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Union Berlin: Bestätigen sich meine Befürchtungen?

jorono (CC0), Pixabay
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Union und das frühe Fragezeichen hinter Mauro Lustrinelli

Ich gebe es zu: Als Horst Heldt im Mai verkündete, dass Mauro Lustrinelli neuer Trainer des 1. FC Union Berlin wird, war meine erste Reaktion nicht gerade Euphorie.

Im Gegenteil.

Ich habe mich gefragt:

Ist das wirklich der richtige Trainer für die Bundesliga?

Nicht weil Lustrinelli nichts vorzuweisen hätte. Das wäre unfair. Er hat beim FC Thun hervorragende Arbeit geleistet, den Klub zunächst in die Schweizer Super League geführt und anschließend sogar zur Meisterschaft. Das ist eine außergewöhnliche Geschichte und verdient Respekt. Union selbst hob bei seiner Verpflichtung seine entwicklungsorientierte Spielidee und seinen offensiveren Ansatz hervor. Horst Heldt begründete die Entscheidung damit, Lustrinelli habe bewiesen, dass er Mannschaften formen und entwickeln könne. Außerdem passe dessen Spielstil zur neuen Union-Idee: aktiver Fußball, mehr junge Spieler, mehr Initiative.

Das hört sich alles wunderbar an.

Nur ist die Bundesliga nicht die Schweizer Super League.

Und genau deshalb hatte ich damals Bauchschmerzen.

Nach drei Spieltagen frage ich mich nun:

War meine Skepsis vielleicht doch nicht unbegründet?

Ein Punkt. Zehn Gegentore.

Wir müssen gar nicht lange um den heißen Brei herumreden.

Union ist schlecht gestartet.

3:3 zu Hause gegen Eintracht Frankfurt.

0:4 bei Bayer Leverkusen.

1:3 zu Hause gegen Aufsteiger Schalke 04.

Das macht nach drei Bundesligaspielen:

einen Punkt und 4:10 Tore.

Das ist nicht einfach ein etwas holpriger Saisonstart.

Das ist ein Warnsignal.

Besonders die Defensive macht Sorgen.

Gegen Frankfurt kassieren wir innerhalb von rund einer Minute zwei Tore und liegen später 1:3 hinten. Dass die Mannschaft das Ding noch auf 3:3 dreht beziehungsweise ausgleicht, spricht für Moral und Mentalität. Genau das gehört zu Union.

Eine Woche später in Leverkusen gibt es allerdings nichts mehr zu retten.

0:4.

Und nun zu Hause gegen Schalke 1:3.

Schalke!

Ein Aufsteiger.

An der Alten Försterei.

Natürlich kann man gegen Schalke verlieren. Das ist Fußball.

Aber wenn ein Trainer nach dem dritten Spieltag selbst sagt, man verteile zu viele Geschenke und bekomme momentan im Schnitt rund drei Gegentore pro Spiel, dann müssen bei Union die Alarmglocken zumindest leise anfangen zu klingeln.

Lustrinelli sagte nach dem Schalke-Spiel selbst:

„Wir bekommen zu viele Gegentore.“

Damit hat er vollkommen recht.

Die Frage ist nur:

Warum?

Was ist eigentlich unsere neue Identität?

Als Lustrinelli verpflichtet wurde, sollte bei Union offenbar ein neues Kapitel beginnen.

Mehr Initiative.

Mehr Ballbesitz.

Mehr Offensivfußball.

Mehr Mut.

Bundesliga.de schrieb vor Saisonbeginn sogar von einem „eisern neu gedachten“ Union. Lustrinelli hatte mit Thun eine Mannschaft trainiert, die auf dem Weg zur Meisterschaft 80 Tore erzielte. Das klang nach einem deutlichen Gegenentwurf zum teilweise sehr pragmatischen Union-Fußball vergangener Jahre.

Nur frage ich mich als Fan:

Müssen wir uns wirklich neu erfinden?

Oder müssten wir nicht zunächst wieder lernen, das gut zu machen, was Union stark gemacht hat?

Union war in seinen erfolgreichsten Jahren nicht deshalb unangenehm, weil wir den Gegner mit 70 Prozent Ballbesitz schwindelig gespielt haben.

Union war unangenehm, weil die Mannschaft organisiert war.

