Der britische Energiekonzern Shell hat im ersten Quartal deutlich mehr Gewinn erzielt. Grund dafür sind vor allem die stark gestiegenen Ölpreise infolge des Kriegs zwischen den USA, Israel und dem Iran. Der Konzern meldete einen Gewinn von 6,92 Milliarden Dollar – deutlich mehr als von Analysten erwartet und rund 24 Prozent über dem Vorjahreswert.
Seit Beginn des Konflikts sorgt insbesondere die faktische Blockade der Straße von Hormus für Turbulenzen auf den Energiemärkten. Durch die Meerenge laufen normalerweise etwa 20 Prozent der weltweiten Öl- und Flüssiggaslieferungen. Die Angst vor Lieferausfällen ließ den Ölpreis zeitweise auf mehr als 120 Dollar pro Barrel steigen. Aktuell liegt der Preis für die Nordseesorte Brent bei rund 101 Dollar.
Shell-Chef Wael Sawan sprach von „starken Ergebnissen“ in einem von „beispiellosen Störungen“ geprägten Marktumfeld. Zugleich betonte er, die Sicherheit der Mitarbeiter habe oberste Priorität.
Wie bereits beim Konkurrenten BP spielte auch bei Shell das Ölhandelsgeschäft eine zentrale Rolle für den Gewinnsprung. Die extremen Preisschwankungen an den Märkten ermöglichen Händlern hohe Margen zwischen Kauf- und Verkaufspreisen.
Allerdings belastet der Krieg das operative Geschäft des Konzerns zunehmend. Shell teilte mit, dass die Fördermenge von Öl und Gas im Vergleich zum Vorquartal um vier Prozent gesunken sei. Hintergrund sind unter anderem Schäden an der großen Pearl-Gasanlage in Katar.
Der Konflikt zeigt damit erneut die widersprüchliche Dynamik der Energiebranche: Während steigende Preise und volatile Märkte die Gewinne der Konzerne in die Höhe treiben, gefährden militärische Eskalationen gleichzeitig Produktion und Lieferketten.
In Großbritannien unterliegt Shell wie andere Energiekonzerne einer Übergewinnsteuer. Die sogenannte „Energy Profits Levy“ war 2022 nach dem russischen Angriff auf die Ukraine eingeführt worden und wurde von der Labour-Regierung inzwischen bis 2030 verlängert. Allerdings betrifft die Abgabe nur Gewinne aus der Förderung in Großbritannien – der Großteil der Einnahmen von Shell wird im Ausland erzielt.
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