Eskalation in Haftanstalt bei Colombo
Bei schweren Unruhen im Gefängnis von Negombo im Westen Sri Lankas sind mindestens 26 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Todesopfern befinden sich nach offiziellen Angaben sieben Justizvollzugsbeamte. Mehr als 100 weitere Menschen wurden verletzt.
Die Ausschreitungen dauerten zwei Tage an und zählen zu den schwersten Gefängnisunruhen des Landes seit Jahren.
Streit unter Häftlingen löst Gewalt aus
Auslöser der Unruhen soll ein Konflikt zwischen zwei Gruppen von Gefangenen gewesen sein. Medienberichten zufolge ging es dabei um einen Häftling, der Informationen über Drogengeschäfte innerhalb der Haftanstalt weitergegeben haben soll.
Im Verlauf der Auseinandersetzungen gelang es Insassen, Waffen von Gefängnisbeamten an sich zu bringen. Bereits am ersten Tag kamen zwei Menschen ums Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt.
Gefangene stürmen Dächer und Gefängnistor
Die Lage eskalierte weiter, als männliche Gefangene sowie Insassinnen eines benachbarten Frauenbereichs auf die Dächer der Gebäude kletterten und ihre Freilassung forderten.
Am folgenden Tag versuchten Häftlinge, das Haupttor der Haftanstalt zu stürmen. Sicherheitskräfte griffen ein, aus dem Gefängnis waren zahlreiche Schüsse zu hören. Polizei und Militär übernahmen schließlich die Kontrolle über das Gelände.
Während der Ausschreitungen stürzte zudem ein Teil des Gefängnisdachs ein, wodurch weitere Menschen verletzt wurden.
Viele Verletzte werden medizinisch behandelt
Nach Angaben der Behörden befinden sich weiterhin 23 Justizvollzugsbeamte und 54 Gefangene in medizinischer Behandlung. Einige Verletzte erlitten Schussverletzungen, andere schwere Prellungen und Schnittwunden. Mehrere Patienten wurden in Krankenhäuser nach Negombo und Colombo eingeliefert.
Vor dem Gefängnis versammelten sich zahlreiche Angehörige, die stundenlang auf Informationen über das Schicksal ihrer Familienmitglieder warteten.
Gefangene werden in andere Haftanstalten verlegt
Die Behörden haben inzwischen damit begonnen, Gefangene in andere Gefängnisse zu verlegen. Das Militär bleibt in Alarmbereitschaft, während Polizei und Sicherheitskräfte die beschädigten Bereiche der Haftanstalt durchsuchen.
Justizminister Harshana Nanayakkara ordnete eine umfassende Untersuchung der Ereignisse an. Die zuständigen Behörden sollen einen detaillierten Bericht über den Ablauf der Unruhen vorlegen.
Überfüllte Gefängnisse bleiben großes Problem
Sri Lankas Gefängnisse gelten seit Jahren als massiv überbelegt. Nach offiziellen Angaben befinden sich derzeit rund 41.250 Menschen in Haft – etwa viermal so viele, wie die Haftanstalten ursprünglich aufnehmen können.
Experten sehen in der chronischen Überbelegung einen wesentlichen Grund für die immer wieder aufflammenden Gewaltausbrüche. Bereits Ende 2020 waren bei Gefängnisunruhen in Sri Lanka elf Menschen getötet und mehr als 100 verletzt worden.
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