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Russell verzweifelt, Antonelli fliegt: Bei Mercedes haben sich die Rollen plötzlich vertauscht

Photoshoot4You (CC0), Pixabay
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Vor wenigen Wochen schien George Russell noch der Mann zu sein, der Mercedes zurück an die Spitze führen könnte. Jetzt steht der Brite in Monaco ratlos in der Garage, während Teamkollege Kimi Antonelli auf Pole Position fährt und immer mehr wie der neue Hoffnungsträger der Silberpfeile wirkt.

Besonders pikant: Russell hatte vor dem Monaco-Wochenende noch versucht, etwas Druck auf seinen jungen Teamkollegen auszuüben. Der 28-Jährige erklärte öffentlich, die Weltmeisterschaft sei inzwischen „Antonellis Titel zum Verlieren“. Eine klassische psychologische Finte im Titelkampf. Doch die Antwort des Italieners erfolgte nicht in Interviews, sondern auf der Strecke.

Während Antonelli die Pole Position eroberte, landete Russell lediglich auf Rang sechs. Fast vier Zehntelsekunden trennten die beiden Mercedes-Piloten am Ende voneinander. Für Monaco ist das eine kleine Ewigkeit.

Nach dem Qualifying wirkte Russell entsprechend ratlos. Er sprach davon, „verwirrt“ zu sein und räumte erstmals offen ein, dass er aktuell keine Erklärung für seine Formschwäche habe. Zu Saisonbeginn in Australien und China habe noch alles funktioniert, inzwischen passe praktisch nichts mehr zusammen.

Die Ursachen sieht Russell vor allem in den unterschiedlichen Fahrstilen. Während Antonelli offenbar problemlos das optimale Temperaturfenster der Reifen trifft, kämpft der Brite zunehmend damit, das Maximum aus dem Auto herauszuholen. Besonders frustrierend für Russell: Noch im vergangenen Jahr war die Situation nahezu umgekehrt. Damals hatte Antonelli Schwierigkeiten, sich an Russells Fahrweise anzupassen. Nun scheint sich das Blatt komplett gewendet zu haben.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff versucht derweil zu beruhigen. Russell sei mental stark genug, um mit der Situation umzugehen. Aus seiner Sicht fehle dem Briten derzeit vor allem das Vertrauen ins Auto. Wer in Monaco einmal den Rhythmus verliere, finde ihn nur schwer wieder.

Auf der anderen Seite steht ein selbstbewusster Kimi Antonelli. Der erst 19-jährige Italiener erlebt derzeit einen beeindruckenden Lauf und scheint die Leichtigkeit eines Fahrers zu besitzen, der noch keine Angst vor Fehlern hat. Wolff sprach von einer positiven Dynamik, die derzeit alles etwas einfacher erscheinen lasse.

Für das Rennen selbst dürfte allerdings der Start entscheidend werden. Antonelli hat in dieser Saison bei jedem Grand Prix Plätze in der Anfangsphase verloren. Auch diesmal lauern mit Max Verstappen und Lewis Hamilton zwei absolute Schwergewichte direkt hinter ihm.

Verstappen konnte sich einen Scherz nicht verkneifen und gab dem jungen Mercedes-Piloten einen augenzwinkernden Rat für den Rennstart:

„Wenn die Ampeln ausgehen, warte einfach eine Sekunde. Das wäre mein Tipp.“

Hamilton wiederum machte deutlich, wie schwierig Überholmanöver in Monaco trotz der neuen Fahrzeuggeneration bleiben. Der siebenfache Weltmeister hofft deshalb vor allem auf einen perfekten Start, um Druck auf die beiden Fahrer vor ihm auszuüben.

Während Antonelli also vor seinem bislang größten Karriereerfolg steht, muss Russell schnell Antworten finden. Denn aus einem vermeintlich internen Mentor-Schüler-Verhältnis entwickelt sich bei Mercedes immer mehr ein echter Machtwechsel.

Und derzeit sieht es so aus, als hätte der Schüler den Lehrer nicht nur eingeholt – sondern bereits überholt.

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