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RB Leipzig: Jetzt muss RB Leipzig zeigen ob es Demichelis wirklich vertraut

jorono (CC0), Pixabay
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Als RB Leipzig Martín Demichelis im Sommer verpflichtet hat, war ich durchaus gespannt.

Ein international erfahrener Trainer, früher selbst ein großer Spieler, Bundesliga-Erfahrung aus seiner Zeit beim FC Bayern und eine klare Vorstellung davon, wie seine Mannschaft auftreten soll: aggressiv, intensiv, mutig.

Genau das versprach sich auch die sportliche Führung. Marcel Schäfer erklärte bei der Verpflichtung, Demichelis verbinde eine klare Spielidee mit hoher Intensität und fachlicher Kompetenz. Der Argentinier unterschrieb einen Vertrag bis 2028.

Nach wenigen Wochen ist von der anfänglichen Euphorie allerdings nicht mehr viel übrig.

Und deshalb stellt sich schon erstaunlich früh eine unangenehme Frage:

Wie stabil ist das Vertrauen in Martín Demichelis wirklich?

Erst 0:3 gegen Gladbach? Nein – zunächst sah alles wunderbar aus

Dabei begann die Bundesligasaison nahezu perfekt.

RB gewann das erste Ligaspiel unter Demichelis mit 3:0 gegen Borussia Mönchengladbach.

Tempo.

Aggressivität.

Spielfreude.

Genau jener Fußball, den man sich von seinem neuen Trainer erhofft hatte.

Die Bundesliga sprach nach dem gelungenen Auftakt sogar von einem Traumstart.

Damals konnte man durchaus denken:

Vielleicht hat RB mit Demichelis genau den richtigen Mann gefunden.

Nur eine Woche später sah die Fußballwelt bereits völlig anders aus.

Bremen war der erste richtige Warnschuss

Bei Werder Bremen verlor Leipzig 1:3.

Das Ergebnis war ärgerlich.

Die Art und Weise war schlimmer.

RB hatte zwar sehr viel Ballbesitz, fand gegen einen kompakt verteidigenden Gegner aber kaum Lösungen.

Zu wenig Tempo.

Zu wenig Überraschung.

Zu wenig Konsequenz.

Und vor allem zu wenig Leidenschaft.

Kapitän David Raum kritisierte anschließend selbst, dass es an Ideen und Intensität gefehlt habe. Marcel Schäfer bezeichnete die Niederlage als „richtigen Denkzettel“.

So etwas kann passieren.

Jede Mannschaft hat schlechte Spiele.

Und vielleicht wäre Bremen tatsächlich nur ein Ausrutscher geblieben.

Dann kam Como.

Und Como war kein Ausrutscher mehr

Champions League.

RB zurück auf der großen europäischen Bühne.

Und dann verliert Leipzig beim italienischen Champions-League-Neuling Como 1907 mit 1:4.

Das kann man nicht mehr einfach abhaken.

Vor allem nicht nach dem Auftritt in Bremen.

Willi Orban sagte anschließend bemerkenswert deutlich, Como sei Leipzig praktisch in allen Bereichen überlegen gewesen.

David Raum formulierte es ähnlich drastisch: Mit Ball sei Leipzig nicht mutig genug gewesen, gegen den Ball nicht scharf genug.

„Überall einen Ticken zu wenig.“

Das ist eigentlich der entscheidende Satz.

Denn wenn eine Mannschaft einmal schlecht spielt, liegt es vielleicht an einem schlechten Tag.

Wenn dieselben Probleme wenige Tage später wieder auftauchen, muss man genauer hinschauen.

Sieben Gegentore in zwei Spielen

1:3 in Bremen.

1:4 in Como.

Sieben Gegentore in zwei Pflichtspielen.

Und noch unangenehmer:

RB wurde nicht von Manchester City oder Real Madrid vorgeführt.

Bremen hatte zuvor selbst Probleme.

Como spielt erstmals überhaupt Champions League.

Natürlich hat Como Qualität.

Natürlich darf man diesen Gegner nicht unterschätzen.

Aber der Anspruch von RB Leipzig ist ein anderer.

Dieser Klub will dauerhaft Champions League spielen.

Dieser Klub investiert entsprechend.

Dieser Klub spricht regelmäßig davon, Titel gewinnen zu wollen.

Dann kann ein 1:4 in Como nicht einfach mit einem Schulterzucken beantwortet werden.

Trotzdem wäre eine Trainerdiskussion jetzt absurd

Und genau an diesem Punkt möchte ich als RB-Fan etwas deutlich sagen:

Jetzt Demichelis infrage zu stellen wäre viel zu früh.

Der Mann ist seit gut zwei Monaten hier.

Er hat eine neue Mannschaft übernommen.

Der Kader wurde verändert.

Wichtige Spieler gingen.

Andere kamen.

Christopher Nkunku ist zurück.

Junge Spieler müssen integriert werden.

Verletzungen erschweren die Abläufe zusätzlich.

Und Demichelis versucht gleichzeitig, eine neue Spielidee zu installieren.