Weil jeder für jeden gearbeitet hat.

Weil Zweikämpfe wehgetan haben.

Weil die Alte Försterei für Gegner kein Wellnessbereich war.

Weil man gegen uns nach 90 Minuten wusste, dass man gerade Fußball gespielt hatte.

Natürlich entwickelt sich Fußball weiter.

Natürlich dürfen auch wir uns verändern.

Aber Entwicklung darf nicht bedeuten, dass man dabei seine Grund-DNA verliert.

Zehn Gegentore passen nicht zu Union

Was mich momentan am meisten beunruhigt, sind deshalb gar nicht die fehlenden Punkte.

Es sind die Gegentore.

Zehn Gegentreffer nach drei Spielen.

Das passt einfach nicht zu meinem Verständnis von Union.

Wenn wir offensiver spielen wollen, schön.

Wenn wir höher pressen wollen, wunderbar.

Wenn wir attraktiver werden wollen, gerne.

Aber bitte nicht auf Kosten jeder defensiven Stabilität.

Denn ein Verein wie Union wird in der Bundesliga auf Dauer keine Spiele gewinnen, indem er versucht, regelmäßig vier Tore zu erzielen.

Wir brauchen eine Grundlage.

Und diese Grundlage heißt zuerst:

Hinten dicht.

Man kann einen neuen Stil nicht auf ein Fundament bauen, durch das es an allen Ecken hineinregnet.

Heldts Wette auf Lustrinelli

Und damit sind wir bei Horst Heldt.

Die Verpflichtung Lustrinellis war keine gewöhnliche Trainerentscheidung.

Es war eine Wette.

Heldt verpflichtete bewusst keinen etablierten Bundesliga-Trainer.

Er holte einen Mann aus der Schweiz, der dort Großartiges erreicht hatte, aber die Bundesliga als Cheftrainer nicht aus eigener Erfahrung kannte. Lustrinelli war zuvor unter anderem im Schweizer Nachwuchsbereich tätig und hatte sich vor allem beim FC Thun einen Namen gemacht.

Das kann funktionieren.

Manchmal entstehen gerade aus solchen Entscheidungen hervorragende Trainergeschichten.

Aber wenn man diesen Weg wählt, trägt die sportliche Führung auch besondere Verantwortung.

Denn die Bundesliga ist erbarmungslos.

Hier bekommst du selten drei Monate Zeit, um festzustellen, ob deine Idee funktioniert.

Hier werden kleine taktische Schwächen sofort bestraft.

Hier analysiert dich jeder Gegner bis ins letzte Detail.

Und wenn eine Mannschaft defensiv nicht sauber organisiert ist, bekommst du eben nicht nur gegen Bayern oder Leverkusen Probleme.

Dann bekommst du sie auch gegen einen Aufsteiger wie Schalke.

Und dann war da noch Marie-Louise Eta

Was die Trainerentscheidung für mich zusätzlich interessant macht:

Union hatte am Ende der vergangenen Saison mit Marie-Louise Eta durchaus Stabilität gefunden.

Nach der Trennung von Steffen Baumgart übernahm sie die Mannschaft für die letzten fünf Bundesligaspiele, holte sieben Punkte und sicherte mit Union den Klassenerhalt. Der Verein beendete die Saison auf Rang elf.

Natürlich war immer vorgesehen, dass Eta anschließend die Frauenmannschaft übernimmt.

Und fünf Spiele sind ebenfalls kein Beweis dafür, dass sie langfristig die perfekte Trainerin für die Männer gewesen wäre.

Aber rückblickend darf man zumindest fragen:

Musste der nächste Schritt unbedingt ein kompletter Systemwechsel mit einem Bundesliga-Neuling sein?

Oder hätte Union nach zwei turbulenten Jahren vielleicht gerade etwas anderes gebraucht?

Kontinuität.

Stabilität.

Bundesliga-Erfahrung.

Einen Trainer, der die Liga kennt und zunächst dafür sorgt, dass die Mannschaft wieder schwer zu schlagen ist.

Heldt hatte schon bei Baumgart Vertrauen – bis es nicht mehr ging

Auch bei Steffen Baumgart hatte Horst Heldt noch im Januar 2026 voller Überzeugung erklärt, Union sei auf einem guten Weg. Der Vertrag wurde sogar vorzeitig verlängert.

