Der Gründer des chinesischen Fast-Fashion-Konzerns Shein, Xu Yangtian – auch bekannt als Sky oder Chris Xu – ist bei einer seltenen öffentlichen Veranstaltung aufgetreten und hat dabei die enge Verbundenheit seines Unternehmens mit China betont.
Auf einer Wirtschaftskonferenz zur hochwertigen Entwicklung in der südchinesischen Provinz Guangdong kündigte Xu an, dass Shein dort zehn Milliarden Yuan (rund 1,08 Milliarden Pfund beziehungsweise 1,45 Milliarden US-Dollar) investieren werde. Ziel sei der Aufbau eines Hightech-Modezentrums, das die Lieferketten weiter modernisieren und effizienter machen soll.
Lob für Regierung und Standort
Guangdong gilt als Herzstück der chinesischen Textilproduktion und ist Heimat zahlreicher Fabriken, die das Geschäftsmodell von Shein tragen. Xu hob die „erstklassige Geschäftsumgebung“ sowie das „vollständige industrielle Ökosystem“ der Region hervor. Die Unterstützung der lokalen Behörden sei entscheidend für den Erfolg des Unternehmens gewesen.
Die „Nährkraft“ aus Guangdong sei „untrennbar“ mit Sheins Entwicklung verbunden, sagte Xu. Das Unternehmen unterstütze inzwischen mehr als 600.000 Arbeitsplätze in der Region. Guangdong sei „fruchtbarer Boden“ für weiteres Wachstum, betonte er.
Shein hatte die Investitionspläne bereits 2023 angekündigt. Mit den Mitteln sollen vor allem digitale Strukturen ausgebaut und Lieferketten optimiert werden.
Strategischer Balanceakt
Der öffentliche Auftritt ist bemerkenswert, da Xu bislang weitgehend das Rampenlicht gemieden hat – trotz der rasanten globalen Expansion von Shein in mehr als 160 Länder. In den vergangenen Jahren hatte sich das Unternehmen strategisch stärker international ausgerichtet, den Hauptsitz nach Singapur verlegt und eine mögliche Börsennotierung in New York oder London geprüft.
Gleichzeitig steht Shein zunehmend unter Druck. Angespannte Beziehungen zwischen China und westlichen Staaten haben zu verstärkter Prüfung chinesischer Unternehmen geführt. Hinzu kommen handelspolitische Maßnahmen der USA – darunter das Ende einer Steuervergünstigung für geringwertige Paketsendungen, die das Geschäftsmodell von Onlinehändlern wie Shein direkt treffen.
Kritik und Untersuchungen
Darüber hinaus sieht sich Shein mit Vorwürfen hinsichtlich Umweltbelastung und Arbeitsbedingungen in der Lieferkette konfrontiert. Die Europäische Union ermittelt derzeit wegen möglicher Verstöße gegen digitale Vorschriften. Unter anderem war auf der Plattform der Verkauf kindlich wirkender Sexpuppen gemeldet worden. Shein erklärte, die betreffenden Angebote entfernt, Verkäufer gesperrt und interne Regeln verschärft zu haben.
Der Vorfall hatte insbesondere in Frankreich Proteste ausgelöst. In Paris demonstrierten Aktivisten gegen die Eröffnung der ersten Shein-Verkaufsfläche im Land. Weitere Filialeröffnungen in französischen Städten sind dennoch geplant, nachdem der Start im Dezember zunächst verschoben worden war.
Mit seinem Auftritt in Guangdong sendet Xu ein klares Signal: Trotz globaler Expansion und wachsender Kritik bleibt China – und insbesondere die Provinz Guangdong – das Fundament des Shein-Imperiums.
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