Eine Welt im Ausnahmezustand
Wer an diesem Wochenende einen Blick auf die internationale Nachrichtenlage geworfen hat, könnte zu dem Schluss kommen, dass die Weltpolitik mittlerweile von Drehbuchautoren einer besonders kreativen Satire-Serie gesteuert wird.
In Kolumbien gewinnt ein Mann namens „Der Tiger“ die Präsidentschaftswahl, Donald Trump streitet sich öffentlich mit Italiens Premierministerin, in Prag demonstrieren Tausende für unabhängige Medien, Jordanien führt nach Jahren wieder Hinrichtungen durch – und in Washington scheitert eine millionenteure Pool-Renovierung an Algen und Physik.
Ein ganz normaler Sonntag im Jahr 2026.
Der Tiger übernimmt Kolumbien
In Kolumbien hat der rechtskonservative Abelardo de la Espriella die Präsidentschaftswahl knapp gewonnen.
Der von Donald Trump unterstützte Anwalt und Politik-Neuling setzte sich gegen den linken Kandidaten Iván Cepeda durch und verspricht nun einen harten Kurs gegen Drogenkartelle und Guerillagruppen.
Der selbst ernannte „Tiger“ möchte Kriminelle mit militärischer Härte bekämpfen und schließt sogar Luftangriffe gegen bewaffnete Gruppen nicht aus.
Nach Jahren linker Regierung erlebt Kolumbien damit einen deutlichen Rechtsruck.
Viele Wähler hoffen auf mehr Sicherheit.
Andere hoffen vor allem darauf, dass künftig nicht jeder politische Konflikt mit militärischen Begriffen beschrieben wird.
Trump findet Italien unkooperativ
Währenddessen hat Donald Trump erneut einen Streit mit Europa eröffnet.
Diesmal traf es Italien und Premierministerin Giorgia Meloni.
Trump kritisierte Rom dafür, sich nicht ausreichend an möglichen Aktionen gegen den Iran zu beteiligen. Die USA hätten Europa jahrzehntelang geschützt, nun sei es an der Zeit, etwas zurückzugeben.
Meloni reagierte wenig beeindruckt.
Bereits zuvor hatte sie Trump sinngemäß geraten, sich lieber um seine eigenen Beliebtheitswerte zu kümmern.
Man darf festhalten: Die transatlantischen Beziehungen bleiben lebendig.
Prag verteidigt seine Medien
In Tschechien wiederum gingen Tausende Menschen auf die Straße, um gegen die geplante Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aus dem Staatshaushalt zu protestieren.
Die Regierung von Andrej Babis verspricht Einsparungen.
Die Kritiker befürchten politische Einflussnahme.
Die Mitarbeiter der Sender bedankten sich mit Transparenten bei den Demonstranten und kündigten gleich einen Warnstreik an.
Es ist die klassische europäische Debatte:
Die Regierung spricht von Reformen.
Die Journalisten sprechen von Unabhängigkeit.
Und die Bürger fragen sich, wer am Ende recht behält.
Jordanien entdeckt die Todesstrafe wieder
Weniger symbolisch und deutlich ernster ist die Entwicklung in Jordanien.
Erstmals seit neun Jahren wurden dort wieder Todesurteile vollstreckt.
Sechs Männer wurden hingerichtet, weitere mehr als hundert Menschen sitzen nach Regierungsangaben weiterhin in Todeszellen.
Die Regierung spricht von Gerechtigkeit.
Menschenrechtsorganisationen dürften die Entwicklung deutlich kritischer sehen.
Der Kampf um das blaue Wasser
Und dann wäre da noch Donald Trumps berühmter Reflecting Pool in Washington.
Der Präsident hatte beschlossen, das ikonische Wasserbecken vor dem Lincoln Memorial in „amerikaflaggen-blau“ erstrahlen zu lassen.
14 Millionen Dollar später sieht das Ergebnis allerdings eher nach einem schlecht gepflegten Gartenteich aus.
Die Farbe blättert ab.
Algen breiten sich aus.
Arbeiter fischen blaue Farbpartikel aus dem Wasser.
Trump macht Vandalismus und unbekannte Saboteure verantwortlich.
Die Natur macht derweil das, was sie seit Millionen Jahren macht: Sie ignoriert politische Wünsche.
Besonders kurios wurde die Angelegenheit, als ein ehemaliger Olympiateilnehmer ein Stück abgelöste Farbe aus dem Wasser fischen wollte und daraufhin festgenommen wurde.
Manche Menschen landen wegen schwerer Verbrechen vor Gericht.
Andere, weil sie wissen wollten, wie sich patriotische Poolfarbe anfühlt.
Die Moral der Geschichte
Die Ereignisse dieses Wochenendes zeigen vor allem eines:
Politik wird immer unberechenbarer.
Mal gewinnt ein „Tiger“ die Wahl.
Mal kämpfen Bürger für unabhängige Medien.
Mal streiten sich Staatschefs wie Nachbarn über den Gartenzaun.
Und manchmal scheitert ein Millionenprojekt an Algen.
Wer behauptet, die Realität sei langweiliger als Satire, hat die Nachrichten der vergangenen Tage nicht gelesen.
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