Im Alltag verstehen sie sich bestens. Sie reden über Filme, tauschen sich über Tennis aus, ihre Väter sind befreundet und seit dem Laver Cup 2024 verbindet sie eine enge Freundschaft.
Doch am Sonntag gilt auf dem Court eine einfache Regel:
Freunde hin oder her – einer wird gewinnen, einer wird verlieren.
Alexander Zverev und Flavio Cobolli stehen im Finale der French Open und kämpfen um ihren ersten Grand-Slam-Titel. Während Zverev seit Jahren als künftiger Major-Sieger gehandelt wird, schreibt Cobolli derzeit die größte Geschichte seiner Karriere.
Für Zverev ist es die vielleicht größte Chance seiner Laufbahn. Nachdem Carlos Alcaraz verletzungsbedingt fehlte, Jannik Sinner überraschend früh ausschied und auch Novak Djokovic das Turnier vorzeitig verlassen musste, öffnete sich das Tableau plötzlich weit. Viele Beobachter sehen deshalb vor allem den Deutschen unter Druck.
Denn eines darf man nicht vergessen:
Zverev hat bereits drei Grand-Slam-Finals verloren.
Die Erinnerungen an die Niederlagen bei den US Open 2020, den French Open 2024 und den Australian Open 2025 dürften trotz aller Beteuerungen noch irgendwo im Hinterkopf vorhanden sein.
Entsprechend groß ist die Frage:
Wenn nicht jetzt – wann dann?
Zverev selbst gibt sich gewohnt gelassen. Er konzentriere sich ausschließlich auf den Gegner auf der anderen Seite des Netzes und nicht auf die Erwartungen von außen.
Auf der anderen Seite steht mit Flavio Cobolli ein Spieler, den vor Beginn des Turniers wohl kaum jemand als Finalisten auf dem Zettel hatte. Der Italiener hatte vor diesem Jahr in Paris nie die dritte Runde überstanden und erlebt nun den größten Moment seiner Karriere.
Dabei scheint Cobolli die Sache erstaunlich locker anzugehen.
Während andere Spieler in einem Grand-Slam-Finale vermutlich kaum schlafen können, pflegt der Italiener lieber seine kleinen Rituale. Jeden Abend dasselbe Restaurant, dieselbe Duschkabine wie Rafael Nadal und möglichst immer dieselben Abläufe.
Cobolli selbst gibt zu, dass er ein wenig abergläubisch sei.
Wobei „ein wenig“ inzwischen offenbar eine recht flexible Definition geworden ist.
„Diese Woche bin ich etwas verrückter als sonst“, sagte der Italiener mit einem Lächeln.
Die Bilanz spricht zwar mit 3:1 Siegen für Zverev, doch die beiden bisherigen Duelle auf Sand in dieser Saison zeigen, wie eng das Duell werden könnte. Cobolli gewann in München, Zverev revanchierte sich anschließend in Madrid.
Besonders interessant ist dabei die menschliche Komponente.
In vielen Sportarten wird gerne von Rivalitäten, Feindschaften und psychologischen Spielchen gesprochen. Hier stehen sich jedoch zwei Spieler gegenüber, die sich gegenseitig respektieren und mögen.
Zverev nennt die Freundschaft „natürlich“, Cobolli bezeichnet den Deutschen als großartigen Spieler und Menschen.
Doch wenn es um einen Grand-Slam-Titel geht, endet die Harmonie für ein paar Stunden.
Dann zählt keine Freundschaft.
Keine gemeinsamen Gespräche.
Keine netten Worte.
Dann geht es nur noch um den Pokal.
Und genau deshalb dürfte dieses Finale besonders spannend werden.
Denn während Cobolli seinen Märchenlauf krönen will, kämpft Zverev gegen die vielleicht letzte große Frage seiner Karriere:
Kann er endlich den Grand-Slam-Fluch besiegen?
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