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50 Jahre Terror: Die Anschläge, die die Welt erschütterten

MIH83 (CC0), Pixabay
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Terrorismus lässt sich nicht allein in Opferzahlen messen. Manche Anschläge töteten Hunderte oder Tausende Menschen, andere veränderten mit vergleichsweise geringeren Opferzahlen die Sicherheits- und Außenpolitik ganzer Staaten. Für einen Überblick über die vergangenen 50 Jahre lohnt sich dennoch ein Blick auf die folgenschwersten Fälle.

Eine exakte Weltrangliste ist allerdings schwieriger, als es zunächst scheint. Die Global Terrorism Database erfasst mehr als 200.000 terroristische Ereignisse und weist selbst darauf hin, dass Definition, Quellenlage und Abgrenzung zu Kriegshandlungen eine Rolle spielen. Besonders Massaker innerhalb laufender Bürgerkriege lassen sich nicht immer eindeutig als einzelner „Terroranschlag“ einordnen.

11. September 2001: Der Anschlag, der eine Epoche veränderte

Kein Terroranschlag der vergangenen Jahrzehnte steht so sehr für eine historische Zäsur wie der 11. September 2001. Al-Qaida-Terroristen entführten vier Passagierflugzeuge. Zwei wurden in die Türme des World Trade Centers in New York gesteuert, eines traf das Pentagon, das vierte stürzte nach dem Widerstand von Passagieren und Besatzungsmitgliedern in Pennsylvania ab.

2.977 Menschen wurden getötet. Damit bleiben die Anschläge vom 11. September nach den üblichen Definitionen der opferreichste eindeutig als Terroranschlag klassifizierte Angriff der jüngeren Geschichte.

Die Auswirkungen gingen weit über die unmittelbaren Opfer hinaus. Der Krieg in Afghanistan, die spätere amerikanische Invasion des Irak, neue Geheimdienststrukturen, schärfere Flugkontrollen und weitreichende Überwachungsgesetze prägten die folgenden Jahrzehnte.

Der 11. September veränderte nicht nur die USA. Er veränderte die internationale Sicherheitspolitik.

7. Oktober 2023: Mehr als 1.200 Tote in Israel

Zu den opferreichsten terroristischen Gewalttaten der vergangenen 50 Jahre zählen auch die koordinierten Angriffe der Hamas und anderer palästinensischer bewaffneter Gruppen auf Israel am 7. Oktober 2023.

Nach Feststellungen einer UN-Untersuchungskommission wurden mehr als 1.200 Menschen getötet, darunter mindestens 809 Zivilisten; zudem wurden Hunderte Menschen als Geiseln verschleppt. Die Vereinten Nationen bezeichneten zahlreiche Handlungen dieses Tages ausdrücklich als Terrorakte und stellten unter anderem vorsätzliche Angriffe auf Zivilisten, Tötungen und Geiselnahmen fest.

Der Fall zeigt zugleich das Abgrenzungsproblem solcher Statistiken: Die Angriffe richteten sich sowohl gegen zivile Orte als auch gegen Militärbasen und bildeten den Auftakt eines großen bewaffneten Konflikts. Deshalb werden sie in wissenschaftlichen Datensätzen nicht immer genauso kategorisiert wie beispielsweise ein Bombenanschlag auf eine zivile Einrichtung.

2007: Fast 800 Tote bei den Anschlägen auf Jesiden im Irak

Am 14. August 2007 traf eine koordinierte Anschlagsserie die jesidischen Ortschaften Qahtaniya und Jazeera im Nordirak.

Nach Schätzungen des Irakischen Roten Halbmonds kamen dabei bis zu 796 Menschen ums Leben, mehr als 1.500 wurden verletzt. Die Attacke gilt als einer der verheerendsten Anschläge während des Irakkriegs und richtete sich gezielt gegen die jesidische Minderheit.

Der Anschlag war zugleich ein Vorzeichen für die noch viel brutalere Verfolgung, der Jesiden wenige Jahre später durch den sogenannten „Islamischen Staat“ ausgesetzt wurden.

Mogadischu 2017: 587 Menschen sterben

Am 14. Oktober 2017 erschütterte eine gewaltige Explosion die somalische Hauptstadt Mogadischu.

Mindestens 587 Menschen wurden getötet, Hunderte verletzt. Die Vereinten Nationen bezeichnen den Anschlag als den tödlichsten Terrorbombenanschlag mit einem improvisierten Sprengsatz in Afrika. Der Angriff wurde al-Shabaab zugeschrieben.

