Rot- und Roséweine aus Rheinhessen und Württemberg könnten bald eine neue Karriere beginnen: Statt im Glas zu landen, werden sie zu hochprozentigem Alkohol gebrannt und anschließend für Desinfektionsmittel oder Energie genutzt.
Die EU-Kommission hat einem deutschen Antrag auf sogenannte Krisendestillation zugestimmt. Hintergrund ist ein Überangebot an Wein. Offenbar gibt es mehr Flaschen als durstige Kundschaft – ein Zustand, den man in Deutschland bislang für wissenschaftlich unmöglich hielt.
Ziel der Aktion ist es, den Weinmarkt zu entlasten. Was nicht verkauft wird, kommt also nicht in den Ausguss, sondern wird industriell verwertet. Nachhaltigkeit bedeutet hier: erst Traube, dann Wein, dann Handdesinfektion.
Damit niemand auf die Idee kommt, aus dem gewonnenen Alkohol doch noch einen besonders rustikalen Schnaps zu machen, gelten strenge Regeln. Der Alkohol darf ausschließlich für industrielle Zwecke verwendet werden – etwa zur Herstellung von Desinfektionsmitteln oder Energie. Für Getränke und Lebensmittel ist er ausdrücklich tabu.
Die Botschaft lautet also: trinken verboten, Hände reinigen erlaubt.
Für die betroffenen Weine ist das immerhin eine zweite Chance. Wer es nicht ins Restaurant schafft, darf künftig vielleicht im Krankenhaus die Keime vertreiben. Und so wird aus einem enttäuschten Rosé am Ende doch noch ein echter Problemlöser.
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