Nach den verheerenden Erdbeben in Venezuela steigt das Ausmaß der Katastrophe von Stunde zu Stunde. Nach offiziellen Angaben kamen bislang mindestens 920 Menschen ums Leben, mehr als 3.360 weitere wurden verletzt. Hunderte Menschen gelten weiterhin als vermisst, sodass die Opferzahl in den kommenden Tagen weiter steigen dürfte.
Besonders schwer betroffen ist der nördliche Bundesstaat La Guaira mit dem internationalen Flughafen Maiquetía und einem der wichtigsten Seehäfen des Landes. Dort sind zahlreiche Wohnhäuser, Krankenhäuser und Einkaufszentren eingestürzt. Auch in der Hauptstadt Caracas richteten die beiden Erdbeben erhebliche Schäden an.
Rettung unter schwierigsten Bedingungen
Rettungskräfte aus Venezuela und zahlreichen Ländern suchen weiterhin fieberhaft nach Überlebenden. Nach Angaben der Behörden sind bereits Hunderte internationale Spezialisten eingetroffen. Einsatzkräfte aus den USA, Großbritannien, den Niederlanden, Mexiko und der Schweiz unterstützen die Bergungsarbeiten mit Suchhunden, Drohnen und schwerem Gerät.
Bislang konnten zahlreiche Menschen lebend aus den Trümmern gerettet werden. Gleichzeitig gehen die Behörden davon aus, dass sich noch mindestens 172 Personen unter eingestürzten Gebäuden befinden.
Allein seit den beiden Hauptbeben wurden 214 Nachbeben registriert.
Verzweiflung bei den Angehörigen
Vor den Trümmern eines eingestürzten Einkaufszentrums in La Guaira wartet die Mutter zweier junger Frauen seit Tagen auf eine Nachricht. Ihre Töchter arbeiteten dort als Maniküristinnen, als das Gebäude zusammenbrach.
„Ich hoffe einfach, dass sie noch leben. Sie sind alles, was ich habe“, sagte sie unter Tränen.
Solche Szenen spielen sich derzeit im ganzen Land ab. Viele Familien wissen bis heute nicht, ob ihre Angehörigen noch leben oder unter den Trümmern eingeschlossen sind.
Gesundheitswesen am Limit
Die ohnehin seit Jahren angeschlagene medizinische Versorgung Venezuelas steht kurz vor dem Zusammenbruch. Zahlreiche Krankenhäuser wurden beschädigt oder zerstört. Verletzte werden in provisorischen Behandlungszentren versorgt.
Ärzte berichten von dramatischen Engpässen bei Medikamenten, Verbandsmaterial und medizinischer Ausrüstung. Schon vor der Naturkatastrophe litt das Gesundheitssystem unter chronischem Ressourcenmangel. Nun verschärft sich die Lage erheblich.
Infrastruktur schwer beschädigt
Nach Angaben der Regierung wurden Hunderte Gebäude zerstört und rund 1.000 weitere Infrastruktureinrichtungen beschädigt. Erschwerte Verkehrswege, unterbrochene Kommunikationsnetze und Stromausfälle behindern die Rettungsarbeiten zusätzlich.
Die Zerstörung trifft ein Land, das sich bereits seit Jahren in einer schweren wirtschaftlichen und politischen Krise befindet. Internationale Hilfsorganisationen warnen, dass die Folgen der Katastrophe Venezuela noch lange beschäftigen werden.
Internationale Hilfe läuft an
Die Vereinten Nationen kündigten umfangreiche Hilfsmaßnahmen an. Die USA stellten Soforthilfen in Höhe von rund 150 Millionen US-Dollar bereit und entsandten Transportflugzeuge sowie Marineschiffe zur Unterstützung der Hilfsmissionen.
Auch zahlreiche europäische Staaten beteiligen sich an den Rettungsarbeiten.
Hoffnung trotz der Tragödie
Zwischen den vielen tragischen Nachrichten sorgen einzelne Rettungserfolge immer wieder für Hoffnung. Besonders bewegend war die Bergung von drei Geschwistern, die lebend aus den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes befreit wurden. Fernsehbilder zeigten, wie die staubbedeckten Kinder nacheinander aus einem schmalen Spalt zwischen Betonplatten gerettet wurden – ein seltener Lichtblick inmitten einer der schwersten Naturkatastrophen, die Venezuela seit Jahrzehnten erlebt hat.
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