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reconcept 06 Windpark Jeggeleben GmbH & Co. KG-Bilanzanalyse

daninthepan1 (CC0), Pixabay
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Die reconcept 06 Windpark Jeggeleben GmbH & Co. KG wirkt bilanziell aktuell solide finanziert, aber operativ deutlich stärker von Wetter- und Strompreisrisiken abhängig, als viele Anleger vermutlich erwarten. 2024 war schwach, allerdings nicht wegen technischer Probleme, sondern wegen eines schlechten Windjahres und deutlich niedrigerer Strompreise. Das ist wichtig: Die Anlagen funktionieren offenbar sehr gut – die Ertragsvolatilität kommt primär von außen.

Die Gesellschaft ist damit kein „Problemfall“, aber auch kein defensives Infrastrukturinvestment mit stabil kalkulierbaren Cashflows mehr. Für Anleger ist entscheidend, ob die kommenden Jahre wieder näher am langjährigen Windmittel liegen.


Positiv zu bewerten

1. Sehr hohe technische Verfügbarkeit

Die Anlagenverfügbarkeit lag bei nahezu 100 %.

Das ist ein starkes Signal:

  • keine größeren technischen Ausfälle,
  • keine offensichtlichen Wartungsprobleme,
  • keine Hinweise auf substanziellen Investitionsstau.

Für Windparks ist das ein zentraler Qualitätsindikator.


2. Solide Eigenkapitalquote

Eigenkapitalquote:

  • ca. 56 %.

Das ist für einen Windparkfonds relativ komfortabel. Viele vergleichbare Strukturen arbeiten deutlich aggressiver mit Fremdkapital.

Auch die Bankverbindlichkeiten wurden weiter reduziert:

  • von 3,37 Mio. € auf 2,85 Mio. €.

Die Entschuldung läuft also planmäßig.


3. Positiver operativer Cashflow trotz Verlust

Der Jahresfehlbetrag von:

  • –138 T€

wirkt auf den ersten Blick negativ, ist aber bilanziell stark durch Abschreibungen beeinflusst.

Operativ vor Abschreibungen:

  • ca. +747 T€ Liquiditätsüberschuss.

Das bedeutet:

  • Die Gesellschaft konnte Zinsen und Tilgung weiterhin bedienen.
  • Es bestand keine akute Liquiditätskrise.
  • Der Kredit wurde regulär weiter zurückgeführt.

Das ist wesentlich wichtiger als der reine HGB-Jahresverlust.


4. EEG-Untergrenze stabilisiert Einnahmen

Die Erlöse sind 2024 massiv gefallen, aber:

  • die EEG-Vergütung fungiert faktisch als Untergrenze.

Das reduziert das Extremrisiko gegenüber rein marktpreisabhängigen Windparks.


Kritische Punkte

1. Sehr starker Ergebniseinbruch

Umsatz:

  • 2023: 2,56 Mio. €
  • 2024: 1,15 Mio. €

Das ist ein Rückgang um rund 55 %.

Der Gewinn kippte von:

  • +1,15 Mio. €
    auf
  • –138 T€.

Das zeigt:

  • Die Gesellschaft hat hohe operative Hebel.
  • Schon ein schwaches Windjahr kann die Profitabilität stark beeinträchtigen.

Für Anleger bedeutet das:
Die Ausschüttungen sind deutlich weniger stabil als bei klassischen Infrastrukturinvestments.


2. Ausschüttungspolitik wirkt ambitioniert

Besonders kritisch:

2024 wurden erneut:

  • ca. 830 T€ ausgeschüttet,

obwohl:

  • Verlust erzielt wurde,
  • Strommenge deutlich unter Plan lag,
  • Cashflow stark rückläufig war.

Kumulierte Entnahmen:

  • 3,10 Mio. €.

Das ist nicht zwingend unseriös – Windfonds schütten oft auf Basis von Liquidität statt Bilanzgewinn aus –, aber es erhöht das Risiko, dass bei mehreren schwachen Jahren:

  • Ausschüttungen gekürzt,
  • Liquiditätsreserven angegriffen,
  • oder Anschlussfinanzierungen schwieriger werden.

3. Wetterabhängigkeit stärker als erwartet

Die Stromproduktion lag:

  • 13 % unter Plan.

