 2026 fast zwei Monate auf einen Termin warten muss, um ein Auto legal auf die Straße zu bringen.

Denn am Ende gilt ein ziemlich einfacher Satz:

Eine Stadt, die sieben Wochen für ein Nummernschild braucht, hat kein Mobilitätskonzept. Sie hat ein Problem.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

Corona-Impfklage geht weiter – OLG Hamm stärkt Rechte möglicher Impfgeschädigter

Im Streit um mögliche Gesundheitsschäden nach einer Corona-Schutzimpfung hat das Oberlandesgericht Hamm...

Allgemeines

„WhatsApp ist kein rechtsfreier Raum“ – Rechtsanwalt Daniel Blazek erklärt das neue Urteil des OLG Frankfurt

Ein Vertrag per WhatsApp? Für viele Menschen längst Alltag. Doch wie verbindlich...

Allgemeines

OLG Frankfurt stärkt Rechte von Transfrau – Gericht zieht klare Grenzen für Medien

Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main hat entschieden: Auch kontroverse Debatten über Transrechte...

Allgemeines

KI erfindet Facharzttitel – Gericht macht Unternehmen verantwortlich

Ein Chatbot beantwortet Fragen auf einer Website. Für viele Nutzer wirkt das...