Sechs Menschen wurden in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade erschossen. Der mutmaßliche Täter ist nun ebenfalls tot. Nach Angaben des niedersächsischen Justizministeriums nahm sich der 45-Jährige in der Untersuchungshaft das Leben. Hinweise auf ein Fremdverschulden gebe es nicht.
Damit ist der Mann, der Antworten hätte geben können, nicht mehr da. Zurück bleiben sechs getötete Beschäftigte, trauernde Angehörige und die immer gleiche gesellschaftliche Frage: Wie konnte es so weit kommen?
Der Verdächtige soll die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtung sowie des Jugendamts während eines Gesprächs erschossen haben. Nach bisherigen Ermittlungen könnte ein Sorgerechtsstreit der Hintergrund der Tat gewesen sein. Kurz nach den Schüssen wurde der Mann auf der Flucht festgenommen.
Nun endet das Verfahren, bevor es überhaupt zu einem Prozess kommen konnte. Kein Urteil, keine öffentliche Aufarbeitung und keine Aussage des Beschuldigten. Stattdessen werden Akten geprüft, Abläufe rekonstruiert und Formulierungen gesucht, die möglichst sachlich klingen sollen.
Sechs Menschen verloren bei ihrer Arbeit ihr Leben. Menschen, deren Aufgabe es war, Familien und Jugendlichen zu helfen. Am Ende wurden sie offenbar selbst nicht ausreichend geschützt.
Die Behörden werden untersuchen müssen, ob Warnsignale bekannt waren, wie die Sicherheitsmaßnahmen aussahen und ob die Tat hätte verhindert werden können. Denn „Hinweise lagen nicht vor“ ist nach solchen Ereignissen häufig der erste Satz. „Wir hätten anders handeln müssen“ folgt dagegen nur selten.
Hilfe in Krisensituationen
Berichte über Suizide können Menschen in persönlichen Krisen zusätzlich belasten. In Österreich ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr kostenlos unter 142 erreichbar. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene erhalten bei Rat auf Draht unter 147 Unterstützung.
In Deutschland ist die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123 kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. In akuten Notfällen gilt die Notrufnummer 112.
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