Der chinesische Fast-Fashion-Riese Shein hat seinen Umsatz im Vereinigten Königreich im vergangenen Jahr deutlich gesteigert. Wie aus dem Jahresabschluss 2024 hervorgeht, kletterten die Verkäufe an britische Kundinnen und Kunden um rund ein Drittel auf 2 Milliarden Pfund. Der Gewinn legte im Vergleich zu 2023 sogar um 57 Prozent zu.
Trotz des starken Wachstums zeigt sich das Unternehmen vorsichtig mit Blick auf die Zukunft. Höhere Inflation und steigende Lebenshaltungskosten könnten das Kaufverhalten der Verbraucher beeinflussen, teilte Shein mit.
Zudem drohen regulatorische Veränderungen. Die britische Regierung prüft derzeit die Steuerbefreiung für Warensendungen unter 135 Pfund. Diese sogenannte „De-minimis“-Regelung hatte es Onlinehändlern wie Shein und dem Rivalen Temu ermöglicht, günstige Produkte ohne zusätzliche Abgaben direkt an Kundinnen und Kunden zu versenden.
In den USA wurde eine ähnliche Ausnahmeregel bereits abgeschafft. Dort hatte Präsident Donald Trump die Zollbefreiung für niedrigwertige Pakete beendet, wodurch Waren im Wert von bis zu 800 US-Dollar nicht mehr zollfrei eingeführt werden können. In der Folge erhöhte Shein in den Vereinigten Staaten die Preise.
Kritiker aus dem Einzelhandel argumentieren seit Langem, dass diese Regelungen ausländischen Online-Plattformen einen unfairen Wettbewerbsvorteil verschaffen und traditionelle Geschäfte auf der britischen High Street unter Druck setzen.
Shein wurde in China gegründet und hat seinen Hauptsitz inzwischen nach Singapur verlegt. Das Unternehmen setzt auf extrem niedrige Preise, regelmäßige Rabattaktionen und Belohnungssysteme, um Kundinnen und Kunden zum wiederholten Kauf zu animieren. Neben Mode bietet Shein inzwischen auch zahlreiche andere Produkte an, darunter Spielwaren, Haushaltsartikel und Küchenzubehör.
Im Juni vergangenen Jahres reichte das Unternehmen erste Unterlagen für eine mögliche Börsennotierung in London ein.
Gleichzeitig sieht sich Shein weiterhin mit Kritik konfrontiert – insbesondere wegen Arbeitsbedingungen in chinesischen Zulieferbetrieben sowie wegen der Umweltfolgen seines Geschäftsmodells. Menschenrechtsorganisationen fordern strengere Kontrollen. „Unabhängig davon, ob Shein an der Londoner Börse notiert wird, sollte kein Unternehmen im Vereinigten Königreich Geschäfte machen dürfen, wenn es weltweit Menschenrechte missachtet“, erklärte Peter Frankental von Amnesty International UK.
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