Wer glaubt, dass so etwas innerhalb von vier Wochen perfekt funktionieren muss, lebt nicht in der Realität.

Deshalb finde ich die aktuelle Aussage von Marcel Schäfer richtig.

Der Sport-Geschäftsführer erklärte nach den beiden Niederlagen sinngemäß, dass man ruhig bleiben werde und geschlossen hinter Trainerteam und Mannschaft stehe.

Sehr gut.

Aber jetzt muss RB dieses Vertrauen auch zeigen.

Vertrauen darf nicht nur ein Satz für die Pressekonferenz sein

Wir kennen das Geschäft.

Ein Trainer bekommt öffentlich das „volle Vertrauen“.

Zwei Niederlagen später wird intern diskutiert.

Noch eine Niederlage später heißt es:

„Wir mussten handeln.“

Deshalb interessiert mich weniger, was RB jetzt sagt.

Mich interessiert, was RB tut.

Demichelis wurde bewusst verpflichtet.

Mit Vertrag bis 2028.

Mit einer klaren Idee.

Mit dem Auftrag, Leipzig wieder aggressiver, schneller und attraktiver spielen zu lassen.

Wenn man von diesem Trainer wirklich überzeugt ist, dann muss man ihm jetzt auch durch eine schwierige Phase helfen.

Nicht blind.

Nicht grenzenlos.

Aber glaubwürdig.

Vor allem die Mannschaft muss jetzt für ihren Trainer spielen

Und genau hier beginnt für mich die Verantwortung der Spieler.

Nach einem 1:3 und einem 1:4 kann man nicht immer nur über Taktik sprechen.

Ein Trainer kann Pressinglinien vorgeben.

Ein Trainer kann Laufwege erklären.

Ein Trainer kann Spielaufbau trainieren.

Aber er kann nicht selbst in den Zweikampf gehen.

Er kann nicht selbst sprinten.

Er kann nicht selbst den zweiten Ball gewinnen.

Wenn Spieler nach einem Champions-League-Spiel sagen, sie seien gegen den Ball nicht scharf genug gewesen, dann ist das zunächst einmal kein taktisches Problem.

Das ist eine Frage der Einstellung.

Und deshalb möchte ich jetzt sehen, dass diese Mannschaft für Demichelis kämpft.

Nicht in irgendwelchen Interviews.

Auf dem Platz.

Gegen den HSV zählt nicht nur das Ergebnis

Als Nächstes kommt der Hamburger SV.

Der HSV steht selbst massiv unter Druck.

Auf dem Papier ist RB klarer Favorit.

Natürlich erwarten wir einen Sieg.

Aber ich möchte ehrlich gesagt mehr sehen als drei Punkte.

Ich möchte eine Reaktion sehen.

Ich möchte Spieler sehen, die nach einem verlorenen Ball sofort hinterhergehen.

Ich möchte Zweikämpfe sehen.

Ich möchte Kommunikation sehen.

Ich möchte sehen, dass jemand den Nebenmann wachrüttelt.

Und ich möchte erkennen können:

Diese Mannschaft glaubt an ihren Trainer.

Das ist momentan wichtiger als irgendeine schöne Ballbesitzstatistik.

Demichelis muss allerdings ebenfalls reagieren

Unterstützung für den Trainer bedeutet nicht, dass man ihm einen Freifahrtschein ausstellt.

Auch Demichelis muss aus den vergangenen beiden Spielen lernen.

Gegen Bremen wirkte Leipzig gegen einen tiefstehenden Gegner lange ideenlos.

Gegen Como fehlte es erneut an Lösungen, gleichzeitig war die Mannschaft defensiv viel zu anfällig.

Genau dafür ist ein Trainer verantwortlich.

Demichelis muss zeigen, dass er nicht nur eine Idee besitzt, sondern seine Idee auch an Situationen anpassen kann.

Bundesliga und Champions League bestrafen Starrheit.

Manchmal muss man weniger schön spielen.

Manchmal muss man zunächst Stabilität herstellen.

Manchmal muss man ein Spiel auch einfach kontrollieren.

Vielleicht braucht RB gerade weniger Spektakel

Demichelis wurde auch geholt, damit RB wieder für Aggressivität, Tempo und spektakulären Fußball steht.

Dagegen habe ich überhaupt nichts.

Im Gegenteil.

Aber Spektakel funktioniert nur, wenn die Grundlagen stimmen.

Wenn du vorne mutig spielst und hinten ständig offen bist, wird aus Spektakel schnell Chaos.

Sieben Gegentore innerhalb weniger Tage sollten deshalb ein Hinweis sein.

Vielleicht braucht Leipzig momentan nicht noch mehr Risiko.

Vielleicht braucht Leipzig zunächst wieder Ordnung.

Auch Marcel Schäfer steht in der Verantwortung

Denn eines darf man nicht vergessen:

Demichelis hat sich nicht selbst verpflichtet.

Marcel Schäfer und die sportliche Führung haben sich bewusst für ihn entschieden.

Und damit stehen auch sie jetzt in der Pflicht.

