Europa entdeckt langsam seine große Liebe zur strategischen Eigenständigkeit – nachdem man jahrzehntelang jede größere außenpolitische Entscheidung ungefähr so eigenständig getroffen hat wie ein Navi ohne Satellitenempfang.
Laut einer neuen Studie wünschen sich inzwischen 73 Prozent der EU-Bürger mehr Unabhängigkeit von den USA. Übersetzt heißt das: „Wir würden ja gern selbstständiger werden – sobald Washington uns sagt, wie.“
Besonders bemerkenswert: Mehr als die Hälfte der Europäer hält die USA inzwischen nicht mehr für einen verlässlichen Partner. Offenbar hat Donald Trumps zweite Amtszeit selbst den letzten transatlantischen Romantikern klargemacht, dass „America First“ nicht zwingend bedeutet, dass Europa auf Platz zwei folgt.
Das Ansehen der USA als wichtigster Partner der EU ist laut Studie deutlich abgestürzt. Gleichzeitig wächst in Europa plötzlich die Sehnsucht nach „strategischer Autonomie“ – jenem politischen Modewort, das in Brüssel seit Jahren ungefähr so häufig benutzt wird wie „nachhaltig“, „resilient“ und „gemeinsame Werte“.
Natürlich bedeutet das nicht, dass Europa jetzt plötzlich komplett auf eigenen Beinen stehen könnte. Dafür müsste man zuerst klären, wer überhaupt zuständig ist, welche Kommission dafür eine Arbeitsgruppe gründet und welches Mitgliedsland am Ende wieder ein Veto einlegt.
Immerhin: Eine Hinwendung zu China lehnen viele Europäer weiterhin ab. Man möchte also unabhängiger von Amerika werden, aber bitte nicht abhängig von Peking. Europa sucht gewissermaßen die geopolitische Midlife-Crisis-Lösung: stark, souverän und neutral – mit amerikanischem Sicherheitsschirm und chinesischen Handelsbeziehungen.
Stattdessen gewinnen Kanada und Großbritannien an Bedeutung. Kanada gilt inzwischen offenbar als die höfliche Ersatz-USA, während Großbritannien nach dem Brexit plötzlich wieder interessant wird – vermutlich weil man außerhalb der EU nostalgisch verklärt immer attraktiver wirkt.
Auch die NATO bleibt trotz aller Distanzierungsversuche beliebt. Denn so viel Eigenständigkeit dann bitte doch nicht. Europas Sicherheitsstrategie erinnert damit weiterhin ein wenig an einen Teenager, der lautstark ausziehen will, aber trotzdem erwartet, dass die Eltern weiter Miete und Handyvertrag bezahlen.
Am Ende zeigt die Studie vor allem eins: Europas Verhältnis zu den USA ist kompliziert geworden. Zwischen Trump, Handelsstreitigkeiten, Kriegen und geopolitischen Machtverschiebungen wächst auf dem Kontinent der Wunsch, endlich erwachsen zu wirken.
Ob daraus tatsächlich eine selbstbewusste europäische Außenpolitik entsteht oder nur weitere Gipfeltreffen mit sehr langen Abschlusserklärungen, bleibt allerdings offen.
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