Und besonders kritisch:

  • Anfang 2025 lagen die Strommengen laut Bericht sogar 33 % unter Prognose.

Das Management formuliert vorsichtig optimistisch, aber zwischen den Zeilen steht:

Das Jahr 2025 hängt stark von einem guten Sommer- und Herbstwindaufkommen ab.

Das ist kein ideales Signal.


4. Laufzeit- und Restwertthema

Wichtiger Punkt:

Die Anlagen werden bilanziell bis 2031 abgeschrieben,
die EEG-Förderung läuft aber bis 2035.

Das ist grundsätzlich positiv, weil:

  • nach Vollabschreibung theoretisch hohe Cashflows möglich wären.

ABER:
Die Anlagen stammen aus 2015.

Damit steigt in den letzten Jahren:

  • das technische Risiko,
  • das Reparaturrisiko,
  • das Risiko größerer Komponentenwechsel.

Gerade ab Jahr 10–15 werden Windparks oft deutlich wartungsintensiver.

Der Bericht erwähnt dieses Risiko zwar allgemein, aber nicht konkret für diese Anlagen.


5. Rückbauverpflichtung möglicherweise knapp kalkuliert

Rückstellung Rückbau:

  • nur ca. 98 T€.

Das erscheint für zwei Windenergieanlagen eher niedrig, sofern keine zusätzlichen Sicherheiten oder Rückbauvereinbarungen existieren.

Zwar gibt es zusätzlich:

  • Avalkredit über 169 T€,

aber Anleger sollten beachten:
Rückbaukosten können bei älteren Anlagen erheblich steigen.


Auffällige Bilanzdetails

Liquidität sinkt deutlich

Bankguthaben:

  • 1,20 Mio. € → 702 T€.

Das ist ein Rückgang um:

  • ca. 500 T€.

Das erklärt sich durch:

  • schwächere operative Erträge,
  • Tilgung,
  • hohe Ausschüttungen.

Noch kein Alarmzeichen, aber der Puffer wird kleiner.


Forderungen aus Stromverkauf stark gesunken

Forderungen aus Lieferungen:

  • 357 T€ → 124 T€.

Das bestätigt indirekt:

  • deutlich geringere Stromerlöse.

Keine Investitionen mehr

2024:

  • keine Neuinvestitionen,
  • keine Modernisierung,
  • keine Erweiterungen.

Die Gesellschaft fährt aktuell rein den Bestandsbetrieb.


Wie ich das als Anleger einordnen würde

Positives Szenario

Wenn:

  • Windjahre wieder durchschnittlich werden,
  • Strompreise stabil bleiben,
  • keine größeren technischen Schäden auftreten,

dann kann die Gesellschaft:

  • weiterhin ordentliche Ausschüttungen leisten,
  • den Kredit weiter abbauen,
  • ab 2031 sogar sehr cashflowstark werden.

Kritisches Szenario

Wenn:

  • 2025 erneut windschwach bleibt,
  • größere Reparaturen auftreten,
  • Strompreise niedrig bleiben,

dann könnte:

  • die Ausschüttungspolitik unter Druck geraten,
  • die Liquidität weiter sinken,
  • die Wirtschaftlichkeit deutlich schwächer werden.

Gesamtfazit

Stärken

  • solide Eigenkapitalbasis,
  • funktionierende Technik,
  • reguläre Kreditrückführung,
  • kein Hinweis auf Bilanzprobleme,
  • EEG-Unterstützung stabilisiert Einnahmen.

Schwächen

  • extrem volatile Erträge,
  • hohe Abhängigkeit von Windaufkommen,
  • aggressive Ausschüttungen trotz schwächerer Jahre,
  • sinkende Liquiditätsreserve,
  • zunehmendes Altersrisiko der Anlagen.

Anlegerurteil

Das Investment wirkt derzeit eher wie:

  • ein laufender, grundsätzlich funktionierender Windpark mit erhöhtem Ertragsrisiko,

nicht wie:

  • ein akut gefährdetes Beteiligungsmodell.

Für Bestandsanleger wäre mein kritischer Fokus künftig auf:

  1. Windentwicklung 2025,
  2. Höhe der Ausschüttungen,
  3. Liquiditätsbestand,
  4. mögliche größere Wartungsaufwendungen ab 2026/27.

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