Dass dieser Anschlag international teilweise weniger präsent ist als Attacken mit deutlich geringeren Opferzahlen in Europa oder Nordamerika, zeigt auch eine Schieflage der öffentlichen Wahrnehmung des Terrorismus.

Beslan 2004: Terror gegen eine Schule

Besonders verstörend bleibt die Geiselnahme von Beslan im russischen Nordossetien.

Am 1. September 2004 überfielen bewaffnete Terroristen eine Schule und nahmen mehr als tausend Menschen als Geiseln – darunter zahlreiche Kinder. Die Krise endete drei Tage später in einer Katastrophe.

334 Menschen starben, darunter 186 Kinder, mehr als 800 wurden verletzt.

Beslan wurde zu einem Symbol dafür, dass terroristische Gewalt bewusst auch die verletzlichsten Mitglieder einer Gesellschaft treffen kann.

Air India 182: 329 Menschen sterben über dem Atlantik

Am 23. Juni 1985 explodierte eine Bombe an Bord von Air-India-Flug 182 auf dem Weg von Kanada nach Europa.

Alle 329 Menschen an Bord kamen ums Leben. Bis heute ist es der schwerste Terroranschlag in der Geschichte Kanadas. Die Tat wurde von Sikh-Extremisten vorbereitet und ausgeführt.

Der Anschlag gehört zugleich zu den folgenschwersten Angriffen auf die zivile Luftfahrt überhaupt.

Bagdad 2016: 324 Tote im Stadtteil Karrada

Am 3. Juli 2016 traf ein Anschlag das belebte Einkaufsviertel Karrada in Bagdad. Viele Menschen waren während des Ramadan noch spät am Abend unterwegs.

Die irakische Gesundheitsministerin bezifferte die endgültige Zahl der Toten später auf 324. Der sogenannte „Islamische Staat“ reklamierte die Tat für sich.

Der Anschlag verdeutlichte die enorme Verwundbarkeit der irakischen Zivilbevölkerung während des Aufstiegs des IS.

Nord-Sinai 2017: Massaker während des Freitagsgebets

Nur wenige Wochen nach Mogadischu folgte in Ägypten die nächste Katastrophe.

Am 24. November 2017 griffen Bewaffnete die al-Rawda-Moschee auf der Sinai-Halbinsel während des Freitagsgebets an.

311 Menschen wurden getötet, darunter Kinder. Es war der tödlichste Terroranschlag der modernen ägyptischen Geschichte.

Besonders zynisch: Die überwiegend muslimischen Opfer wurden angegriffen, weil die Moschee mit einer sufistischen Glaubenstradition verbunden war, die von extremistischen Islamisten abgelehnt wird.

Beirut 1983: Angriff auf amerikanische und französische Soldaten

Am 23. Oktober 1983 wurden die Unterkünfte amerikanischer und französischer Angehöriger einer multinationalen Friedenstruppe in Beirut nahezu gleichzeitig angegriffen.

Dabei starben 241 US-Soldaten, 58 französische Soldaten und sechs libanesische Zivilisten – insgesamt 305 Opfer ohne die beiden Attentäter.

Der Anschlag demonstrierte früh die verheerende Wirkung von Selbstmordattentaten auf politische und militärische Entscheidungen. Wenige Monate später zogen die USA einen Großteil ihrer Truppen aus dem Libanon ab.

Sri Lanka 2019: Terror am Ostersonntag

Am Ostersonntag 2019 wurden Kirchen und Hotels in Sri Lanka Ziel einer koordinierten Anschlagsserie.

Nach neueren Angaben kamen 279 Menschen ums Leben, etwa 500 wurden verletzt. Die Angriffe richteten sich insbesondere gegen christliche Gottesdienste und internationale Hotels.

Die Anschläge gehörten zu den schwersten Terrorakten in der ohnehin von jahrzehntelangem Bürgerkrieg geprägten Geschichte Sri Lankas.

Lockerbie 1988: 270 Tote

Am 21. Dezember 1988 explodierte eine Bombe an Bord von Pan-Am-Flug 103 über dem schottischen Lockerbie.

Alle 259 Menschen an Bord und elf Bewohner des Ortes kamen ums Leben – 270 Tote insgesamt.

Bis zum 11. September gehörte Lockerbie zu den bekanntesten Symbolen des internationalen Terrorismus und führte weltweit zu Veränderungen bei der Luftsicherheit.