Wenn Demichelis wirklich der Trainer ist, von dem man langfristig überzeugt ist, dann muss man ihn schützen.

Man muss ihm Zeit geben.

Man muss ihm intern deutlich sagen, was verbessert werden muss.

Und man muss verhindern, dass nach wenigen schlechten Spielen bereits wieder jene typische Trainerdynamik entsteht, die im modernen Fußball inzwischen fast automatisch abläuft.

RB braucht keine nächste hektische Entscheidung.

RB braucht jetzt Klarheit.

Zwei Niederlagen dürfen nicht alles infrage stellen

Ich finde ohnehin bemerkenswert, wie schnell heutzutage Trainer unter Druck geraten.

Vor zwei Wochen war Demichelis nach dem 3:0 gegen Gladbach noch der Mann des gelungenen Neustarts.

Heute diskutiert man bereits darüber, wie groß der Druck auf ihn sei.

Das ist absurd.

Natürlich verändern Ergebnisse die Stimmung.

Natürlich kann man die Leistungen in Bremen und Como kritisieren.

Das tue ich ebenfalls.

Aber wer nach zwei Niederlagen bereits grundsätzlich über einen Trainer nachdenkt, wird niemals etwas entwickeln.

Jetzt zeigt sich der Charakter dieser Mannschaft

Für mich werden deshalb die kommenden Spiele ausgesprochen interessant.

Nicht nur wegen der Tabelle.

Sondern weil wir jetzt sehen werden, welchen Charakter diese Mannschaft besitzt.

Nach Siegen ist es leicht, den Trainer zu loben.

Nach einem 3:0 erzählen alle, wie hervorragend die Trainingsarbeit sei.

Nach zwei Niederlagen wird es interessant.

Läuft die Mannschaft weiter für ihren Trainer?

Setzt sie seine Vorgaben um?

Kämpft sie füreinander?

Oder beginnt jeder, sich selbst zu retten?

Das sind Momente, in denen eine Mannschaft viel über sich verrät.

Ich will keinen Aktionismus

Als RB-Fan möchte ich deshalb gerade eines ausdrücklich nicht:

Aktionismus.

Keine künstlich erzeugte Trainerdebatte.

Keine Ultimaten.

Keine Gerüchte darüber, wer irgendwo schon als Nachfolger bereitsteht.

Demichelis wurde verpflichtet, weil RB von ihm überzeugt war.

Also soll RB jetzt auch zu dieser Entscheidung stehen.

Zumindest solange erkennbar ist, dass Trainer und Mannschaft gemeinsam an Lösungen arbeiten.

Das bedeutet nicht, dass Ergebnisse egal sind.

Natürlich nicht.

RB Leipzig hat hohe Ansprüche.

Und wenn die Mannschaft über einen längeren Zeitraum nicht funktioniert, muss irgendwann diskutiert werden.

Aber dieser Zeitpunkt ist nach wenigen Wochen noch nicht gekommen.

Jetzt müssen beide Seiten liefern

Demichelis muss Lösungen finden.

Die Mannschaft muss Intensität zeigen.

Und die Vereinsführung muss Ruhe bewahren.

Es ist eigentlich ganz einfach.

Der Trainer darf sich nicht hinter einer „neuen Spielidee“ verstecken.

Die Spieler dürfen sich nicht hinter dem Trainer verstecken.

Und die Vereinsführung darf sich nicht hinter den Spielern verstecken.

Alle drei Seiten sind gefragt.

Als RB-Fan sage ich: Gebt ihm die Chance – und kämpft für ihn

Ich bin mit den vergangenen beiden Auftritten überhaupt nicht zufrieden.

Das 1:3 in Bremen war schlecht.

Das 1:4 in Como war noch schlechter.

Das darf bei unseren Ansprüchen nicht zur Normalität werden.

Aber gerade deshalb möchte ich jetzt sehen, dass RB Leipzig als Verein zusammensteht.

Wenn man Martín Demichelis im Sommer für den richtigen Trainer gehalten hat, dann muss man ihm jetzt vertrauen.

Und seine Mannschaft muss dieses Vertrauen auf dem Platz rechtfertigen.

Nicht mit schönen Worten.

Mit Laufbereitschaft.

Mit Zweikämpfen.

Mit Leidenschaft.

Mit Konzentration.

Und hoffentlich irgendwann wieder mit dem Fußball, den Demichelis eigentlich spielen lassen möchte.

Denn die kommenden Wochen sollten nicht darüber entscheiden, wie schnell RB wieder einen Trainer wechseln kann.

Sie sollten zeigen, wie gut dieser Verein darin ist, gemeinsam aus einer Krise herauszukommen.

Vielleicht ist genau diese erste schwierige Phase die wichtigste Prüfung für Martín Demichelis.

Aber mindestens genauso sehr ist sie eine Prüfung für seine Mannschaft.

Jetzt muss RB zeigen, dass man dem Trainer vertraut. Und die Spieler müssen zeigen, dass sie bereit sind, für ihn zu kämpfen.

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