Als Schalke Taylan Bulut vor einem Jahr nach Istanbul ziehen ließ, war die Gefühlslage typisch königsblau.
Auf der einen Seite flossen rund sechs Millionen Euro in die klamme Vereinskasse. Auf der anderen Seite verabschiedete sich mal wieder ein Eigengewächs, bei dem jeder dachte: „Der kommt irgendwann ganz groß raus.“
Jetzt könnte dieses „irgendwann“ schneller kommen als den Schalkern lieb ist.
Denn ausgerechnet der FC Augsburg soll Interesse an Bulut haben. Und da klingeln auf Schalke sofort sämtliche Alarmglocken. Nicht, weil Augsburg plötzlich um die Meisterschaft spielt – sondern weil beide Vereine vermutlich wieder gemeinsam um die berühmten Plätze kämpfen werden, bei denen man nach jedem Spieltag nervös auf die Tabelle schaut.
Aus Schalker Sicht wäre das natürlich typisch.
Erst bildet man einen Spieler jahrelang aus.
Dann verkauft man ihn.
Dann entwickelt er sich prächtig.
Und am Ende schießt er ausgerechnet gegen Schalke das entscheidende Tor zum 1:0.
Das Drehbuch kennt man in Gelsenkirchen leider nur zu gut.
Immerhin hat der Transfer damals finanziell geholfen. Sechs Millionen Euro sind auf Schalke ungefähr so etwas wie sechs Liter Wasser in der Wüste. Nicht genug für ewiges Glück, aber zumindest reicht es, um den nächsten Engpass zu überstehen.
Sollte Bulut tatsächlich nach Augsburg wechseln, dürfte das Wiedersehen emotional werden.
Die einen werden sagen: „Schön, dass ein Junge aus der Knappenschmiede seinen Weg gemacht hat.“
Die anderen werden hoffen, dass er ausgerechnet gegen Schalke plötzlich eine mysteriöse Formschwäche entwickelt.
Noch ist allerdings nichts entschieden. Beşiktaş hat schließlich ebenfalls ein Wörtchen mitzureden.
Bis dahin bleibt den Schalke-Fans nur das, was sie ohnehin seit Jahren perfekt beherrschen:
Gerüchte verfolgen, hoffen, bangen und sich vorsorglich schon einmal darüber ärgern, was vielleicht irgendwann passieren könnte.
Eines ist jedenfalls sicher:
Sollte Bulut tatsächlich im Augsburger Trikot gegen Schalke auflaufen, wird halb Gelsenkirchen sagen:
„Junge… ausgerechnet heute hättest du auch mal einen schlechten Tag haben können.“
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