Bali 2002: 202 Opfer aus zahlreichen Ländern

Am 12. Oktober 2002 wurden vor allem von Touristen besuchte Nachtlokale auf der indonesischen Insel Bali angegriffen.

202 Menschen starben, darunter 88 Australier und 38 Indonesier. Verantwortlich war die jihadistische Organisation Jemaah Islamiyah.

Für Australien hatte Bali eine ähnlich traumatische gesellschaftliche Wirkung wie andere große Terroranschläge für die USA oder europäische Staaten.

Madrid 2004: Terror im Berufsverkehr

Am Morgen des 11. März 2004 explodierten in vier Pendlerzügen in Madrid mehrere Bomben.

Nach Angaben des spanischen Innenministeriums starben 192 Menschen unmittelbar oder später an ihren Verletzungen. Mehr als 2.000 Menschen wurden verletzt.

Die Anschläge ereigneten sich nur drei Tage vor der spanischen Parlamentswahl und lösten eine intensive politische Debatte über den Irakkrieg, Terrorismus und den Umgang der Regierung mit ersten Informationen über die Täter aus.

Oklahoma City 1995: Terror aus dem eigenen Land

Terrorismus ist keineswegs ausschließlich ein internationales oder jihadistisches Phänomen.

Am 19. April 1995 verübte der amerikanische Rechtsextremist Timothy McVeigh den Anschlag auf das Murrah Federal Building in Oklahoma City.

168 Menschen wurden getötet, darunter 19 Kinder. Das FBI bezeichnet ihn bis heute als den schwersten Akt des inländischen Terrorismus in der Geschichte der Vereinigten Staaten.

Oklahoma City erinnert daran, dass terroristische Ideologien sehr unterschiedliche politische und religiöse Ursprünge haben können.

Zahlen erzählen nur einen Teil der Geschichte

Eine reine Rangliste birgt eine Gefahr: Sie kann suggerieren, der Anschlag mit 300 Toten sei irgendwie „bedeutender“ als einer mit 30.

Für die Opfer und ihre Familien ist eine solche Rechnung sinnlos.

Außerdem gibt es Grenzfälle. Das Camp-Speicher-Massaker im Irak 2014, bei dem der IS vermutlich weit über tausend Gefangene ermordete, wird in manchen Terrorismusstatistiken berücksichtigt, in anderen vor allem als Massaker und Kriegsverbrechen innerhalb eines bewaffneten Konflikts behandelt. Ähnliche Probleme bestehen bei einigen Boko-Haram-Massakern in Nigeria, deren Opferzahlen teilweise zwischen einigen Hundert und mehreren Tausend schwanken.

Deshalb ist eine seriöse Liste der „größten Terroranschläge“ immer auch von ihrer Definition abhängig.

Was sich in 50 Jahren verändert hat

Die Geschichte der vergangenen fünf Jahrzehnte zeigt mehrere Entwicklungen. In den 1970er- und 1980er-Jahren spielten Flugzeugentführungen, separatistische Gruppen und staatlich unterstützter Terrorismus eine große Rolle. Später rückten transnationale jihadistische Netzwerke wie al-Qaida ins Zentrum. Mit dem IS erreichte terroristische Gewalt insbesondere in Irak und Syrien während der 2010er-Jahre eine neue Dimension.

Gleichzeitig blieb rechtsextremer, nationalistischer, separatistischer und anderer ideologisch motivierter Terror bestehen.

Was sich ebenfalls verändert hat, sind die Gegenmaßnahmen: Flughafenkontrollen, internationale Geheimdienstkooperation, Terrorfinanzierungsbekämpfung und digitale Überwachung wurden erheblich ausgebaut. Die GTD dokumentiert jedoch, dass terroristische Gewalt weltweit keineswegs verschwunden ist und sich stark auf Staaten konzentriert, die zugleich von Krieg, Staatszerfall oder inneren Konflikten betroffen sind.

Das gemeinsame Muster

So unterschiedlich New York, Beslan, Mogadischu, Bali oder Bagdad sind – die Logik hinter Terror ist ähnlich: Gewalt soll nicht nur die unmittelbar Angegriffenen treffen. Sie soll weit darüber hinaus Angst verbreiten, Gesellschaften polarisieren und politische Reaktionen provozieren.

Gerade deshalb liegt eine der wichtigsten Lehren aus 50 Jahren Terrorgeschichte nicht nur in besserer Sicherheit.

Sie liegt auch darin, den Tätern eines nicht zu überlassen: die Macht, mit ihrer Gewalt dauerhaft zu bestimmen, wie offene Gesellschaften miteinander leben.

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