Startseite Allgemeines Michael Kretschmer und die ewige Brandmauer: Viel Diagnose, wenig Bauplan
Allgemeines

Michael Kretschmer und die ewige Brandmauer: Viel Diagnose, wenig Bauplan

OpenClipart-Vectors (CC0), Pixabay
Teilen

Michael Kretschmer hat wieder einmal das ausgesprochen, was viele längst beobachten: Die berühmte Brandmauer ist kein politisches Allheilmittel. Sie verhindert vielleicht, dass sich ein Feuer ausbreitet – sie löscht es aber nicht.

So weit, so richtig.

Nur stellt sich mittlerweile eine andere Frage: Was genau schlägt Sachsens Ministerpräsident eigentlich vor?

Denn Kretschmer ist inzwischen Meister einer ganz eigenen politischen Disziplin geworden. Er analysiert Probleme oft treffend, beschreibt Stimmungen präzise, warnt vor Entwicklungen – und bleibt bei konkreten Lösungen erstaunlich zurückhaltend.

Der Mann, der immer mahnt

Wenn man die Interviews der vergangenen Jahre liest, ergibt sich ein bekanntes Muster.

Kretschmer sagt, man müsse die Sorgen der Bürger ernst nehmen.

Kretschmer sagt, man müsse die Ursachen für den Erfolg der AfD bekämpfen.

Kretschmer sagt, die Menschen dürften sich nicht ohnmächtig fühlen.

Kretschmer sagt, bloße Ausgrenzung reiche nicht.

Alles richtig.

Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem die Bürger nicht mehr hören wollen, was alles nicht funktioniert. Dann möchten sie wissen, was stattdessen funktionieren soll.

Sachsen im politischen Wartesaal

Der Freistaat wirkt derzeit wie ein Land im politischen Zwischenraum.

Die CDU regiert mit der SPD und ist bei vielen Vorhaben zusätzlich auf das Wohlwollen anderer Parteien angewiesen. Gleichzeitig erklärt die AfD bei jeder Gelegenheit, sie sei die eigentliche Volkspartei Sachsens.

Das Ergebnis ist häufig eine Politik des kleinsten gemeinsamen Nenners.

Große Reformen? Schwierig.

Klare Richtungsentscheidungen? Noch schwieriger.

Politische Berechenbarkeit? Eher ein Glücksfall.

Gerade das aber wäre für viele Bürger wichtig. Denn erfolgreiche Politik lebt nicht nur von guten Ideen, sondern auch davon, dass die Menschen wissen, woran sie sind.

Die offene Frage der CDU

Kretschmer schließt eine Zusammenarbeit mit der AfD kategorisch aus. Das ist die offizielle Linie seiner Partei und daran lässt er keinen Zweifel.

Gleichzeitig beschreibt er selbst immer wieder, dass die Brandmauer allein die Probleme nicht löst.

Damit steht die CDU vor einem Dilemma, das sie bisher nicht überzeugend beantwortet hat.

Wenn die AfD dauerhaft hohe Wahlergebnisse erzielt, wenn sie in Regionen stärkste Kraft wird und wenn andere Mehrheiten immer schwieriger zu organisieren sind, dann reicht es irgendwann nicht mehr, nur über die Brandmauer zu sprechen.

Dann muss man erklären, wie politische Mehrheiten künftig entstehen sollen.

Mehr Mitbestimmung – aber wie?

Besonders interessant ist Kretschmers Forderung nach mehr Bürgerbeteiligung.

Das klingt sympathisch.

Wer wäre schon gegen mehr Mitsprache?

Doch auch hier bleibt vieles offen.

Sollen Bürger häufiger direkt abstimmen?

Soll es mehr kommunale Entscheidungen geben?

Soll die EU weniger regulieren?

Sollen Planungsverfahren verändert werden?

All das wären konkrete Vorschläge.

Bislang bleibt es allerdings oft bei der allgemeinen Forderung, die Menschen müssten sich weniger ohnmächtig fühlen.

Das eigentliche Problem

Vielleicht liegt genau hier das Kernproblem der aktuellen Politik.

Viele Politiker erklären den Bürgern sehr ausführlich, warum Menschen unzufrieden sind.

Wesentlich seltener erklären sie, wie diese Unzufriedenheit praktisch beseitigt werden soll.

Michael Kretschmer ist dafür ein gutes Beispiel.

Er erkennt die Symptome oft sehr genau.

Aber der Therapieplan bleibt häufig erstaunlich vage.

Fazit

Die Brandmauer-Debatte dreht sich inzwischen im Kreis.

Die einen verteidigen sie wie ein Naturgesetz.

Die anderen erklären sie für gescheitert.

Michael Kretschmer versucht den Mittelweg: Die Brandmauer sei notwendig, aber sie löse die eigentlichen Probleme nicht.

Das mag stimmen.

Nur wäre es langsam an der Zeit, den Sachsen nicht nur zu erklären, warum das Haus brennt.

Sondern auch zu sagen, wo eigentlich der Feuerlöscher steht.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

Iran schließt die Straße von Hormus. Die Realität hat davon offenbar noch nichts erfahren.

Es gibt Nachrichten, bei denen man sich fragt, ob die Beteiligten dieselben...

Allgemeines

220 Millionen für Olise? Schön fürs Festgeldkonto – katastrophal für die Mannschaft

Als Bayern-Fan muss ich bei solchen Meldungen immer schmunzeln. 220 Millionen Euro...

Allgemeines

Eintracht Frankfurt-Fan reagiert auf Riera: Danke für nichts, Albert!

Ach Albert. Kaum bist du weg, vermissen wir dich schon. Also zumindest...

Allgemeines

Hat der neue Linken-Chef noch alle Tassen im Schrank?

Der neue Linken-Chef Luigi Pantisano ist kaum im Amt, da liefert er...