Früher kaufte man ein Computerspiel. Man öffnete die Verpackung, freute sich über eine DVD, eine Karte der Spielwelt, ein Handbuch und manchmal sogar über kleine Extras. Heute kauft man offenbar eine hübsch bedruckte Pappschachtel – mit einem Zettel darin.
Rockstar Games hat mitgeteilt, dass die physische Version von Grand Theft Auto VI zwar in einer Box geliefert wird, diese aber lediglich einen Download-Code enthält. Die eigentliche Spiel-DVD? Fehlanzeige. Willkommen im Zeitalter des digitalen Minimalismus.
Für rund 70 Pfund gibt es künftig also eine dekorative Verpackung mit Einmal-Code. Wer die Premium-Version möchte, darf sogar rund 90 Pfund investieren. Das Sammlerstück besteht dann vermutlich aus besonders hochwertiger Luft.
Viele Spieler fragen sich, warum sie überhaupt noch in ein Geschäft gehen sollen. Früher wartete man nachts vor dem Laden auf den Verkaufsstart, hielt stolz die Spielhülle in den Händen und blätterte zu Hause durch die Anleitung. Heute könnte der Kassierer theoretisch auch einfach einen Post-it-Zettel mit einem Download-Link überreichen.
Natürlich hat das Ganze Vorteile – zumindest für die Hersteller. Keine Datenträger mehr produzieren, keine gebrauchten Spiele im Umlauf und keine Möglichkeit mehr, das Spiel später weiterzuverkaufen oder einem Freund auszuleihen. Das Eigentum verwandelt sich langsam in ein zeitlich unbegrenztes Nutzungsrecht – solange der Anbieter es zulässt.
Einige Händler machen bei dieser Entwicklung nicht mehr mit und verzichten bewusst darauf, die „Code-in-der-Schachtel“-Version überhaupt anzubieten. Sie sehen darin das Ende des klassischen Spielekaufs und warnen davor, dass Kunden immer weniger besitzen und immer mehr lediglich mieten.
Rockstar selbst schweigt zu den Gründen. Denkbar ist vieles: Schutz vor Datenlecks, technische Aktualität oder schlicht die Erkenntnis, dass digitale Downloads höhere Margen versprechen als echte Datenträger.
Vielleicht erleben wir bald die nächste Evolutionsstufe: Für 120 Euro gibt es dann eine exklusive Collector’s Edition – mit leerer Metallbox, digitalem Zertifikat und dem beruhigenden Gefühl, etwas gekauft zu haben, das man nie wirklich besitzen wird.
Die gute Nachricht bleibt: Das eigentliche Spiel dürfte Millionen begeistern. Die schlechte Nachricht: Die DVD landet offenbar dort, wo inzwischen auch das gedruckte Handbuch liegt – im digitalen Museum der Videospielgeschichte.
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