Keine drei Monate später war Baumgart weg.

Die Begründung damals: zwei Siege aus 14 Rückrundenspielen, enttäuschende Leistungen und eine gefährliche Tabellensituation.

Das gehört zum Fußball.

Eine Entscheidung kann im Januar richtig erscheinen und im April trotzdem nicht mehr funktionieren.

Aber genau deshalb darf man auch die Entscheidungen eines Geschäftsführers hinterfragen.

Heldt hat nun erneut eine sehr bewusste Trainerentscheidung getroffen.

Und diesmal dürfte er besonders daran gemessen werden.

Noch ist es viel zu früh für ein Urteil

Bei aller Kritik möchte ich allerdings eines ausdrücklich sagen:

Nach drei Bundesligaspielen einen Trainer rauszuschreiben wäre Unsinn.

Lustrinelli braucht Zeit.

Er hat neue Spieler.

Er möchte eine neue Spielidee etablieren.

Er arbeitet mit einer Mannschaft, die sich ebenfalls verändert hat.

Und auch gegen Schalke war nicht alles schlecht.

Union hatte Möglichkeiten, traf mehrfach Aluminium, entwickelte in der zweiten Halbzeit Druck und gab sich trotz des Rückstands nicht auf. Der späte Treffer von Tim Skarke war zumindest Ausdruck dieser Mentalität.

Man darf also nicht so tun, als würde hier eine völlig leblose Mannschaft über den Platz laufen.

Das wäre schlicht falsch.

Aber genauso falsch wäre es, jetzt alles mit „Prozess“, „Entwicklung“ und „neuer Spielidee“ schönzureden.

Bundesliga ist Ergebnissport.

Und irgendwann muss aus einer Idee ein funktionierendes Fußballspiel werden.

Was ich jetzt von Lustrinelli sehen will

Ich erwarte gar keine Wunder.

Ich erwarte auch nicht, dass Union plötzlich Barcelona wird.

Eigentlich wünsche ich mir etwas viel Einfacheres.

Ich möchte wieder eine Union-Mannschaft sehen, bei der der Gegner denkt:

Verdammt, heute wird es unangenehm.

Ich möchte defensive Ordnung sehen.

Klare Abläufe.

Aggressivität gegen den Ball.

Eine Mannschaft, die nicht nach jedem eigenen Fehler sofort auseinanderfällt.

Und wenn wir dann zusätzlich mutiger nach vorne spielen – umso besser.

Aber die Reihenfolge muss stimmen.

Zuerst Stabilität.

Dann Schönheit.

Vielleicht hatte ich recht – aber ich hoffe, dass ich mich irre

Als Lustrinelli verpflichtet wurde, hielt ich ihn für ein großes Risiko.

Die ersten drei Bundesligaspiele haben meine Zweifel jedenfalls nicht beseitigt.

Im Gegenteil.

Ein Punkt.

Zehn Gegentore.

Zwei Niederlagen hintereinander.

Das sind Fakten.

Sie beweisen noch nicht, dass Mauro Lustrinelli als Bundesligatrainer ungeeignet ist.

Aber sie liefern genügend Gründe, die Trainerentscheidung kritisch zu beobachten.

Und genau das werde ich tun.

Nicht weil ich Recht behalten will.

Im Gegenteil.

Ich hoffe inständig, dass ich mich irre.

Ich hoffe, dass wir in drei Monaten zurückblicken und über diesen Text lachen.

Dass Lustrinelli seine Mannschaft stabilisiert.

Dass seine Idee funktioniert.

Dass Heldts Mut belohnt wird.

Denn am Ende ist mir als Unioner vollkommen egal, ob meine Meinung vom Sommer richtig oder falsch war.

Ich möchte keine Wette gegen unseren Trainer gewinnen.

Ich möchte Union gewinnen sehen.

Aber Horst Heldt und Mauro Lustrinelli müssen jetzt zeigen, dass hinter dem angekündigten neuen Union-Fußball mehr steckt als eine schöne Idee.

Denn Ideen bringen keine Punkte.

Und wenn nach drei Spielen ein Punkt und zehn Gegentore auf dem Konto stehen, dann darf ein Union-Fan schon einmal fragen:

War diese Trainerentscheidung wirklich die richtige?

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